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Spiel als Methode

Das Prinzip des spielerischen Lernens ist ein charakteristisches Prinzip des Grundschulunterrichts. Es verbindet sich mit dem ganzheitlichen, altersgemäßen und dem kindgemäßen Lernen. Spielerisches Lernen in der Grundschule kann in eine Vielzahl von unterrichtlichen Situationen eingebracht werden: Rollenspiele, Sprachspiele, Sketches etc.

„Spiel ist die Arbeit des Kindes.“
(Piaget)

Dieses Verständnis von Spielen liegt einem recht weit gefassten Spielbegriff im Fremdsprachenunterricht zu Grunde.
Wenn vom spielerischen Lernen die Rede ist, so bedeutet dies die Einbindung der kindlichen Fähigkeit, sich ganz und gar auf etwas einzulassen, in einer Handlung zu versinken, in einer Rolle aufzugehen, „so-zu-tun-als-ob“ und dadurch Handlungsmuster zu erproben und zu variieren.
Doyé betont die Bedeutung des spielerischen Lernens im Fremdsprachenunterricht für Schülerinnen und Schüler im Grundschulalter: „Selten ist die optimale Passung von Lerngegenstand und Disposition der Lernenden so gegeben wie beim Sprachenlernen in der Grundschule. Zum einen bietet sich der Gegenstand Sprache von seiner Struktur her geradezu dazu an, dass man sich ihn durch spielerische Aktivität aneignet. Zum anderen ist die Spielfreude der meisten Grundschulkinder die beste Voraussetzung für eine solche Aneignung.“ (Doyé 1993: 52)

Das Prinzip des spielerischen Lernens ist eng verbunden mit dem handlungsorientierten Lernen (Spielen ist Handeln) und realisiert grundlegende Erkenntnisse der L2-Forschung, die davon ausgeht, dass Sprache vor allem im Gebrauch gelernt wird (siehe: L2-Erwerb). Außerdem wird in der kognitiven Psychologie darauf hingewiesen, wie fruchtbar bei allen, auch den sprachlichen Lernprozessen, das inzidentelle Lernen ist, d.h. das zufällige Aufnehmen von Lernitems, ohne sie in die fokale Bewusstheit zu heben.

„Sprachenlernen findet dort statt, wo sich der Lerner als Teil der sprachlich begleiteten sozialen Interaktion erlebt.“ (Bleyhl 2005: 20)

Der Einsatz von Spielen und spielerischen Lernformen wirkt sich positiv auf die Motivation und damit auf den Lernprozess aus. Lerninhalte werden vielfältig vernetzt und damit nachhaltiger gelernt. Voraussetzung dabei ist, dass die Spiele und spielerischen Übungen gezielt im Hinblick auf die Förderung sprachlicher Kompetenz ausgewählt werden. Darüber hinaus sollten Spiele besonders in der Schuleingangsphase den Bewegungsdrang der Kinder berücksichtigen. Spielerisches Lernen und Kompetenzorientierung sind kein Widerspruch.

Die Implementation des Spiels als Methode im Englischunterricht der Grundschule ist daher nicht gleichzusetzen mit einem „verspielten Unterricht“. Sie zielt darauf ab, dem Entwicklungsstand und den Bedürfnissen der Kinder zu entsprechen und sie sinnvoll zu fördern und zu fordern.

Der Einsatz von Spielen ermöglicht es Kindern, sich natürlich auf einen Sachverhalt einzustellen, da sie durch eine Vielzahl an Begegnungen mit dem Spiel im Alltag eine große Routine besitzen, sich auf das Spiel einzulassen und sich darin wiederzufinden.
Schon von frühester Kindheit an wird dem Kind ein spielerischer Zugang zum Begreifen der Welt ermöglicht. Auch ein natürlicher spielerischer Umgang mit der Muttersprache begünstigt diesen Ansatz beim Erlernen der Fremdsprache. Das Spiel ist für jedes Kind etwas Selbstverständliches. Es ist mit positiven Erfahrungen besetzt.
Der spielerische Zugang weckt im Kind eine Neugierde und Bereitschaft, sich auf die Sprache einzulassen. Dass es etwas Sinnvolles mit der Sprache TUN kann,  fördert die Motivation und somit automatisch die Bereitschaft, sich intensiv mit der Sprache auseinanderzusetzen. Dadurch werden sprachliche Inhalte nachhaltig gelernt.
Neben den spezifischen Zielen des Englischunterrichts werden durch den Einsatz des Spiels auch übergreifende Ziele verfolgt, die den Einfluss des Spielens für die kindliche Entwicklung im Allgemeinen verdeutlichen:

  • Die Kreativität und Problemlösefähigkeit der Schülerinnen und Schüler werden geschult.
  • Die Lernenden üben sich im Umgang mit Regeln.
  • Die Schülerinnen und Schüler sammeln Erfahrungen im selbstständigen Umgang mit schulischen Inhalten ohne von der Lehrperson geleitet zu werden.
  • „Durch die sozialen Kontakte und Interaktionen lernen die Kinder, miteinander zu kooperieren und voneinander zu lernen.“ (Büning 2012: 164)

Das Spiel ist in allen Phasen des Unterrichts einsetzbar. Es kann als Einstiegsritual zur Wiederholung der Inhalte der letzten Stunde eingesetzt werden, nach der Erarbeitung neuer Inhalte zur Festigung oder am Ende der Stunde, um die Inhalte der Übungseinheit spielerisch abzuschließen.

Auch im Hinblick auf die Rhythmisierung des Unterrichts bietet der Einsatz des Spiels Vorteile, da durch spielerische Elemente eine Balance zwischen Spannungs- und Entspannungsphasen hergestellt werden kann. Spezielle Bewegungsspiele kommen zusätzlich dem natürlichen Bewegungsdrang von Kindern nach und wirken konzentrationsfördernd.

Wichtig bei der Auswahl einer spielerischen Übung ist die genaue Zielvorgabe:
Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten sollen innerhalb des Spiels geübt werden?
Zunehmende Gewichtung sollten Spiele einnehmen, die die Sprachproduktion fördern.
Sinnvoll ist der Einsatz von Spielen, in denen immer wiederkehrende chunks verwendet werden. Diese werden innerhalb des Spiels von den Schülerinnen und Schülern wiederholt angewendet, gefestigt und mit neuem Wortmaterial erweitert.
Zu Beginn ist es wichtig, die Kinder immer wieder darauf aufmerksam zu machen, die englische Sprache zu verwenden. Durch ihren natürlichen Spieltrieb vergessen sie häufig noch, die Zielsprache zu verwenden, da es ihnen bei Spielen mit Wettbewerbscharakter in erster Linie um das Gewinnen geht. Durch anfängliches, konsequentes Erinnern der Lehrperson gehen die Schülerinnen und Schüler aber schnell und zunehmend routinierter zur Verwendung der Zielsprache über. Um eine rasche und gesicherte Verwendung zu gewährleisten, sollten den Schülerinnen und Schülern sprachliche Unterstützungshilfen angeboten werden (z.B. laminierte Kärtchen, Plakate mit gängigen Wendungen im Spielverlauf: It´s your turn! Who´s next? Shuffle the cards! etc.).

Im Fremdsprachenunterricht ist es besonders empfehlenswert, jene Spiele auszuwählen, die die Kinder in Partner- und Gruppenarbeit gemeinsam agieren lassen. Das Spiel bietet den Schülerinnen und Schülern authentische Redeanlässe und ermöglicht ihnen echte Kommunikationssituationen.

Entscheidungshilfen für die Auswahl von Spielen

  • Welches sprachliche Ziel wird verfolgt?
  • Liegt der Schwerpunkt auf dem Hörverstehen, Sprechen, Leseverstehen oder Schreiben? 
  • Werden lediglich isolierte Wörter (Nomen, Verben, Adjektive), „chunks“ oder komplexere Redemittel geübt? 
  • Welche Fähigkeiten werden geschult? Rezeption/Produktion; Wortschatz/Grammatik 
  • Welche Funktion hat das Spiel? Einstieg/Einführung; Festigung/Anwendung; Automatisierung; Wiederholung; Entspannung 
  • Welche Vorkenntnisse sind notwendig? Welche Hilfen sind nötig? 
  • Welche Vorbereitung ist von Seiten der Lehrkraft notwendig? 
  • Wie groß ist der Zeitaufwand für die Erklärung des Spiels? 
  • Ist die Übertragbarkeit des Spiels möglich? (z.B. auf verschiedene Wortfelder, andere Themen) 
  • Wie effektiv ist das Spiel, wenn einerseits der zeitliche Aufwand für Erklärung und Spieldauer, die Übertragbarkeit der Regeln auf andere Spiele und andererseits der sprachliche Gewinn berücksichtigt werden?

Spielformen

Im Englischunterricht der Grundschule ist es von großer Bedeutung, im Hinblick auf den angestrebten Kompetenzerwerb in den verschiedenen Bereichen des Faches zwischen unterschiedlichen Spielformen zu unterscheiden, die je nach unterrichtlichem Schwerpunkt gezielt ausgewählt und eingesetzt werden können:

  • „Kooperative Spiele: Hier steht die Zusammenarbeit der Gruppe im Vordergrund. Gemeinsam wird an einem Ziel gearbeitet; die Kinder üben sich in sozialem Bewusstsein und gemeinsamer Interaktion.
  • Kreative Spiele: Beim kreativen Spielen entwickeln die Lerner eigene Strategien oder Ideen, sie probieren sich im Umgang mit Sprache aus und erfinden Neues. Diese Spiele sind häufig mit einem Rollenwechsel verbunden (z.B. Rollenspiele aller Art).
  • Wettbewerbsspiele: Für Kinder ist gerade diese Spielform das eigentliche Spiel; sie treten alleine oder in kleinen Gruppen in einen Wettkampf miteinander und messen ihre eigene Leistung. Dabei gibt es meistens klare Gewinner und Verlierer. Unterschieden werden können Spiele, bei denen der Zufall (z.B. bei Würfelspielen) und bei denen das Können/Wissen entscheidet.“ (Büning 2012: 166)

Spiele und spielerische Übungen
Aus den drei Spielformen leitet sich wiederum eine Vielzahl unterschiedlicher Spieltypen ab, die nachfolgend anhand einer kleinen Auswahl unterschiedlicher spielerischer Übungen dargestellt werden. Diese können, abgestimmt auf die jeweilige Zielsetzung, in den unterschiedlichen Phasen des Unterrichts eingesetzt werden.

Wortschatzspiele
Die Schülerinnen und Schüler werden angehalten, allmählich Sätze und nicht nur einzelne Wörter zu verwenden. Außerdem sollte die Rolle des Spielleiters, caller oder game managers sobald wie möglich von einem Kind übernommen werden.

  • Word tennis
    Bei dem Spiel word tennis stellen sich die Kinder hintereinander in zwei Reihen auf.
    Die jeweils ersten Kinder der beiden Reihen nennen nach vorher festgelegten Regeln ein Begriffspaar, z.B. Farben & Tiere (grey-elephant / green-frog) oder Eigenschaften & Gegenstände (hot-sun / soft-rabbit). Das Kind, das an der Reihe war, stellt sich danach hinten in der Reihe an.
    Um einen zusätzlichen Anreiz zu bieten, kann dieses Spiel als Wettbewerb gestaltet werden. Die erfolgreiche oder schnellere Gruppe bekommt jeweils einen Punkt.
  • Bingo, Domino, Memory, Fly swats, Pairs/Four in hand/Happy families (Quartett): Kinder fragen nach den Karten: Have you got ...? 

Kreisspiele
Die Schülerinnen und Schüler schulen ihr Hörverstehen/Hör-Sehverstehen, indem sie Anweisungen verstehen und entsprechend agieren.
Sie sprechen Sätze nach einem bestimmten Muster und erweitern sie gegebenenfalls. Je nach Variation kann innerhalb dieser Spiele auch das Sprechen gefördert werden.

  • Fruit salad
    Die Gruppe sitzt im Kreis. Die Spielleitung ordnet jedem Kind eine Obstsorte zu. Wichtig ist zu beachten, dass jede Obstsorte mehrfach vorhanden sein muss. Wenn die Spielleitung die Obstsorte aufruft, tauschen alle Kinder, die dieser Sorte zugeteilt sind, schnell die Plätze. Wenn „fruit salad“ gerufen wird, tauschen alle Kinder schnell die Plätze. Der Spielleitung versucht nun auch, einen Platz zu bekommen. Das Kind, das keinen Platz bekommen hat, ist nun der caller und das Spiel beginnt erneut.
  • 1,2,3, …come to me, Who stole the cookies from the cookie jar?, What is missing?, I’m going on holiday and I’ll pack my...

Ratespiele
Diese Spiele sollten nach Möglichkeit in Partnerarbeit durchgeführt werden, so dass ein hohes Maß an Sprachumsatz gewährleistet wird.

  • Information gap activity
    Zwei Kinder haben zwei ähnliche Bildvorlagen, die sich in wenigen Details (z.B. Farbe, Anzahl, Raum/Lage) unterscheiden. Ein Kind beginnt und beschreibt sein Bild. Fehlende Bildinhalte ergänzt der Partner. Partnerwechsel. Wenn beide Bilder schließlich verglichen werden, sollten sie identisch sein.
  • Guess my favourite animal (It has got…, it is …), I spy with my little eye

Dialoge/Rollenspiele/szenisches Spiel:
Diese spielerischen Übungen erfordern ein hohes Maß an kommunikativem Austausch. Sie bieten vielfältige Redeanlässe für die Schülerinnen und Schüler, die ihnen eine Offenheit in der individuellen Ausgestaltung anbieten.

  • Interviews mit Rollenkarten
  • Situationen des alltägliches Lebens nachspielen („So-tun-als-ob“: z.B. Einkaufsdialoge) 
  • Nachspielen von Geschichten und Märchen: z.B. The three little pigs

Spiele, die die fremde Kultur näher bringen:
Diese Spiele gewähren einen Einblick in die englischsprachige Kultur und ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern, sich über die Spiele gleichaltriger Kinder aus dem englischsprachigen Raum deren Kultur zu nähern. Außerdem bieten diese Spiele Anlässe, über eigene kulturelle Besonderheiten nachzudenken und sie mit denen anderer Menschen in Verbindung zu bringen.

 

(Weiterführende) Literatur

Bleyhl, W. (2005): Die Defizite des traditionellen Fremdsprachenunterrichts oder Weshalb - endlich - ein Paradigmenwechsel, eine Umkehr, im Fremdsprachenunterricht erfolgen muss. Verfügbar unter: http://www.creativedialogues.lernnetz.de/docs/1.4Expertenstimmen.pdf [26.04.2017].

Büning, S. (2012): Spielerisch Englisch lernen. In: Böttger, H. (Hrsg.): Englisch. Didaktik für die Grundschule. Berlin: Cornelsen

Doyé, P. (1993): Fremdsprachenerziehung in der Grundschule. Zeitschrift für Fremdsprachenforschung 4

Elsner, D. (2010): Englisch in der Grundschule unterrichten. Grundlagen, Methoden, Praxisbeispiele. München: Oldenbourg

Klippel, F. (2016): Didaktisches Lexikon. Spiel. In: Praxis Fremdsprachenunterricht 3/2016. Berlin: Cornelsen

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