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Authentische Redeanlässe schaffen

Authentisch sind Situationen und Sprechanlässe für Kinder, wenn diese für sie bedeutsam und herausfordernd sind und wenn sie ihnen Freude bereiten. Authentische Sprechanlässe veranlassen die Kinder dazu, in und mit der Sprache zu handeln, weil sie es reizvoll finden, in der neuen Sprache miteinander zu kommunizieren und weil sie erfahren, dass sie die Sprache zum „Funktionieren“ bringen können.

Alle Unterrichtsbeispiele basieren auf diesem Prinzip.

Vom ersten Schuljahr an werden die Kinder über das reproduktive Sprechen hinaus zu eigenständiger Sprachverwendung ermuntert, was auf Seiten der Lehrkraft eine ähnlich hohe Fehlertoleranz und Geduld voraussetzt, wie sie die Bezugsperson eines Kindes im Erstspracherwerb zeigt (vgl. Fehlertoleranz und Modul 9/Umgang mit Fehlern).

Der Unterricht wird so arrangiert, dass die Kinder untereinander und mit der Lehrkraft interagieren können. Wo immer möglich, wird die Lehrerzentrierung zugunsten offenerer Arbeitsformen aufgegeben, und es werden Sprechanlässe in Partner-/Gruppenarbeit angeboten, bei denen es möglichst häufig um echte Kommunikation und nicht um das Abfragen hinlänglich bekannter Dinge geht.

Ganz entscheidend ist es, dass die Kinder selbst es als wichtig ansehen, im Rahmen von Sprechaufgaben viel Englisch zu sprechen, Mimik und Gestik als Verständigungshilfe einsetzen und möglichst nur dann auf die deutsche Sprache ausweichen, wenn sie auch „mit Händen und Füßen“ nicht ausdrücken können, was sie sagen wollen.
Methodische Kniffe wie z.B. “English only-stones” können die Kinder immer wieder daran erinnern. Die Kinder haben zu Beginn der Stunde eine bestimmte Anzahl von stones, marbles oder dgl. auf ihrem Platz und legen dann einen Stein beiseite, wenn sie auf die deutsche Sprache ausweichen (müssen). Am Ende der Stunde wird kurz darüber reflektiert.
Andere Möglichkeiten, an die (Selbst-)Verpflichtung zum Englischsprechen zu erinnern, sind z.B. das Anstecken einer britischen/amerikanischen Flagge oder das Wählen eines English guard, der in Gruppenarbeiten “English only!“ einfordert und ggf. aufschreibt, was die Kinder nicht auf Englisch formulieren konnten, damit anschließend entsprechendes Sprachmaterial erfragt werden kann.

Denkbar ist auch, dass die Kinder am Ende einer Gruppenarbeit einschätzen, ob sie viel Englisch gesprochen haben, und sich selbst ggf. mit einem well done-Sticker oder dgl. „belohnen“ (s. Anmerkungen zu Film 4, Sequenz 4).

Die Lehrkraft bietet den Kindern Unterstützung bei der Realisierung der Sprechaufgaben an: Strukturen und Texte werden akustisch in Form des Vorbildes durch die Lehrkraft oder leistungsstarke Schüler und Schülerinnen sowie durch Smartphones, MP3, digitalen Aufnahmegeräten wie easy speak Mikrofonen, digitalen Vorlesegeräten oder interaktiven Lerntrainern zur Verfügung gestellt. Schriftlich festgehaltene Formulierungshilfen und -anregungen, die für die persönlichen Bedürfnisse und Vorlieben variiert werden, werden an der Tafel, auf einem Lernplakat, am OHP, auf einem Arbeitsblatt, einem Tischreiter etc. zur Verfügung gestellt, z.B.

  • in Form von Bildern, Bildkarten oder Piktogrammen (z.B. I Abbildung: Symbol für Herz…), als Satzstreifen
  • als substitution tables 
  • als mix-and-match-Vorlage

Beispiele für authentische Sprechanlässe:

Das Sprechen im Chor oder in der Gruppe stellt für die Lernenden eine gemeinschaftliche Erfahrung der Fremdsprache dar und ist – vor allem zu Beginn des Lernprozesses – eine Hilfe für zurückhaltende oder schwächere Kinder. Im Schutz der Gruppe können sie die fremde Sprache erproben, bis sie sich trauen, auch allein zu sprechen. Ganz nebenbei erfolgt eine ganzheitliche Ausspracheschulung. Durch das wiederholte Sprechen prägen sich die Texte schnell ein und werden als Muster, die auf andere Situationen übertragen werden können, abgespeichert. Reim, Rhythmus, begleitende Bewegungen etc. helfen beim Behalten und Reproduzieren der Texte.

Diese Lernhilfen werden den Kindern durch Reflexionsgespräche bewusst (gemacht).
Geschichten, vor allem die, die für das erste und zweite Schuljahr geeignet sind, enthalten häufig Elemente und eingängige Passagen, die zum Mit- und Nachsprechen einladen, so z.B. Märchensprüche, sich wiederholende Satzmuster, wörtliche Rede, Dialoge etc.
Vgl. auch

  • Authentische Sprechabsichten, um eigene Bedürfnisse auszudrücken
    (z.B. May I go to the toilet, please?, May I wash my hands? Can you help me, please? Can I have your ruler?)
    Es werden zusammen mit den Kindern classroom phrases for pupils erarbeitet, und die Schülerinnen und Schüler werden immer wieder dazu angehalten und ermuntert, die englische Sprache in den Situationen des unmittelbaren Miteinanders zu benutzen.
  • Small talk als Ritual zu Beginn des Unterrichts
    z. B. How are you today? What’s up today? etc.
  • Spiele unter Verwendung von spielrelevanten Redemitteln
    z.B. board games mit Aufgabenkarten, Wortschatzspiele wie pelmanism, bingo, snap, Laufspiele wie What’s the time, Mr Wolf?) s. auch:
  • Ratesituationen
    z. B. Guess my favourite… (animal/food etc.); I spy with my little eye etc.

  • Interviews (Opinion gap activities)
    z. B. What do you like for breakfast?

  • Class surveys
    z. B. What’s your favourite animal? … Three children like tigers best.

  • Information gap activities
    z. B. In my picture there are three trees next to the house.

  • Dialoge/Rollenspiele
    z.B. das Nachspielen von Situationen aus Texten; fiktive realistische Dialoge (quasi-reale Situationen) wie Einkaufsdialoge oder dgl. mit der ausdrücklichen Möglichkeit, Vorgegebenes im Hinblick auf die eigenen Vorlieben zu verändern.
  • Wimmelbilder
    z. B. spielerische Übungen mit Such-, Rätselcharakter
  • Präsentationen von Arbeitsergebnissen in der Klasse, z.B.:
    Vorstellen eines mithilfe von Vorlagen selbst geschriebenen mini book (Film 1, Sequenz 10)oderSprechen zu einem Plakat (Film 4, Sequenz 4)

  • Umfangreichere tasks
    Ausgehend von authentischen Kinderbüchern lassen sich beispielsweise Aufgaben entwickeln, die die Kinder zu konstruierendem Sprechen herausfordern (Modul 7: (Kinder-)Literatur im EGS) . Solche Aufgaben, die den Grundsätzen des task-based learning folgen, ergeben sich aus den Themen der Geschichten, die Interesse und eigene Betroffenheit auslösen und so Sprechleistungen elizitieren, die auch zur Leistungsbewertung herangezogen werden können (Diehr/Frisch 2008: 142ff.).

  • Aufführungen vor Publikum
    Das Auswendiglernen von Texten, das Einüben des Vortrags und das Präsentieren vor anderen (Partner, Gruppe, eigene Klasse, größeres Publikum wie Schulgemeinde oder Elternschaft etc.) dienen als Hinführung zum „zusammenhängenden Sprechen“ und ermöglichen vielen Kindern Erfolgserlebnisse.

  • Freies Sprechen
    Zum freien Sprechen (z.B. in einem Unterrichtsgespräch) können z.B. Geschichten oder Kinderbücher einen Anreiz bieten. Kinder drücken – vor allem am Anfang – in einfacher Form durch einzelne Wörter oder kurze Sätze (ggf. auch auf Deutsch) ihre Vermutungen, Stellungnahmen und Wertungen aus. Die Lehrkraft spiegelt, wenn die Kinder Deutsch sprechen, diese Aussagen auf Englisch (You think …), und ermuntert immer wieder zur Verwendung der englischen Sprache.

(Weiterführende) Literatur:

Modul 7: (Kinder-)Literatur im EGS, Kapitel 1.3.1.2: Sprechen anregen durch (Kinder-) Literatur

Diehr, B./Frisch, S. (2006): Diagnostische Kompetenz – Lernfreude wecken – Sprechleistung beurteilen – Qualität verbessern, in: Primary English 6/2006, München: Oldenbourg

Diehr, B./Frisch, S. (2008): Goodbye Hungry Caterpillar, in: Grau, M./Legutke, M.: Fremdsprachen in der Grundschule, Frankfurt/M.: Grundschulverband – Arbeitskreis Grundschule e.V. 142ff.

Diehr, B./Frisch, S. (2008): Mark their words. Sprechleistungen im Englischunterricht der Grundschule fördern und beurteilen, Braunschweig: Westermann

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© 2019 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 11.10.2017