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Task-Based Learning

Task-Based Learning (TBL) orientiert sich an den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler und ermöglicht echte und authentische Kommunikationssituationen, wobei die Lernaufgabe (task) im Zentrum steht. Die Aufgabenstellung ist offen und ermöglicht den Kindern eine individuelle, kreative Herangehensweise sowie selbstständige Lernaktivitäten, die häufig Partner- oder Gruppenarbeiten beinhalten. Tasks regen die Lernenden an, sich intensiv mit dem Inhalt einer Sache auseinanderzusetzen und dabei die Sprache produktiv zu nutzen.

Kommunikative Aufgaben (tasks) unterscheiden sich deutlich von vorkommunikativen Übungen (exercises / activities), die im Unterricht durchaus auch ihre Berechtigung haben.

  • Bei exercises geht es in erster Linie darum, sprachlich korrekte Formen zu produzieren und zu üben, damit sie später (zum Beispiel auch im Rahmen einer task) angewendet werden können. In der Regel gibt es nur eine richtige Lösung.
  • Bei einer task steht im Mittelpunkt das Ziel, zu einem für den Lerner inhaltlich sinnvollen, individuellen Ergebnis zu kommen. Durch eine herausfordernde Aufgabenstellung ist er motiviert, dieses Ziel zu erreichen und dabei die Fremdsprache zu verwenden (Language learning is language use). Er greift auf alle sprachlichen Mittel zurück, die er individuell benötigt: auf Geübtes und Vertrautes, auf das, was die Lehrkraft an Wortmaterial und Strukturen zum Thema zur Auswahl stellt, auf das, was er in Wörterbüchern nachschlägt oder bei der Lehrkraft und anderen Kindern erfragt etc. Eine Einschränkung oder Fokussierung auf bestimmte sprachliche Mittel, wie es bei exercises in der Regel der Fall ist, wird nicht vorgenommen. So kann den Lernern eine realitätsnahe und authentische Sprachverwendung gelingen (vgl. Dreßler 2012: 227).

Beim Task-Based Learningspricht man von drei Phasen:

  • pre-task,
  •  task cycle,
  • language focus. (Brewster, J. / Ellis, G. 2002: 46)

Pre-task
Diese erste Phase dient zur Einführung in die Aufgabe und zur Vorbereitung der Lernenden. Lernaufgabe und Ablauf der Arbeitsphase werden besprochen. Den Schülerinnen und Schülern werden Materialien zur Verfügung gestellt, die sie bei der inhaltlichen und sprachlichen Arbeit unterstützen.

Task cycle
In dieser Phase wird die Lernaufgabe ausgeführt. Der Fokus liegt uneingeschränkt auf der task. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich in Partner- oder Gruppenarbeit. Das Ergebnis der Arbeit wird der gesamten Klasse schriftlich oder mündlich präsentiert (als Poster, Aufführung, Plakat etc.).

Language focus
In dieser Phase geht es um die Nachbereitung. Dabei besteht zum einen die Möglichkeit des Feedbacks und der inhaltlichen Reflexion, Kernelement dieser Phase ist jedoch die sprachliche Aufarbeitung.
Sprachliche Auffälligkeiten und Probleme, die in der Arbeitsphase (Task cycle) auftraten bzw. von der Lehrkraft beobachtet wurden, werden nun im Plenum oder auch in der jeweiligen Gruppe aufgegriffen und gemeinsam besprochen. Ziel ist im Sinne von language awareness die Bewusstmachung sprachlicher Phänomene.

Task-Based Learning in der Unterrichtspraxis

Anregungen für grundschulgemäße tasks liefern z.B. Brewster und Ellis mit einer Reihe von Ideen:
Tasks can be done individually, in pairs or in groups.
Examples include the following:

  • drawing/writing/performing a new version of a story which has been used in class
  • writing and performing a simple play
  • making and playing a board game
  • planning and creating objects such as models, masks, etc.
  • devising a survey, carrying it out and presenting the results in some form (spoken or written)
  • creative speaking or writing such as posters, stories, radio programmes, class magazines, poetry letters or recordings to imaginary characters in a story
  • investigating a topic such as Bears and presenting the information” (Brewster, J. / Ellis, G. 2002: 50)

Der Lehrkraft können bei der Planung eines aufgabenorientierten Unterrichts auch die sechs von Jane Willis entwickelten Leitfragen helfen:

Will the activity engage learners´ interest?
Is there a primary focus on meaning?
Is there a goal or an outcome?
Is success judged in terms of outcome?
Is completion a priority?
Does the activity relate to real world activities?” (Willis, J.)

Als Einstieg in das Task-Based Learning bieten sich mini-tasks an, die weniger komplex sind als umfangreichere tasks.

Die nachfolgenden Beispiele greifen einige konkrete Ideen für einen aufgabenorientierten Unterricht im Englischunterricht der Grundschule auf.

Make your own…"

Die Aufgabenstellung „Make your own…(book, poster, riddle, crossword etc.)“ im Gegensatz zu Do the … (exercise, crossword, etc.)“, gibt den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich selbständig und kreativ mit einem Thema auseinanderzusetzen und zu einem individuellen Ergebnis zu kommen.
Die Kinder können z.B.

  • ein eigenes kleines Heft oder pocket book in Anlehnung an ein authentisches Kinderbuch erstellen und anderen Kindern präsentieren (z.B. Do you like ketchup on your cornflakes?), siehe:
  • auf einem kleinen Poster Informationen über ihr Lieblingstier zusammentragen und einen kurzen Vortrag halten (My favourite pet), siehe:
  • für andere Kinder ein Rätsel ausdenken (My animal is…/ has got…/ lives… / eats … What is it?)

Je nach Vorgabe gestalten die Kinder allein, zu zweit oder in der Gruppe ihr book, Plakat etc. mit Fotos, gemalten Bildern und/oder mit Wörtern und kleinen Sätzen.
Sie verwenden dabei (Bild-)Wörterbücher, fragen bei Partnern oder der Lehrkraft nach, nutzen sprachliche Unterstützungsangebote (support cards) und verändern diese ggf. entsprechend ihren individuellen Bedürfnissen und Interessen.
Das book/poster etc. kann dann als Grundlage für eine Präsentation genutzt werden, in der die Kinder ihren Partnern, einer Gruppe oder der ganzen Klasse über ihr Thema berichten oder ihr book vorstellen. Handwerkliches (wie sorgfältiges Ausmalen von Bildern etc.) sollte bei solchen Aufgaben nach Möglichkeit in die vor- bzw. nachbereitende Hausaufgabe oder z.B. ins Fach Kunst verlegt werden.

Information Gap Activities

Bei einer information gap activity handelt es sich um eine Aufgabenstellung, bei der zwei Kinder zusammenarbeiten. Die Partner müssen Informationen, die der jeweils andere nicht hat, durch Fragen herausbekommen; z.B. kann es darum gehen, fehlende Details in ähnlichen Bildern oder Charts herauszufinden und zu ergänzen. Die Kinder verwenden hier die englische Sprache in einer authentischen Sprachhandlungssituation; es ist sinnvoll und bedeutsam für sie, die Informationslücke zu schließen und damit das Ziel der Aufgabe zu erreichen.

Beispiel für eine Information Gap Activity

Beispiel für eine Information Gap Activity

Durch kleine Veränderungen oder durch Ergänzen einer Problemstellung lassen sich einfache Aufgabenstellungen und exercises in Lehrmaterialien zu einer anspruchvolleren mini-task ausbauen.
So lassen sich, wenn im Lernmaterial der Kinder keine Vorlagen für information gap activities vorhanden sind, sehr leicht aus Kopiervorlagen in Zeitschriften oder Materialsammlungen für den Englischunterricht in der Grundschule zwei ähnliche Bilder entwickeln, von denen das eine nur die Hälfte der Details und das andere genau die andere Hälfte der Informationen enthält.

Opinion Gap Activities

Auch in opinion gap activities entstehen Situationen, in denen sich die Kinder durch Kommunikation in der Fremdsprache Informationen – in diesem Fall die Meinung der Gesprächspartner zu bestimmten Themen – beschaffen und das Ergebnis in einem survey durch Ankreuzen, Notieren von Äußerungen, mithilfe von Piktogrammen oder dgl. festhalten.

Interview

(als Beispiel für eine Opinion Gap Activity)
In der nächsten Ausgabe der Schul- oder Klassenzeitung sollen englische Interviews veröffentlicht werden. Die Schülerinnen und Schüler stimmen sich in Partner- oder Gruppenarbeit ab, wen sie befragen möchten (Kinder aus der eigenen Klasse/aus anderen Klassen, Lehrende, Hausmeister etc.). Sie überlegen sich Fragen, die sie gerne stellen möchten und entwickeln anhand der Fragestellungen einen Fragebogen. Die Schülerinnen und Schüler stehen bei der Erarbeitung in ihrer Gruppe in intensiver Interaktion, die durch die Interviewpartner noch erweitert wird.

Storyline Approach

Für ein größeres Unterrichtsvorhaben oder -projekt, in dem den Grundsätzen des Task-Based Learning Rechnung getragen werden kann, sei hier noch auf den Storyline Approach (auch: Glasgow-Methode) hingewiesen. Er wurde von Steve Bell in Schottland entwickelt, ursprünglich als ganzheitlicher Ansatz für Sachfächer in der Muttersprache. Inzwischen ist er auchFremdsprachenunterricht der Grundschule erprobt. Es werden Probleme aufgeworfen und offen formulierte key questions zu deren Lösung gestellt. Diese Fragen werden gemeinsam bearbeitet und eine storyline entwickelt. Die handelnden Personen werden erdacht, ein Handlungsrahmen abgesteckt und auf ein unvorhersehbares Ereignis reagiert.

(Weiterführende) Literatur:

Modul 8: Kompetenzorientiert Unterricht planen

Brewster, J. / Ellis, G. (2002): The Primary English Teacher’s Guide. New Edition. Harlow: Pearson Education. 46ff.

Dreßler, C. (2012): Aufgabenbasiertes Arbeiten: Fertigkeiten integrieren. In: Heiner Böttger (Hrsg.). Englisch. Didaktik für die Grundschule. Berlin: Cornelsen. 227.

Müller-Hartmann, A. /Schocker-von Ditfurth, M. (Hrsg.) (2005). Aufgabenorientierung im Fremdsprachenunterricht: Entwicklungen, Forschung und Praxis, Perspektiven. Tübingen: Gunter Narr Verlag.

Willis, J. Criteria for identifying tasks for TBL . Verfügbar unter: http://www.teachingenglish.org.uk/article/criteria-identifying-tasks-tbl (03.05.2017)

 

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