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Netzwerk fachliche Unterrichtsentwicklung

Netzwerk Geschichte

Einführung

Kompetenzorientiertes Unterrichten in der Sekundarstufe I des Gymnasiums im Fach Geschichte

(Dr. Holger Schmenk, Sophie-Scholl-Gymnasium Oberhausen)

Was bedeutet kompetenzorientiertes Unterrichten nach dem Kernlehrplan (G8) des Fachs Geschichte für die Sekundarstufe I für das Gymnasium konkret? Welche Auswirkungen hat die Fokussierung auf Kompetenzen in der Planung von Geschichtsunterricht? Anhand welcher konkreten Module lässt sich der im Kernlehrplan geforderte Paradigmenwechsel für Lehrerinnen und Lehrer greifbar machen? Diesen und vielen weiteren Fragen gingen der am Netzwerk fachliche Unterrichtsentwicklung beteiligte Dezernent, die Lehrkräfte, Referendarinnen und Referendare, Fachleiter und Wissenschaftler sowie Wissenschaftlerinnen in intensiven Diskussionen produktorientiert nach, da die Fachdidaktik hinsichtlich der Unterrichtspraxis nicht immer ausreichende Antworten bietet. Die Diskussion um Kompetenzen steht relativ am Anfang, so griff die Konferenz für Geschichtsdidaktik – also der Verband der Geschichtsdidaktiker in Deutschland – erst im Herbst 2005 die Debatte um Kompetenzen und Bildungsstandards auf.1

Entwickelt wurden innerhalb des Netzwerks einzelne Module, die in erster Linie als Hilfestellung für die Kolleginnen und Kollegen an den Gymnasien für die tägliche Unterrichtspraxis zu sehen sind und keinen Anspruch erheben den Lehrplan breit abzudecken. Sie sollen die Implementierung einer kompetenzbasierten Lernkultur im Fach Geschichte unterstützen und zudem bei der Erstellung von hausinternen Curricula Anhaltspunkte bieten. Auch für das – in der unterrichtlichen Praxis teils vernachlässigte – Inhaltsfeld 12 „Was Menschen früher voneinander wussten und heute voneinander wissen“ wurden Materialien erarbeitet: Mögliche Fragestellungen und Zugangsweisen für dieses Inhaltsfeld wurden vor dem Hintergrund der fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Diskussion und Forschung sowie an konkreten Beispielen entwickelt.

 

Abbildung NfUE-Geschichte 1

Berücksichtigt wurden die vier im Kernlehrplan Geschichte formulierten Kompetenzbereiche – also Sach-, Methoden-, Urteils- und Handlungskompetenz mit dazugehörigen Kompetenzerwartungen. Hingewiesen werden muss auf die Künstlichkeit ihrer Trennung zwecks Systematisierung. Doch erst die Aufteilung in die vier Kompetenzbereiche ermöglicht die Nennung differenzierter Teilkompetenzen und unterstützt so die konkrete Planung von Geschichtsunterricht. In der Praxis sind sie selbstverständlich alle miteinander verknüpft und interdependent.

Die Entwicklung und Vernetzung der Kompetenzen erfolgt im Rahmen der obligatorischen zwölf Inhaltsfelder. Zu betonen ist, dass die progressiv angeordneten Kompetenzen auf Basis eines systematisch aufgebauten Wissens nach und nach ausdifferenziert werden müssen, so dass die Schülerinnen und Schüler die Fähigkeit zum selbständigen historischen Denken und Urteilen stufenweise entwickeln können. Die konkrete Förderung und Einbindung von Kompetenzen im Geschichtsunterricht muss über eine pädagogische Diagnose der jeweiligen Lehrkraft erfolgen, denn nur sie kennt die individuellen Voraussetzungen ihrer Schülerinnen und Schüler und muss beurteilen, was die Lernenden können müssen, wenn sie über eine Kompetenz / mehrere Kompetenzen durchschnittlich verfügen (Niveaukonkretisierung).

Die Kompetenzorientierung des Kernlehrplans führt weg von der Problematik eines – vermeintlich vollständigen – inhaltlichen Kanons, der von den Lehrkräften im Laufe der Schullaufbahn mit der Klasse der Reihe nach abgearbeitet werden kann. Kompetenzen fordern ein Output orientiertes Denken, sie „rücken den Blick weg von den zu behandelnden ‚Sachen‘ und hin zu den zu befähigenden Schülerinnen und Schülern“ 2 . Die Lehrkraft muss sich nach Behandlung der Themen im Geschichtsunterricht fragen: Verfügen die Schülerinnen und Schüler über Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, um ihre Einstellungen zu reflektieren? Kompetenzen sollen damit überprüfbar werden.

Innerhalb des Netzwerks wurde ein Kompetenzraster für die Kompetenz zur Analyse schriftlicher Quellen am Ende der Sek. I und in der Sek. II entwickelt, das sich z.B. für die Bewertung von Klausuren eignet.

Das Erreichen der vier Kompetenzbereiche des Lehrplans, mindestens auf einem intermediären Niveau (Regelstandard), verbunden mit der traditionellen Vermittlung von zentralen Inhalten, zur Entwicklung eines reflektierten und (selbst-)reflexiven Geschichtsbewusstseins und einer ausgeprägten Urteilsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler ist das Ziel des modernen Geschichtsunterrichts. Der Kernlehrplan definiert das Geschichtsbewusstsein folgendermaßen:

„Ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein entwickelt sich in dem Maße, wie Schülerinnen und Schüler historische Kompetenz erwerben, also jene fachspezifischen Fähigkeiten, die erforderlich sind, um Phänomene als historisch bedeutsam zu erfassen, diese Phänomene (möglichst) selbstständig zu untersuchen, Zusammenhänge und Zeitverläufe zu deuten, gewonnene Erkenntnisse darzustellen, Folgerungen für Gegenwart und Zukunft zu ziehen und am öffentlichen Diskurs über Geschichte teilzunehmen.“ (S. 18)

Hinweise zu den vier Kompetenzbereichen im Kernlehrplan

Die vier Kompetenzbereiche Sach-, Methoden-, Urteils- und Handlungskompetenz sind, wie bereits erläutert, untereinander vernetzt. Im Verbund der in den Fächern Erdkunde und Politik/Wirtschaft zu erwerbenden Kompetenzen sind sie Bestandteil einer gesellschaftswissenschaftlichen Grundbildung, die die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzen soll, ein politisch-demokratisches Bewusstsein auszubilden und aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft mitzuwirken.

image Sachkompetenz

Die historische Sachkompetenz meint die Fähigkeit, Fertigkeit und Bereitschaft zum reflektierten Umgang mit Geschichte auf der Basis von Grundlagenwissen über…

  • … Zeitvorstellungen und Datierungssysteme,
  • … historische Ereignisse und Personen,
  • … ideengeschichtliche Vorstellungen, Prozesse und Strukturen,
  • … das Leben der Menschen in unterschiedlichen Gesellschaften und zu unterschiedlichen Zeiten.

image Methodenkompetenz

Die historische Methodenkompetenz umfasst die Fähigkeit, Fertigkeit und Bereitschaft zur Beherrschung von Verfahren für die…

  • … Informationsbeschaffung und Informationsentnahme,
  • … Aufbereitung, Strukturierung, Analyse und Interpretation fachbezogener Sachverhalte,
  • … problemorientierte / multiperspektivische / kontroverse Darstellung und Präsentation fachbezogener Sachverhalte.

image Urteilskompetenz

Die historische Urteilskompetenz setzt Teilkompetenzen aus den Bereichen Sach- und Methodenkompetenz voraus. Sie beinhaltet die Fähigkeit, Fertigkeit und Bereitschaft…

  • … zu reflektierenden Beurteilungen auf der Basis von Quellen und Darstellungstexten, die auf begründete Kriterien und Kategorien gestützt sind,
  • … zum Abwägen im Diskurs mit anderen Schülerinnen und Schülern, das zu einem veränderten Urteil führen kann.

image Handlungskompetenz

Aus der Beherrschung der drei anderen historischen Kompetenzbereiche ergibt sich die historische Handlungskompetenz, die die aktive und produktive Teilnahme an Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sowie Orientierung ermöglicht. Sie umfasst die Fähigkeit, Fertigkeit und Bereitschaft…

  • … die Sach-, Methoden- und Urteilskompetenz einzusetzen,
  • … sich kritisch mit Deutungen auseinanderzusetzen und aktiv an Deutungsprozessen teilzunehmen…
  • … erworbene Wissensbestände, methodische Fertigkeiten und Urteilskompetenzen in Beziehung zu setzen zur Gegenwart sowie Zukunft und so für eine lebensweltliche Anwendung und historische Orientierung zu nutzen.

Die Erreichung von Kompetenzen kann auf unterschiedlichen Niveaus vorliegen, üblich ist die Einteilung in basal (= Mindeststandard), intermediär (= Regelstandard) und elaboriert (= Expertenstandard).

Derzeit sind mehrere Kompetenzmodelle in der Diskussion. Die im Kernlehrplan entwickelte Unterscheidung von Sach-, Methoden-, Urteils- und Handlungskompetenz ist ein mögliches Modell, Fachdidaktik und Geschichtslehrerverband haben eigene, in Teilen abweichende, Modelle entwickelt.

 

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Unterrichtsplanung

Folgende Module stehen in der Materialdatenbank zum Download zur Verfügung ...

Autorinnen und Autoren

Modul „Kommentierte Hauscurricula“:
Reinhild Arndt für die Fachkonferenz Geschichte (Märkisches Gymnasium Hamm)
Christian Geyer für die Fachkonferenz Geschichte (Gymnasium Letmathe Iserlohn)

Modul „Urteilskompetenz entwickeln“:
Frank Hoffmann (ZfsL Hagen / Bergstadt-Gymnasium Lüdenscheid)

Modul „Kompetenz zur Bildinterpretation entwickeln“:
Klaus-Michael Guse (ZfsL Siegen / WBK Siegen)
Marius Heße (Gymnasium Am Kothen, Wuppertal)
Dr. Andreas Müller (Märkisches Gymnasium Hamm)
Dr. Holger Schmenk (Sophie-Scholl-Gymnasium Oberhausen)
Katrin Stemper (Märkisches Gymnasium Hamm)

Modul „Exemplarische Reihenplanung zum Inhaltsfeld 2: Imperium Romanum“:
Reinhild Arndt (Märkisches Gymnasium Hamm)
Marius Heße (Gymnasium Am Kothen, Wuppertal)
Dr. Andreas Müller (Märkisches Gymnasium Hamm)
Katrin Stemper (Märkisches Gymnasium Hamm)

Modul „Exemplarische Reihenplanung zum Inhaltsfeld 10: Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg“:
Sabrina Beyer (Gymnasium Letmathe Iserlohn)
Christian Geyer (Gymnasium Letmathe Iserlohn)
Frank Hoffmann (ZfsL Hagen / Bergstadt-Gymnasium Lüdenscheid)
Tobias Müller (Gymnasium Lethmate Iserlohn)

Modul „Exemplarische Planungen zum Inhaltsfeld 12 am Beispiel ‚Selbst- und Fremdbilder‘“:
Klaus-Michael Guse (ZfsL Siegen / WBK Siegen)
Prof. Dr. Bärbel Kuhn (Universität Siegen)

Wissenschaftliche Beratung:
Prof. Dr. Bärbel Kuhn (Universität Siegen)
Dr. Holger Schmenk (Sophie-Scholl-Gymnasium Oberhausen)

Fachkoordination:
Peter Josef Kurtenbach (Bezirksregierung Arnsberg, Dezernat 43)

 

Wir bedanken uns bei allen Institutionen und Personen für die gewährte Abdruckerlaubnis. Wir haben uns intensiv bemüht, alle Rechteinhaberinnen und -inhaber ausfindig zu machen und um Abdruckgenehmigung zu bitten. Sollten wir eine Quelle nicht oder nicht vollständig angegeben haben, so bitten wir um einen entsprechenden Hinweis an netzwerkgeschichte1@googlemail.com.


 

1 Körber, Andreas / Schreiber, Waltraud / Schöner, Alexander (Hrsg.): Kompetenzen Historischen Denkens. Ein Strukturmodell als Beitrag zur Kompetenzorientierung in der Geschichtsdidaktik, Neuried 2007, S. 54.

2 Ziener, Gerhard: Bildungsstandards in der Praxis. Kompetenzorientiert unterrichten, 2. Auflage Seelze 2010 [2008], S. 37.

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© 2017 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 26.01.2017