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Interkulturelles Lernen

Die zunehmende Globalisierung, internationale Kooperation und Verflechtung auf politischem, kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet setzen gegenseitiges Verstehen als Basis für eine erfolgreiche Kommunikation voraus.
Auf diesem Hintergrund ist der Aufbau von kommunikativer, aber besonders auch interkultureller Kompetenz notwendig, um sich mit anderen und anders sprechenden Menschen erfolgreich verständigen zu können (Lehrplan 2008: 74, 80). Darüber hinaus wird im Rahmen der Kompetenzorientierung gefordert, dass „die Schülerinnen und Schüler Lernerfahrungen machen, die über den Unterricht hinaus reichen und für sie ein Bedeutung haben“(vgl. Handreichung S.13).

Interkulturelles Lernen will die Voraussetzung schaffen für verstehende Begegnungen. Die Schülerinnen und Schüler sollen andere, ihnen unbekannte kulturell bedingte Sitten, Bräuche, Verhaltensweisen usw. kennen lernen und die eigene Kultur im Vergleich mit der anderen relativieren und umgekehrt. Die Fähigkeit der Empathie, des Sich-Einfühlen-Könnens, wird mit dem Ziel angebahnt, dass ein Perspektivwechsel möglich wird, der bedeutet, die jeweils andere Sichtweise, wenn auch nicht einzunehmen, so doch zumindest zu verstehen und zu tolerieren.
Der Englischunterricht kann einen wichtigen Beitrag zur geforderten Anbahnung von Aufgeschlossenheit, Verständnisbereitschaft und Toleranz (Lehrplan 2008: 74) leisten.

Eine größere Nachhaltigkeit wird aber erreicht, wenn interkulturelles Lernen in allen Fächern der Grundschule durchgängiges Prinzip ist.

Auf kindgemäße Weise beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit kulturellen Besonderheiten, Sitten und Gebräuchen der Zielsprachenkulturen. Die Kinder erweitern ihr Wissen über Alltagskultur, Lebensweise, Traditionen und Brauchtum, aber auch über Denk-, Verhaltens- und Redensweisen von Kindern in englischsprachigen Ländern.

Im Vergleich mit den eigenen Lebensumständen entdecken die Kinder Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Erst hier, im Kulturvergleich, beginnt das interkulturelle Lernen. Kommt er nicht hinzu, bleibt es beim landeskundlichen Ansatz, der häufig mit der Bildung von Stereotypen einhergeht. Damit z.B. beim Thema „English breakfast“ die Kinder nicht zu der Annahme verleitet werden: "Alle Engländer frühstücken immer so", ist sinnvoll, über die eigenen Frühstücksgewohnheiten zu sprechen, dabei festzustellen, dass es viele Varianten abhängig von der jeweiligen Familie und der zur Verfügung stehenden Zeit gibt und es dennoch Gewohnheiten gibt, die häufig vorkommen. Diese Erkenntnisse werden auf die Einordnung des English breakfast übertragen. Es bietet sich weiterführend an, über „gesundes Frühstück“, Initiativen für gesundes Essen und Kochen als Schulfach in Großbritannien zu sprechen. Erst durch den mehrperspektivischen Blick wird interkulturelles Lernen angebahnt.

Interkulturelle Kompetenz ist vielschichtig. Die folgende Tabelle (Kubanek 2008: 6,7) gibt einen Hinweis darauf, welche unterschiedlichen Bereiche des menschlichen Denkens, Vermögens und Fühlens beim interkulturellen Lernen involviert sein können:

Faktenorientierung

  • Wissen über kulturelle Produkte, Gewohnheiten und Kulturstandards („Landeskunde“ im bisher üblichen Sinne)
  • geografische Distanzen

Gefühlsorientierung

  • Interesse, Freude, Erstaunen, Zurückhaltung, Schweigen

Wahrnehmen und Wissen

  • Karten lesen können
  • Andersartigkeit erkennen
  • Vergleichen -„über den Tellerrand schauen“ können
  • Raumvorstellungen haben
  • Missverständnis als Konzept kennen
  • Schilderung von Andersartigkeit in Texten bewusst machen

Sprachbewusstsein

  • Sprachen vergleichen
  • andere Konventionen beim Sprechen wahrnehmen

Bildhaft anschauliches Denken

  • Fremdes in Bildern, Filmen, auf Fotos, Websites aufspüren - sich über Stereotype klar werden, sich virtuell in fremde Kulturen eindenken

Fremdsprache Englisch als Medium

  • Englisch lernen, Englisch als tatsächlich nutzbares Kommunikationsmittel erleben
  • Englisch im Alltag auffinden
  • Strategien zur Bewältigung von Kommunikationsproblemen entwickeln

Handlung

  • einen Gast aus einer Fremdkultur einladen und mit ihm etwas tun - Berichte über das Leben im Ausland
  • eine Stadterkundung über die Vielfalt fremdländischer Geschäfte machen
  • ein Kochprojekt durchführen
  • Bericht über Reise ins Ausland

Werte

  • Andersartigkeit erkennen und anerkennen können
  • Ähnlichkeiten feststellen
  • Nachdenken über Konfliktursachen

Der Prozess des interkulturellen Lernens kann an vielen Stellen des Unterrichts angestoßen werden. Er wird ermöglicht durch eine bewusste Auswahl von Lerninhalten und Methoden, durch den gezielten Einsatz von Lehr- und Lernmaterialien, die Wahl geeigneter Themen- und Situationsfelder und die kompetente und vorbildliche Lehrerpersönlichkeit.

Unmittelbare Erlebnisbereiche der Grundschülerinnen und -schüler bieten sich als Inhalte an, …„um Lebenswelten zu erschließen und zu vergleichen und um in Begegnungssituationen zu handeln (Lehrplan 2008: 80). Der Tagesablauf englischer Schulkinder, ihre Schulen, Spiele, Feste und Bräuche ermöglichen vielfache Ansätze zur Kontrastierung und zur Einsicht, dass Kinder in englischsprachigen und vielen anderen Ländern ähnlich aufwachsen wie sie, ähnliche Spiele spielen und sich für ganz ähnliche Dinge interessieren (Böttger 2012: 176). Neue Spiele und Rituale können als Bereicherung empfunden und aufgegriffen werden.

Die Lehrkraft greift, wenn sich das interkulturelle Lernen wie ein roter Faden durch den Unterricht zieht, auch Kleinigkeiten auf, um auf Andersartigkeiten aufmerksam zu machen. So kann sie z.B. die englische (Schreibschrift-) Schreibweise der Zahlen bei der 1 (lediglich ein Strich) und bei der 7 (ohne Querstrich) benutzen, die andere Reihenfolge der Zehner und Einer thematisieren (für die Zahl 21 im Englischen und vielen anderen Sprachen: 20 + 1, dagegen 1 + 20 im Deutschen) oder auf einem Arbeitsblatt die richtige Antwort nicht ankreuzen "x", sondern abhaken "?" lassen, da im Englischen das Kreuzchen "x" Ablehnung oder delete bedeutet (was die Kinder in der Regel vom Computer kennen) im Gegensatz zum deutschen Gebrauch, wo es Zustimmung bedeutet.

Beispiele für Lerngelegenheiten

(vgl. dazu auch Modul 13: Interkulturelles Lernen):

  • authentische Spiele (siehe Anlage 1 in Modul 13) aus der englischsprachigen Kultur kennen lernen und mit deutschen Spielen / ggf. mit Spielen aus den Herkunftskulturen der Schülerinnen und Schüler vergleichen
  • authentische englische Märchen und Geschichten kennen lernen, mit deutschen Märchen vergleichen und nachspielen
  • authentische Lieder und Reime singen bzw. sprechen
  • authentische Kinderbücher kennen lernen (siehe Anlage 5 und 6 in Modul 13 und vgl. Modul 7: (Kinder-) Literatur im EGS und
  • für englischsprachige Kinder entwickelte Internetseiten kennen lernen
  • Kontakt mit englischsprachigen Kindern aufnehmen über E-Mails, SMS, Postkarten, Skype, e-Twinning
  • anhand von Filmen, Videos, DVDs Eindrücke vom Leben englischsprachiger Kinder gewinnen (siehe Anlage 4 in Modul 13)
  • authentische Gegenstände aus einem englischsprachigen Land betrachten und darüber sprechen
  • Traditionen kennen lernen, die es bei uns nicht gibt (z.B. Guy Fawkes Night, St. Patrick’s Day etc. oder auf solche aufmerksam werden, die sich, ursprünglich aus dem englischsprachigen Kulturraum kommend, auch bei uns immer mehr durchsetzen (z.B. Valentine’s Day; Halloween-Verkleidungen und “trick or treat“ vs. Martin-Luther-Singen (in evangelischen Gebieten); Figur des Weihnachtsmannes mit dem Rentierschlitten vs. Nikolaus mit Pferdeschlitten etc.)
  • Tages- und Wochenablauf von Kindern vergleichen

(Weiterführende) Literatur

Böttger, H. (2012): Erste interkulturelle Schritte gehen, in: Englisch -Didaktik für die Grundschule (Hrsg.) Böttger, H. Berlin: Cornelsen.

Byram, M. (1997): Teaching and Assesing Intercultural Communicative Competence. Clevedon: Multilingual Matters.

Erasmus Plus: eTwinning. Verfügbar unter: https://www.etwinning.net/de/pub/index.htm (16.02.1017)

Kubanek, A. (2008): Interkulturelle Kompetenz, in: Grundschulmagazin Englisch, Oldenbourg: 4/2008.

Legutke, M., Müller.Hartmann, A. & Schocker v. Ditfurth, M. (2012): Teaching English in the Primary school: Chapter 8: Teaching culture. Stuttgart: Klett.

Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (2008). Kompetenzorientierung- Eine veränderte Sichtweise auf das Lehren und Lernen in der Grundschule, Handreichung. Düsseldorf.

Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (2008). Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule in NRW. Düsseldorf: Ritterbach

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