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Spiel als Methode

„Spiel ist die Arbeit des Kindes.“
(Piaget)

Dieses Verständnis von Spielen liegt dem recht weit gefassten Spielbegriff im Fremdsprachenunterricht zu Grunde.
Wenn vom spielerischen Lernen die Rede ist, so bedeutet dies die Einbindung der kindlichen Fähigkeit, sich ganz und gar auf etwas einzulassen, in einer Handlung zu versinken, in einer Rolle aufzugehen, „so-zu-tun-als-ob“ und dadurch Handlungsmuster zu erproben und zu variieren.

„Sprachenlernen findet dort statt, wo sich der Lerner als Teil
der sprachlich begleiteten sozialen Interaktion erlebt.“ 
¹

Der Einsatz von Spielen und spielerischen Lernformen wirkt sich positiv auf die Motivation und damit auf den Lernprozess aus. Lerninhalte werden vielfältig vernetzt und damit nachhaltiger gelernt. Voraussetzung dabei ist, dass die Spiele und spielerischen Übungen gezielt im Hinblick auf die Förderung sprachlicher Kompetenz ausgewählt werden. Darüber hinaus sollten Spiele besonders in der Schuleingangsphase den Bewegungsdrang der Kinder berücksichtigen. Spielerisches Lernen und Kompetenzorientierung sind kein Widerspruch.

Die Implementation des Spiels als Methode im Englischunterricht der Grundschule ist daher nicht gleichzusetzen mit einem „verspielten Unterricht“. Sie zielt darauf ab, dem Entwicklungsstand und den Bedürfnissen der Kinder zu entsprechen und sie sinnvoll zu fördern und zu fordern.

Der Einsatz von Spielen ermöglicht es den Kindern, sich natürlich auf einen Sachverhalt einzustellen, da sie durch eine Vielzahl an Begegnungen mit dem Spiel im Alltag eine große Routine besitzen, sich auf das Spiel einzulassen und sich darin wiederzufinden.
Schon von frühester Kindheit an wird dem Kind ein spielerischer Zugang zum Begreifen der Welt ermöglicht. Auch ein natürlicher spielerischer Umgang mit der Muttersprache begünstigt diesen Ansatz beim Erlernen der Fremdsprache. Das Spiel ist für jedes Kind etwas Selbstverständliches. Es ist mit positiven Erfahrungen besetzt.

Der spielerische Zugang weckt im Kind eine Neugierde und Bereitschaft, sich auf die Sprache einzulassen. Dass es etwas Sinnvolles mit der Sprache TUN kann,  fördert die Motivation und somit automatisch die Bereitschaft, sich intensiv mit der Sprache auseinanderzusetzen. Dadurch werden sprachliche Inhalte nachhaltig gelernt.

Neben den spezifischen Zielen des Englischunterrichts werden durch den Einsatz des Spiels auch übergreifende Ziele verfolgt. Beim Spielen wird die Problemlösefähigkeit geschult, die Schüler üben sich im Umgang mit Regeln und sie lernen immer mehr den selbstständigen Umgang mit schulischen Inhalten, ohne von der Lehrkraft geleitet zu werden.

Das Spiel ist in allen Phasen des Unterrichts einsetzbar. Es kann als Einstiegsritual zur Wiederholung der Inhalte der letzten Stunde eingesetzt werden, nach der Erarbeitung neuer Inhalte zur Festigung oder am Ende der Stunde, um die Inhalte der Übungseinheit spielerisch abzuschließen. Auch im Hinblick auf die Rhythmisierung des Unterrichts bietet der Einsatz des Spiels Vorteile, da durch spielerische Elemente eine Balance zwischen Spannungs- und Entspannungsphasen hergestellt werden kann. Spezielle Bewegungsspiele kommen zusätzlich dem natürlichen Bewegungsdrang von Kindern nach und wirken konzentrationsfördernd.
Wichtig bei der Auswahl einer Spielform ist die genaue Zielvorgabe: Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten sollen innerhalb des Spiels geübt werden?

Zunehmende Gewichtung sollten Spiele einnehmen, die die Sprachproduktion fördern.
Sinnvoll ist der Einsatz von Spielen, in denen immer wiederkehrende chunks verwendet werden. Diese werden innerhalb des Spiels von den Schülern wiederholt angewendet, gefestigt und mit neuem Wortmaterial erweitert.
Zu Beginn ist es wichtig, die Kinder immer wieder darauf aufmerksam zu machen, die englische Sprache zu verwenden. Durch ihren natürlichen Spieltrieb vergessen sie häufig noch, die Zielsprache zu verwenden, da es ihnen bei Spielen mit Wettbewerbscharakter in erster Linie um das Gewinnen geht. Durch anfängliches, konsequentes Erinnern der Lehrkraft gehen die Schüler aber schnell und zunehmend routinierter zur Verwendung der Zielsprache über. Um eine rasche und gesicherte Verwendung zu gewährleisten, sollten den Schülern sprachliche Unterstützungshilfen angeboten werden (z.B. laminierte Kärtchen, Plakate mit gängigen Wendungen im Spielverlauf: It´s your turn! Who´s next? Shuffle the cards! etc.).

 
Im Fremdsprachenunterricht ist es besonders empfehlenswert, jene Spiele auszuwählen, die die Kinder in Partner- und Gruppenarbeit gemeinsam agieren lassen. Das Spiel bietet den Schülern authentische Redeanlässe und ermöglicht ihnen echte Kommunikationssituationen.

Entscheidungshilfen für die Auswahl von Spielen:

  • Welches sprachliche Ziel wird verfolgt?
  • Liegt der Schwerpunkt auf dem Hörverstehen, Sprechen, Leseverstehen oder Schreiben? 
  • Werden lediglich isolierte Wörter (Nomen, Verben, Adjektive), „chunks“ oder komplexere Redemittel geübt? 
  • Welche Fähigkeiten werden geschult? Rezeption/Produktion; Wortschatz/Grammatik 
  • Welche Funktion hat das Spiel? Einstieg/Einführung; Festigung/Anwendung; Automatisierung; Wiederholung; Entspannung 
  • Welche Vorkenntnisse sind notwendig? Welche Hilfen sind nötig? 
  • Welche Vorbereitung ist von Seiten der Lehrkraft notwendig? 
  • Wie groß ist der Zeitaufwand für die Erklärung des Spiels? 
  • Ist die Übertragbarkeit des Spiels möglich? (z.B. auf verschiedene Wortfelder, andere Themen) 
  • Wie effektiv ist das Spiel, wenn einerseits der zeitliche Aufwand für Erklärung und Spieldauer, die Übertragbarkeit der Regeln auf andere Spiele und andererseits der sprachliche Gewinn berücksichtigt werden?

Spiele und spielerische Übungen:

TPR-Spiele

Anweisungen verstehen und ausführen und in der Rolle des caller selbst Anweisungen geben.
TPR-Spiele schulen in erster Linie das Hörverstehen.

  • Simon says
    Das Spiel Simon says ist vergleichbar mit der bekannten deutschen Variante Alle Vögel fliegen hoch.
    Der Spieler, Simon, gibt der Gruppe Anweisungen, z.B. „Simon says: Stand up!“ oder „Simon says: Jump!“.
    Jeder einzelne Spieler führt die entsprechende Anweisung aus, allerdings nur dann, wenn vor der Anweisung „Simon says“ gesagt wurde.
    Wird lediglich die Anweisung „Jump!“ vom Spielleiter Simon gegeben, dann verbleiben die Spieler in ihrer Ausgangsstellung und warten auf die nächste korrekte Anweisung.
  • We are going on a bear hunt (TPR-Story) 
  • Robots, follow my commands 
Wortschatzspiele

Die Kinder werden angehalten, allmählich Sätze und nicht nur einzelne Wörter zu verwenden. Außerdem sollte die Rolle des Spielleiters oder caller sobald wie möglich von einem Kind übernommen werden.

  • Word tennis
    Bei dem Spiel word tennis stellen sich die Kinder hintereinander in zwei Reihen auf.
    Die jeweils ersten Kinder der beiden Reihen nennen nach vorher festgelegten Regeln ein Begriffspaar, z.B. Farben & Tiere (grey-elephant / green-frog) oder Eigenschaften & Gegenstände (hot-sun / soft-rabbit). Das Kind, das an der Reihe war, stellt sich danach hinten in der Reihe an.
    Um einen zusätzlichen Anreiz zu bieten, kann dieses Spiel als Wettbewerb gestaltet werden. Die erfolgreiche oder schnellere Gruppe bekommt jeweils einen Punkt.
  • Bingo
  • Domino  
  • Memory  
  • Fly swats 
  • Pairs/Four in hand/Happy families (Quartett): Kinder fragen nach den Karten: Have you got ...? 
Sprachspiele

Sprachspiele werden gemeinsam gesprochen oder gesungen und mit sinnunterstützenden Handlungen verbunden. Diese Art des Spiels dient der gezielten Ausspracheschulung und unterstützt das Hörverstehen/Hör-Sehverstehen.

  • Nursery rhymes (z.B. Incy Wincy Spider)
    Incy wincy spider
    Climbed up the water spout Finger klettern den Arm hinauf
    Down came the rain Finger imitieren fallende Regentropfen
    And washed the spider out Hand macht eine schnelle Abwärtsbewegung
    Out came the sun and dried up all the rain Hände beschreiben einen großen Halbkreis
    And the incy wincy spider
    Climbed up the spout again Finger klettern wieder den Arm hinauf
    Der Reim wird gemeinsam gesprochen und mit entsprechenden Gesten unterstützt.
  • Tongue twisters 
  • Skipping rhymes (z.B. Teddy bear, turn around)
  • Clapping rhymes (z.B. A sailor went to the sea, sea, sea)
Kreisspiele

Anweisungen verstehen und entsprechend agieren. Sätze nach einem bestimmten Muster sprechen und erweitern. Das Hörverstehen wird geschult. Je nach Variation kann innerhalb dieser Spiele auch das Sprechen gefördert werden.

  • Fruit salad
    Die Gruppe sitzt im Kreis. Der Spielleiter ordnet jedem Spieler eine Obstsorte zu. Wichtig ist zu beachten, dass jede Obstsorte mehrfach vorhanden sein muss. Wenn der Spieler die Obstsorte aufruft, tauschen alle Spieler, die dieser Sorte zugeteilt sind, schnell die Plätze. Wenn „fruit salad“ gerufen wird, tauschen alle Spieler schnell die Plätze. Der Spielleiter versucht nun auch, einen Platz zu bekommen. Der Spieler, der keinen Platz bekommen hat, ist nun der caller und das Spiel beginnt erneut.
  • 1,2,3, …come to me
  • Who stole the cookies from the cookie jar?
  • What is missing? (Kim-Spiel) 
  • I’m going on holiday and I’ll pack my... (Kofferpacken)
Ratespiele

Diese Spiele sollten nach Möglichkeit in Partnerarbeit durchgeführt werden, so dass ein hohes Maß an Sprachumsatz gewährleistet wird.

  • Information gap activity
  • Zwei Kinder haben zwei ähnliche Bildvorlagen, die sich in wenigen Details (z.B. Farbe, Anzahl, Raum/Lage) unterscheiden. Ein Kind beginnt und beschreibt sein Bild. Fehlende Bildinhalte ergänzt der Partner. Partnerwechsel. Wenn beide Bilder schließlich verglichen werden, sollten sie identisch sein.
  • Guess my favourite animal (It has got…, it is …)
  • I spy with my little eye (Ich sehe was, was du nicht siehst)
Board games

Geeignet sind authentische Spiele wie z. B. snakes and ladders. In vielen Lehrwerken sind board games enthalten. Kinder können diese Spielart auch selbst erstellen. Diese Spiele schulen das Hörverstehen, je nach Variation das Sprechen und das Leseverstehen.

Bewegungsspiele

Bewegungsspiele sind nicht nur auf den Englischunterricht begrenzt. Sie bieten sich auch an, um in der Turnhalle oder völlig selbstständig von den Schülern in der Pause gespielt zu werden.

  • Mr Crocodile
  • Auf dem Boden wird mit Klebestreifen, Seilchen oder Kreidestrichen ein Fluss markiert. Die Spieler stellen sich auf der einen Seite des Flusses auf, der Fänger (Mr Crocodile) steht am anderen Ufer. Die Spieler fragen gemeinsam: „Mr Crocodile, may we cross the water?“ Mr Crocodile antwortet: “Yes, everybody in green, yellow, black…” Die Spieler mit der entsprechenden Kleidung versuchen nun, das andere Ufer zu erreichen. Mr Crocodile versucht, die laufenden Spieler zu fangen. Alle gefangenen Spieler helfen Mr Crocodile nun beim Fangen. Der letzte Spieler darf der nächste Mr Crocodile sein.
  • What’s the time, Mr Wolf?
  • Hopscotch 
  • Skipping and clapping games (s.o.)
Dialoge/Rollenspiele/szenisches Spiel:
  • Interviews mit Rollenkarten
  • Situationen des alltägliches Lebens nachspielen („So-tun-als-ob“: z.B. Einkaufsdialoge) 
  • Nachspielen von Geschichten und Märchen: z.B. The three little pigs
Spiele, die die fremde Kultur näher bringen:

 


¹ Bleyhl, W.: Die Defizite des traditionellen Fremdsprachenunterrichts oder Weshalb - endlich - ein Paradigmenwechsel, eine Umkehr, im Fremdsprachenunterricht erfolgen muss - http://www.creativedialogues.lernnetz.de/docs/1.4Expertenstimmen.pdf (04.11.2009)


 

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© 2019 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 18.12.2012