Logo Qualitäts- und UnterstützungsAgentur

Startseite Bildungsportal NRW

Orientierungsbereich (Sprungmarken)

Eine reiche und lernerorientierte Lernumgebung schaffen

Unter Lernumgebung wird zum einen das Klassenzimmer mit seiner Ausstattung verstanden, sowie auch weitere Lernorte, die im Rahmen des schulischen Lernens genutzt werden.
Zum anderen gehört zur Lernumgebung im Fremdsprachenunterricht auch das Sprachangebot, das die Kinder umgibt.
Für den Englischunterricht in der Grundschule wird von der Fachdidaktik eine „reiche, lernerorientierte Lernumgebung“ als notwendige Bedingung für sprachhandlungsorientiertes Lernen genannt. Damit sind im Wesentlichen folgende Aspekte gemeint:

  • ein variationsreiches, möglichst authentisches (und wenig simplifiziertes/ adaptiertes) Sprachangebot, 
  • ansprechende und herausfordernde Anregungen und Aufgaben zum selbstständigen Lernen,
  • vielfältige Gelegenheiten zum authentischen Sprachhandeln.

Das heißt, der Lerner soll die Sprache als Instrument kennen und vor allem gebrauchen lernen.1
Hierfür ist ein reicher, d.h. sprachintensiver Input wesentlich, denn Voraussetzung für sprachliche Produktion ist eine lange Phase der intensiven Rezeption, des Einhörens in die Sprache, ihre Melodie, ihre Syntagmen etc. Das bedeutet größtmögliche Einsprachigkeit, die Nutzung des Unterrichts als „authentischen Kommunikationsrahmen“ und die Konfrontation mit möglichst reichhaltigem, der Altersgruppe angemessenen Sprachmaterial – in mündlicher oder schriftlicher Form.

Ein für die Lerner motivierender Unterricht, der den Kindern z.B. durch das task-based learning Eigenständigkeit im Lernprozess überträgt, benötigt ein entsprechend ausgestattetes Klassenzimmer, das Hilfestellungen und Anregungen für diese Lernprozesse anbietet.
Dafür werden im Folgenden Anregungen gegeben.

Eine kleine „Bibliothek“, in der vielfältige Materialien zu finden sind, liefert den Schülerinnen und Schüler bei der eigenen Sprachproduktion Anregung und Unterstützung, z.B.:

vorstrukturiertes Arbeitsmaterial, Mustertexte, picture und word cards sowie (Bild-)Wörterbücher, readers, authentische Kinderbücher, …

Aktuelle Sprachplakate mit den zum Thema passenden sprachlichen Mitteln werden jeweils an einem festen Platz im Klassenzimmer gut sichtbar für alle Kinder aufgehängt. Von den Kindern und der Lehrkraft gemeinsam gestaltet dienen sie als Anregung und Formulierungshilfe beim Sprechen bzw. Schreiben und können von den Kindern in ihre eigenen Materialien übernommen werden, z.B. in das Dossier ihres Sprachenportfolios.

Kleine Tischreiter bieten hier insbesondere für Lehrkräfte, die im Fachunterricht von Klasse zu Klasse pendeln und wenig Möglichkeiten haben, die Wände als Informationsfläche für den Unterricht zu nutzen, eine sinnvolle Alternative.

Die Vielfältigkeit an Arbeitsergebnissen fordert einen entsprechend vielseitigen Raum für die Präsentation der Arbeitsergebnisse der Kinder, z.B. in einer  English corner.
Sinnvoll sind z.B:

  • Pinnwände, an denen die schriftlichen Ergebnisse dokumentiert werden und auf die die Kinder dann bei der mündlichen Vorstellung ihrer Ergebnisse (vor der Klasse, vor einer kleinen Gruppe oder einem Partner) zurückgreifen können,
  • Zeit und Raum für das Einüben bzw. für den Vortrag kurzer Rollenspielszenen,
  • Platz für Ausstellungen mitgebrachter Gegenstände oder Bücher zu einem aktuellen Thema, das möglichst auf Englisch kurz vorgestellt werden sollte („Show and tell“).

Eine free activity corner mit ansprechenden Materialien regt zur eigenständigen Auseinandersetzung mit der Zielsprache an. Dazu gehören z.B.:

  • Bild-(Wort-)Karteien und Bildwörterbücher, die den Kindern die Möglichkeit zum Nachschlagen von Wörtern, die ihnen wichtig sind, geben, die sie aber auch dazu anregen, ihren Wortschatz (spielerisch) zu festigen.
  • (Lern-)Spiele, die sowohl (mittlerweile auch in Deutschland) gekauft als auch ein im Unterricht entstandenes Produkt sein können, wie beispielsweise Memory, Snap, board games etc.
  • (Authentische) Kinderbücher und Zeitschriften, im Idealfall mit entsprechenden Hörtexten auf CD.

Die digitalen Medien stellen einen wertvollen Zugewinn für den Fremdsprachenunterricht dar.
Mithilfe von CD-Spielern und MP3-Playern können die Kinder die im Unterricht erarbeiteten songs, rhymes, poems und stories mehrfach anhören, und zwar entweder ausschließlich auditiv oder auch im „Mitleseverfahren“ (Hören eines Hörtextes und paralleles Mitlesen), bei dem sie die Texte im Klang- und Schriftbild verfolgen und sich dabei en passant an die vom Deutschen erheblich abweichende Schreibung gewöhnen. Selbstständig können die Kinder allein, zu zweit oder in einer Gruppe z.B. für eine Präsentation einen Text einüben. Sprachaufnahmegeräte (Kassettenrekorder, Diktiergeräte, MP3-Player mit Aufnahmefunktion) ermöglichen es den Kindern, ihre Vorträge aufzunehmen und mit dem native speaker-Vorbild abzugleichen.

Lernsoftware eröffnet den Schülerinnen und Schülern eine gute Möglichkeit, am Computer das Hörverstehen, das Hör-Sehverstehen, das Leseverstehen und das Schreiben selbstständig zu üben. Von den Lehrwerksverlagen werden häufig speziell auf die Lehrwerke abgestimmte Programme angeboten. Besonders günstig ist es, wenn das Programm neben der Selbstkontrollfunktion für den Lerner auch eine Rückmeldung für die Lehrkraft über absolvierte Übungen bietet.
Internetseiten für englischsprachige Kinder ermöglichen einen authentischen Umgang mit der Fremdsprache, wenn z.B. e-zines 2 im Rahmen von Recherchen und bei projektorientierter Arbeit genutzt werden.

Auch der Kontakt zu native speakers wird über das Internet vereinfacht. Programme zum Austausch von Emails oder zum Chatten schaffen vielfältige Möglichkeiten neben den bewährten Brieffreundschaften. So können sich die Lerner neben dem schriftlichen Austausch auch miteinander unterhalten und im besten Falle sogar sehen. Ein für alle Schulformen geeignetes Netzwerk für Schulpartnerschaften wird von Comenius unter www.e-twinning.org angeboten (vgl. auch in Modul 10 Individuelle Förderung das Kapitel 1.3.5 Geeignete Materialien und Medien).

Besuche von native speakers sorgen für eine unmittelbare Spracherfahrung. Denkbar sind z.B.

    • die Aufführung einer englischen Theatergruppe (z.B. durch das White Horse Theatre), bei der die Kinder das Erfolgserlebnis haben, ein komplettes Theaterstück zu verstehen 
    • ein Interview mit einem muttersprachlichen Elternteil oder einem Austauschschüler (Grundschulen haben häufig schon Kooperationen mit den weiterführenden Schulen installiert. Diese könnten auf kurzem Wege dazu führen, dass Austauschschüler, die diese weiterführende Schule besuchen, auch einmal einen Besuch in der Grundschule machen. Sie lassen sich von den Grundschülern vorbereitete Fragen stellen, bringen evtl. Fotos mit, zu denen sie erzählen, oder verbringen einfach gemeinsame Zeit, in der sie zusammen spielen, den Grundschülern etwas vorlesen usw. Auch muttersprachliche Elternteile sind in der Regel gern bereit, sich für ein Interview oder dgl. zur Verfügung zu stellen.)

      Wichtig ist die Strukturierung der Arbeit, so dass die Schülerinnen und Schüler bei dem vielfältigen Angebot stets den Überblick behalten können. Um das zu erreichen, könnte mit den Kindern im Unterricht eine Übersichtsliste angefertigt werden, die neben dem Material auch auflistet, welche Aktivitäten mit den Materialien durchgeführt werden können, um Englisch zu lernen. Dadurch wird den Kindern ermöglicht, die Lernumgebung eigenständig zu nutzen. 

      Ein fester Platz für einen Verlaufsplan über den Reihen- und Stundenverlauf bietet den Lernern weiterhin einen verlässlichen Rahmen, durch den sie das Ziel nicht aus den Augen verlieren.

      Zugleich handelt es sich dabei um ein immer wiederkehrendes Sprechritual. Wird die Verlaufstransparenz zunächst von der Lehrkraft „vorgelesen“, können später auch die Schüler anhand der Piktogramme die Verlaufstransparenz „vorlesen“ und nehmen so die benötigten classroom phrases in ihren aktiven Wortschatz auf.

       


      1 vgl. Legutke, Michael K. (1998): Handlungsraum Klassenzimmer and beyond. In: Timm, Johannes-P. (Hrsg.): Englisch lernen und lehren. Berlin, Cornelsen-Verlag.

      2 Elektronische Magazine für Kinder und Jugendliche, meist von diesen selbst erstellt


       

      Link zurück zu "Kompetenzorientierte Planung und Gestaltung des Unterrichts"

      Zum Seitenanfang

      © 2019 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 18.12.2012