Logo Qualitäts- und UnterstützungsAgentur

Startseite Bildungsportal NRW

Orientierungsbereich (Sprungmarken)

Die Storyline-Methode

Die Storyline-Methode in der Praxis

Der Blick in eine vierte Klasse soll verdeutlichen, was sich hinter dem Begriff Storyline-Methode verbirgt:

Die Kinder haben im Rahmen einer fächerübergreifenden Einheit im Kunst- und Englischunterricht an der Seitentafel eine Wohnstraße mit Häusern gestaltet, in deren Innenräume man blicken kann. Ein Blick auf die Häuser zeigt, dass es sich um typical English homes handelt: Die einheitliche Silhouette zeigt terraced houses mit hoch aufragenden chimneys und chimney pots, an den Eingangstüren name plates, in den Räumen sieht man neben den Möbeln auch fireplaces und bay windows. In Gruppenarbeit haben die Kinder vorgegebene Bildvorlagen gestaltet und beschriftet. Dazu haben sie authentisches Katalogmaterial genutzt, Bilder von englischsprachigen Internetseiten, Kopien aus englischen Kinderbüchern oder eigene Zeichnungen.

Um diese Aufgabe lösen zu können, mussten sie sich an bereits bekanntes Wortmaterial erinnern, neues Wortmaterial nachschlagen oder bei ihrer Lehrerin erfragen. Das bekannte und neue Wortmaterial steht nun allen Kindern für die weitere Arbeit auf Wortfeldpostern zur Verfügung und wird im Klassenverband mit bekannten Spielen wie z.B. Memory, Bingo oder Word Tennis und mit flash card activities gefestigt.

Im Anschluss an die Arbeit haben die einzelnen Gruppen ihre Häuser im Klassenverband vorgestellt: This is our house. Its name is “Rose Cottage”. Here is the living room. It is a big room. Here is the fireplace and in front of …. Dieser kleine Vortrag musste geplant und geübt werden.

Jetzt sind die Kinder dabei, Menschen für ihre Häuser zu erfinden: Create a family that lives in your house. Für die einzelnen Personen überlegen sie sich name, age, position in the family, hobbies, job, favourite food, pets. Für jede Person erstellen die Kinder einen Steckbrief. Wieder präsentieren sie ihre Arbeit im Plenum, dieses Mal schlüpfen sie selber in die Rolle der von ihnen erfundenen Figuren, erzählen in dieser Rolle von sich und beantworten Fragen der anderen Kinder.

In der folgenden Zeit wird die Lehrerin durch mögliche Ereignisse, die in dieser Straße passieren, mit events oder incidents und den dazu gehörenden key questions weiter durch die Geschichte leiten und dabei auch die Ideen der Kinder aufgreifen:

  • A new family is moving in:

Who are they? Where did they live before? Why did they move?
Are there any children in the family? …

  • A garage sale:

What is on sale? What would you like to buy? How much is …? …

  • A street party:

When is the party? Where is it? What do we need – food, music, games? …

Zusätzlich werden zum Thema passende Lieder und chants gelernt und gesungen, der thematische Wort- und Strukturenschatz fortlaufend durch verschiedene Spiele und raps gesichert. Ein so geplanter Unterricht folgt der Storyline-Methode.

 

Die Entwicklung der Storyline-Methode

Die Storyline-Methode wurde in den 1970er Jahren von Steve Bell in Schottland entwickelt. Daher ist sie auch unter dem Begriff Glasgow-Methode bekannt.
Es handelt sich dabei um einen ganzheitlichen und handlungsorientierten Ansatz, der den Lerner mit seinen Vorstellungen, Ideen und individuellen Fähigkeiten in den Mittelpunkt des Unterrichts stellt.
Eine storyline ist eine von den Schülern entwickelte und entworfene Geschichte (story), die von der Lehrkraft begleitet wird, indem sie den roten Faden (line) vorgibt.
Zunächst wurde die Methode in Unterrichtsfächern angewendet, in denen die Muttersprache gesprochen wird, z.B. im Sachunterricht der Secondary School.

 

Die Storyline-Methode im Fremdsprachenunterricht

Zunehmend wurde der Wert der Methode für den Fremdsprachenunterricht deutlich.
Eine storyline bietet sich hier in besonderer Weise an, weil sie

  • einen zweckbestimmten und kommunikativen Kontext für das Sprachenlernen bereitstellt
  • an den Interessen der Lernenden anknüpft
  • auf den sprachlichen Kompetenzen der Lernenden aufbaut
  • Möglichkeiten für die Lernenden schafft, selbst die Initiative zu ergreifen
  • die Recherche- und Lernfähigkeit fördert
  • für viele Themen geeignet ist
  • sich für fächerübergreifendes Arbeiten anbietet
  • digitale Medien einbezieht. 1

Durch den Einsatz der Storyline-Methode wird ein themen-, aufgaben- und lernerorientierter Unterricht im Sinne eines modernen Fremdsprachenunterrichts gewährleistet.
Das Thema wird von der Lehrkraft vorgegeben. Hierbei handelt es sich jedoch nur um einen groben Handlungsrahmen, der zu Beginn der storyline von der Lehrperson eingeführt wird. Gezielte Impulse der Lehrperson durch key questions aktivieren das Vorwissen der Schüler und werfen Fragen auf, auf die sie eigene Antworten finden und somit maßgeblich zur Entstehung der story beitragen.
Die Schüler überlegen anhand der key questions gemeinsam, wie sich die story entfalten kann. Neben der Ausgestaltung von Personen und Orten werden auch mögliche Episoden oder Erlebnisse entwickelt, die sich innerhalb der story ereignen.

Die Erfahrungsfelder des Lehrplans eröffnen den Spielraum für den Einsatz einer storyline. Alle Themen, die dem Erfahrungsschatz oder den Interessen der Schüler entsprechen und altersgerecht angelegt sind, eignen sich:
Neighbours, Shopping, Zoo, Hotel, Friends, Circus, Space Ship, Museum…

 

Der typische Aufbau einer Storyline:2

 

 

 

Hinführung
Warming up

Brief, Lied, Gedicht, Bilder…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Personen
Characters

Freunde, Familie,
Beruf, Freizeit…

 

Ort
Place

Zirkus, Geschäfte, Hotel, Schule, Firma…

 

Ereignisse
Incidents

Geburtstag, Hochzeit, Unfall, Einbruch…

 

Die von den Kindern in den verschiedenen Phasen des Projekts entwickelten Ideen werden handelnd umgesetzt. Sie malen Bilder, entwerfen Stabpuppen, bauen Modelle, schreiben Steckbriefe, Einkaufszettel, Einladungen, Programme u.ä. Auf einem die Arbeit begleitenden Wandfries wird die story sichtbar gemacht.
 
Während der Arbeit tauschen sich die Kinder aus, hören zu, gehen aufeinander ein und tragen eigene Gedanken zur Entwicklung der story bei. Sie nutzen Bücher, Zeitschriften, Wörterbücher und elektronische Medien, um sich Informationen zu beschaffen. Auch das Nachfragen bei Mitschülern oder bei der Lehrperson wird zur Informationsfindung genutzt.
Während dieser Arbeit sprechen die Kinder zunächst auch Deutsch miteinander. Doch dieses Verhalten wird als authentisch und nicht abträglich für den Lernprozess bewertet, da die Kinder sich gleichzeitig in hohem Maße mit der englischen Sprache auseinandersetzen müssen: Sie notieren Ideen, Gedanken und Arbeitsergebnisse, halten das nachgefragte oder nachgeschlagene Wortmaterial in einem Heft, einer word box oder word bank individuell fest und stellen immer wieder Teile der story in Rollenspielen oder bei kleinen Präsentationen ihres Produkts vor. Dabei werden sie durch Plakate unterstützt, auf denen wichtige Satzstrukturen bereitgestellt und sukzessive ergänzt werden.

Die Lehrperson versteht sich während des gesamten Prozesses als Begleiterin der Kinder im Lernprozess. Neben der Aufgabe, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, hat sie die Möglichkeit, intensiv zu beobachten, gegebenenfalls direkt zu reagieren und zu unterstützen, aber auch für eine abschließende gemeinsame Betrachtung des Erlernten inhaltliche und sprachliche Dinge aufzugreifen, die in der Erarbeitungsphase auffällig wurden.

Da die Storyline-Methode projektorientiert angelegt ist und das Ziel verfolgt, aus vielen individuellen Ideen und Ergebnissen am Ende ein gemeinsames großes Ganzes zu schaffen, ist je nach Thema von einem Umfang von ca. 6 bis 8 Unterrichtsstunden im Fach Englisch auszugehen. Dieser Zeitraum kann jedoch nur dann als realistisch angesehen werden, wenn an der story fächerübergreifend gearbeitet werden kann und die Unterrichtsfächer Kunst, Musik, gegebenenfalls auch Deutsch und Sachunterricht integriert werden können. So kann am ehesten die Englischlehrerin in dieser Weise arbeiten, wenn sie noch weitere Fächer in dieser Klasse unterrichtet.3

Die Vorstellung der Ergebnisse der storyline hat einen besonderen Stellenwert. Neben der sprachlichen und inhaltlichen Präsentation ist es in dieser Phase besonders wichtig, den Kindern für ihre intensive Arbeit die angemessene Anerkennung zukommen zu lassen. Daher bietet es sich an, der Präsentation einen besonderen Rahmen zu geben, z.B. durch eine Vorstellung für die Parallelklasse oder für ein größeres Publikum während einer Schulfeier.

 

Planung einer Storyline 4:

 

1

 

 

Wahl eines Themas

 

 

in Anlehnung an den Lehrplan und die Bedürfnisse und Interessen der Schülerinnen und Schüler

 

 

2

 

 

Aufschreiben der Episoden der Storyline

 

 

  • Anfang
  • Mittelteil
  • Schluss

 

 

 

3

 

 

Formulieren von Schlüsselfragen
Finden von Impulsen

 

Planung von Aktivitäten zur Entwicklung der Fertigkeiten unter Berücksichtigung der bereits vorhandenen Erfahrungen und Vorkenntnisse

 

 

4

 

 

 

Wahl einer Einleitung

 

 

  • Geschichten vorlesen / lesen lassen
  • Postkarte / Brief vorlesen / lesen lassen
  • Spiel, Lied, Fotos, Poster usw.

 

 

5

 

 

Zusammenstellung der Unterrichtsmaterialien

 

 

Suche nach geeigneten Materialien

  • zur Erarbeitung der individuellen Vorstellungen;
  • zum Trainieren neuen Wortschatzes und neuer Strukturen

 

 

 

6

 

 

 

Beurteilung der Schülerarbeiten und
Festlegung der nächsten Lernschritte

 

  • Begleitung der Schüler beim Arbeiten
  • Beurteilung ihrer Präsentationen und ihrer schriftlichen Arbeiten
  • Einsatz eines „Tests“ zu den behandelten Inhalten

 

 

7

 

Evaluation des Fortschritts
Wie effizient … ?

 

Verschiedene Formen der Leistungsüberprüfung zur Beurteilung der kommunikativen Kompetenz

 

 

Die Storyline-Methode als Chance

Die storyline bietet Lehrpersonen ein weiteres methodisches Angebot für einen lebendigen und abwechslungsreichen Unterricht.
Neben den übergreifenden Zielen, durch die Methode einen aufgaben- und handlungsorientierten Unterricht im Sinne eines modernen Fremdsprachenunterrichts anzubieten, bietet der Einsatz der Methode auch die Chance, einzelne Themen losgelöst vom Lehrwerk zu erarbeiten. Dadurch, dass die Inhalte auch von den Schülern entwickelt werden, ist dieser Unterricht im Gegensatz zu einem von einem Lehrwerk dominierten Unterricht viel mehr auf die Lerngruppe abgestimmt. Die Schüler können sich ihren individuellen Fähigkeiten entsprechend einbringen, Erfolgserlebnisse verbuchen und die Erfahrung machen, dass die eigene Arbeit wichtig für die Entstehung des großen Gemeinschaftswerks ist. Diese Motivation kann als Grundlage für die weitere Arbeit im Fremdsprachenunterricht positiv genutzt werden.
Um die Storyline-Methode im Englischunterricht der Grundschule einsetzen zu können, benötigen die Kinder gesicherte sprachliche Grundlagen und Arbeitstechniken, so dass sich die Methode eher für das vierte Schuljahr eignet. Es ist sinnvoll, auch schon in jüngeren Jahrgängen kleine Vorarbeiten zu leisten, um den Kindern später den Zugang zur storyline zu erleichtern. So können beispielsweise kleine Rollenspielelemente, in denen die Kinder einen Perspektivwechsel vornehmen, dazu dienen, die spätere Entwicklung einer storyline anzubahnen.

 

Die Storyline-Methode im Übergang

Der Einsatz der Storyline-Methode, bei der die Schüler ihren individuellen Fähigkeiten entsprechend arbeiten können, bietet sich für die ersten Wochen an den weiterführenden Schulen besonders an.
Die Lehrperson der Sekundarstufe kann die Schüler über einen längeren Zeitraum bei der Arbeit beobachten, ihren Lernstand ermitteln und auf dieser Grundlage gezielte Unterrichtsschritte in Bezug auf die Lerngruppe planen.

 

Weiterführende Informationen zur Storyline-Methode

Konkrete Unterrichtsbeispiele für den Einsatz der Storyline-Methode im Englischunterricht der Grundschule sind in folgenden Artikeln zu finden:

  • Ehlers, Gisela: Die Storyline-Methode. Ein Prinzip guten Englischunterrichts. In: Grundschulmagazin Englisch 6/2010. München: Oldenbourg Verlag
  • Ehlers, Gisela: At the bus stop. Ein Storyline-Projekt. In: Take off! 4/2010. Braunschweig: Westermann Verlag
  • Tait, Hannelore: It’s our circus! Schüler bestimmen den Unterrichtsverlauf. In: Grundschulmagazin Englisch 6/2010. München: Oldenbourg Verlag
  • Schultz-Steinbach, Gisela: Die „Storyline“ im Englischunterricht der Grundschule. In: Bleyhl, Werner (Hrsg.)(2000): Fremdsprachen in der Grundschule. Grundlagen und Praxisbeispiele. Hannover: Schroedel Verlag

Weitere Informationen zur Methode sind im Internet nachzulesen unter:

 


1 vgl. Workshop Material: http://www.creativedialogues.lernnetz.de/de/trainershandbook.htm
  (17.01.2011)

2 Workshop Material: http://www.creativedialogues.lernnetz.de/de/trainershandbook.htm
  (17.01.2011)

3 vgl. Schultz-Steinbach, Gisela: Die „Storyline“ im Englischunterricht der Grundschule. In: Bleyhl, Werner (Hrsg.)(2000): Fremdsprachen in der Grundschule. Grundlagen und Praxisbeispiele. Hannover: Schroedel Verlag, S.128

4 Downloadmaterial zum Beitrag von Ehlers, Gisela: Die Storyline-Methode. Ein Prinzip guten Englischunterrichts. In: Grundschulmagazin Englisch 6/2010. München: Oldenbourg Verlag


 

Link zurück zu "Kompetenzorientierte Planung und Gestaltung des Unterrichts"

Zum Seitenanfang

© 2020 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule