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Gender und Schule

Die Geschlechterfrage ist in Bildung und Erziehung von jeher von großer Bedeutung. Lange Zeit wurden Mädchen beim Zugang zur Bildung und in den Bildungseinrichtungen benachteiligt, wie es in vielen Teilen der Welt auch heute noch der Fall ist. In Deutschland haben sich die schulischen Bildungschancen von Mädchen und Jungen seit der Bildungsreform in den 1960er Jahren angeglichen. Gleichwohl bleibt gendersensible Bildung und Erziehung in der Schule ein relevantes Thema.

Denn Geschlecht ist immer noch bedeutsam für die Bildungs- und Berufschancen in Deutschland, wie die Darstellung statistischer Daten beispielsweise in der Handreichung Gleichberechtigung praktisch lehren - lernen - leben (PDF) zeigt. Inzwischen machen mehr Mädchen als Jungen Abitur. Mädchen können ihre schulischen Erfolge dennoch seltener mit in den Beruf nehmen. Bei Jungen gibt es eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sie eine Klasse wiederholen, sonderpädagogischen Förderbedarf diagnostiziert bekommen und eine Förderschule besuchen. Benachteiligungen in der Bildung aufgrund des Geschlechts werden oft in Kombination mit anderen Kategorien wie soziale Herkunft, Alter und Ethnizität wirksam. Auch wenn Mädchen inzwischen gute und zum Teil bessere Schulabschlüsse als Jungen erreichen, so zeigen sich immer noch große Unterschiede bei der Berufs- und Studienwahl und der weiteren Lebensplanung von jungen Menschen.

Gender spielt im Schul- und Unterrichtsalltag nach wie vor eine wichtige Rolle. Empirische Studien zeigen sehr eindrücklich, dass Menschen in der Schule auf vielfältige Weise an der Herstellung und Konstruktion von Geschlecht beteiligt sind. Unter anderem werden Geschlechterstereotypen so in der Schule reproduziert. 

Gendersensible Bildung und Erziehung muss sich einer paradoxen Situation stellen. Einerseits sollen Benachteiligungen und Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht klar benannt werden, damit man ihnen überhaupt entgegenwirken kann. Andererseits muss kritisch reflektiert werden, inwiefern Schule und Bildung zur Reproduktion von geschlechtsbezogenen Zuordnungen und Stereotypen beiträgt - auch durch die Hervorhebung geschlechtsbezogener Benachteiligung. Das Ziel von gendersensibler Bildung und Erziehung ist, dass die Kategorie Geschlecht langfristig an Bedeutung verliert und individuelle Entfaltung ermöglicht wird. Denn der Auftrag von Schule besteht in der individuellen Förderung aller Kinder und Jugendlichen unabhängig von ihrem Geschlecht und gesellschaftlich tradierten Verhaltensweisen.

Literatur

  • Mädchen und Jungen in Schule und Unterricht
    Herwartz-Emden, Leonie/Schurt, Verena/Wiebke Warburg (2012): Mädchen und Jungen in Schule und Unterricht. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer.
  • Bildung der Geschlechter
    Rendtorff, Barbara (2011): Bildung der Geschlechter. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer.
  • Geschlechtergerechtigkeit in der Schule
    Budde, Jürgen/Scholand, Barbara/Faulstich-Wieland, Hannelore (2008): Geschlechtergerechtigkeit in der Schule. Eine Studie zu Chancen, Blockaden und Perspektiven einer gender-sensiblen Schulkultur. Weinheim und München: Juventa Verlag.
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© 2017 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 09.12.2016