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FAQ

Frage zum Stichwort...  Aufwand vs. Ertrag

Was ist das Ziel des frühen Fremdsprachenlernens?
Lohnt der Aufwand, den die Grundschule betreibt, im Vergleich zu dem, was erreicht wird?

 „Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung.“
(John F. Kennedy, zitiert in einer Pressemitteilung der Bezirksregierung Düsseldorf,  05.06.2005)

Erfolg lässt sich objektiv nur messen an den gesetzten Zielen und den Ergebnissen.
Die Vorverlegung des Fremdsprachenlernens in die Primarstufe ist – auch auf internationaler Ebene – überwiegend dem Wunsch nach Mehrsprachigkeit geschuldet. Es geht dabei weniger um Ökonomie (z.B. Zeitersparnis in den weiterführenden Schulen) als um die  Intensivierung des Sprachenlernens und der damit einhergehenden Möglichkeit, die Basis für weiteres Sprachenlernen zu legen.
Ziel des Englischunterrichtes in der Grundschule ist die Entwicklung von Interesse und Freude am Sprachenlernen sowie der Erwerb kommunikativer Fähigkeiten und Fertigkeiten. Die Schüler entwickeln in ihrer Grundschulzeit sprachliche Kompetenzen und Strategien, die es ihnen ermöglichen, einfache, aber auch authentische Beiträge zu verstehen und sich in  vertrauten Situationen ihrer Lebenswelt mit einfachen Sätzen auf Englisch zu verständigen und eigene Redeabsichten zu verwirklichen. Die Kompetenzerwartung am Ende der Grundschule ist also die Handlungsfähigkeit in der Sprache.
Bezüglich des ‚outcome’ gibt es inzwischen valide Daten aus unterschiedlichen internationalen Untersuchungen. In NRW wurde von 2005 – 2007 eine groß angelegte Evaluationsstudie1 durchgeführt, die u.a. auch Lernstandserhebungen (ca. 2000 Kinder nahmen am Test teil) vorsah. Die Studie macht deutlich, dass die Kinder hoch motiviert und leistungsbereit sind. Die Ergebnisse beweisen gut entwickelte Kompetenzen vor allem in den Bereichen des Hörverstehens und Leseverstehens.
„Die Erforschung der Einstellungen und Motivation machte deutlich, dass früher Fremdsprachenunterricht von großer Bedeutung ist. Kinder scheinen in manchen Fällen neue Formen der Identität aufzubauen. Gerade im Fremdsprachenfrüherwerb ist das Prinzip der Toleranz gegenüber Anderen äußerst wichtig, genau wie die Anregung, neue Wertesysteme kennen zu lernen.“(Edelenbos/Johnstone/Kubanek, 2006)2

 

Frage zum Stichwort...  Fehler

Welchen Stellenwert haben Fehler im EGS?
Warum dürfen die Kinder Fehler machen?

Vgl. auch Umgang mit Fehlern

Fehler sind im allgemeinen Verständnis häufig mit Defiziten verbunden.
Im Spracherwerb sind Fehler aber nicht nur unvermeidlich, sie stellen vielmehr notwendige Zwischenstufen dar und sind wichtige Indikatoren, die Aufschluss über den individuellen Lernprozess und die Sprachentwicklung des Kindes geben.
An der Schwelle zum kreativen Sprachgebrauch geht es immer weniger um auswendig gelernte, gespeicherte Einheiten wie in den ersten Phasen des Unterrichts, in denen überwiegend imitiert wird. Mit zunehmender Kreativität kommt es zu unsystematischen  Regelanwendungen und zu (Über-) Generalisierungen. Das bedeutet, je mehr der Schüler wagt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit von Fehlern. Dies als Indikatoren für Fortschritte im Spracherwerb zu sehen, ist eine ganz wichtige Aufgabe der Lehrkräfte.

I can see two kids, they are *loafing home. The two boys are *gaming football., so äußerte sich ein Schüler beim Sprechtest.
Die Eigenkonstruktion loafing einfach als Fehler abzutun, würde der Leistung des Schülers keinesfalls gerecht. Er hat versucht, deutlich zu machen, was er meint: da er sich an das englische Wort nicht erinnerte oder es nicht kannte, half er sich mit der Konstruktion aus „englischen Lauten“, mit denen er die deutsche Variante „laufen“ verwandelte, und hängte – wie er es so oft bei anderen Verben gehört hatte – ein -ing an das Verb. Dies ist kein Beweis von Schwäche, sondern im Gegenteil ein Indiz für die fortgeschrittene Entwicklungsstufe des Schülers.
Hier wird deutlich, dass Kinder sehr wohl schon in der Lage sind, Hypothesen über Strukturen und Bildungsprinzipien der fremden Sprache zu bilden. Muster der fremden Sprache werden bereits erkannt und eigenständig genutzt.

Für den Lernfortschritt ist es daher sehr wichtig, diese Art von Fehlern nicht zu sanktionieren, denn dies würde auf die Dauer dazu führen, dass die Kinder sich nicht mehr trauen, selbständig mit der Sprache umzugehen. Um zu verhindern, dass „der Fremdsprachenunterricht für alle zu einer leidvollen Erfahrung des Versagens“ (R. Weskamp, 2004)3 wird, sind daher einerseits einfühlsame, wertschätzende und konstruktive  Korrekturen angezeigt, wie z.B. korrigierendes Echo, Aushandeln von Bedeutungen (Do you mean …?), wie es ein empathischer Muttersprachler in einer Begegnungssituation tun würde, und andererseits das Aufgreifen von Fehlern als Anlass zur Sprachbetrachtung und damit zur Entwicklung von Sprachbewusstheit.

Selbstverständlich wird die Lehrkraft immer darauf achten, dass Fehler nicht einfach stehen bleiben, sich einschleifen, sondern sie wird stets die korrekte Version anbieten.

 

Frage zum Stichwort...  Förderempfehlung

Werden auch im Fach Englisch Förderempfehlungen geschrieben?

Vergl. auch Versetzungsrelevanz

Individuelle Lern- und Förderempfehlungen werden für eine Schülerin oder einen Schüler geschrieben, wenn die Leistungen in einem Fach schlechter als „ausreichend“ sind und die Versetzung deshalb gefährdet ist oder nicht zustande kommt.

Die rechtsverbindliche Aussage zu Förderempfehlungen in § 7 der AO-GS lautet folgendermaßen:
(2) „Die Grundschule hat ihren Unterricht so zu gestalten, dass die Versetzung der Regelfall ist. Schülerinnen und Schüler, deren Versetzung gefährdet ist, erhalten zum Ende des Schulhalbjahres eine individuelle Lern- und Förderempfehlung. Erkannte Lern- und Leistungsdefizite sollen durch entsprechende Förderung bis zur Versetzungsentscheidung unter Einbeziehung der Eltern behoben werden.“

(4) „Eine Schülerin oder ein Schüler wird in die Klassen 3, 4 und 5 versetzt, wenn in allen Fächern mindestens ausreichende Leistungen erbracht wurden. Sie oder er wird auch dann versetzt, wenn auf Grund der Gesamtentwicklung zu erwarten ist, dass in der nächst höheren Klasse eine hinreichende Förderung und eine erfolgreiche Mitarbeit möglich sind. Schülerinnen und Schüler, die nicht versetzt worden sind, erhalten zum Ende des Schuljahres ebenfalls eine individuelle Lern- und Förderempfehlung.“   

Eine Förderempfehlung im Fach Englisch könnte sich z.B. auf die Verbesserung der Hörverstehenskompetenzen beziehen: Die Lehrkraft könnte dem Kind Hörtexte auf CD oder Lernsoftware empfehlen und ggf. zur Verfügung stellen. Kindgerechte Wortschatzarbeit könnte z.B. mit einer Wort-Bildkartei geleistet werden, indem mit einem Partner (Elternteil/Geschwisterkind/Freund) Spiele wie Memory, Bingo, Fly swats, Guess my animal etc. gespielt werden. 

Vgl. Ausbildungsordnung Grundschule (BASS 13 – 11 Nr. 1.1 und 1.2)

 

Frage zum Stichwort...  Heterogenität

Wie soll die weiterführende Schule mit der großen Heterogenität der Sprachkenntnisse umgehen?
Wie können die Lehrkräfte einen gemeinsamen Nenner finden, damit sie den Stoff des  Lehrwerks schaffen?

Kinder aus der Grundschule kommen aufgrund ihrer individuellen Entwicklung grundsätzlich mit unterschiedlichen Kenntnissen und Fertigkeiten in die weiterführenden Schulen.  Neu für die Sekundarstufe I ist, dass dies nun auch die erste Fremdsprache betrifft. Es geht in der weiterführenden Schule um die optimale Weiterentwicklung der Kompetenzen und dafür ist es wichtig, zu erfahren, wie und was die Kinder lernen. Wenn Grundschule und weiterführende Schule zusammenarbeiten und die Heterogenität nicht als Manko, sondern als Chance begriffen wird, kann der Fremdsprachenunterricht als Kontinuum erfahren werden. Kooperation bedeutet in diesem Zusammenhang aber nicht, dass die Sekundarstufe inhaltliche Forderungen an die Grundschule stellt. Der jeweilige Lehrplan legt eindeutig fest, welche Kompetenzstufen am Ende der Klasse 4 bzw. der Klasse 9/10 erreicht werden sollen. Die sklavische Orientierung an einem Lehrwerk ist dagegen nicht maßgeblich für eine erfolgreiche Fremdsprachenarbeit.
“No teacher should allow the coursebook to set the objectives, let alone allow ‘teaching the coursebook’ to be the objective.” (J. Brewster/G. Ellis, 2002)4

 

Frage zum Stichwort...  Qualifikation/Unterrichtserlaubnis 

Welche Voraussetzung braucht man, um Englisch an der Grundschule unterrichten zu können?

Grundvoraussetzung ist die Lehrbefähigung als Grundschullehrerin.
Um das Fach Englisch unterrichten zu können, ist in der Regel ein grundständiges Englischstudium mit Schwerpunkt Grundschule sowie ein sich anschließender  Vorbereitungsdienst als Lehramtsanwärterin / Lehramtsanwärter zu absolvieren.

 

 Frage zum Stichwort...  Spielerischer Unterricht

Verdirbt der spielerische Englischunterricht der Grundschule die Kinder nicht für das „richtige Arbeiten“ in der weiterführenden Schule?

Vgl. auch Spiel als Methode

„Richtiges Arbeiten“, „spielerischer Unterricht“ – was heißt das?
Es ist auffällig, dass im Hinblick auf die Schule, so auch wenn die Schülerinnen und Schüler in die Sekundarstufe wechseln, häufig die Defizite benannt werden, statt das anzuerkennen und zu würdigen, was Kinder bereits können.
Der Fremdsprachenunterricht in der Grundschule ist weder verspielter Unterricht noch ein ‚watered down’ Sekundarstufe I - Unterricht. Er orientiert sich – wie auch die anderen Fächer – bezüglich seiner Didaktik und Methodik an den entwicklungsbedingten Voraussetzungen und Bedürfnissen der Grundschulkinder. Er nutzt die Potenziale gerade der jungen Lerner, ihre Offenheit und Unbefangenheit dem Neuen gegenüber und ihre Freude am spielerischen Gestalten.

Im Sinne R. Ellis’ Language learning is language use lernen die Kinder die Sprache nicht durch theoretische Instruktionen, sondern durch Anwendung. Sie erleben die Sprache so früh wie möglich als das, was sie eigentlich ausmacht – als Mittel zur Verständigung.
Dazu bedarf es in dem institutionellen Rahmen Schule gewisser Szenarien, die so authentisch wie möglich sein sollten, aber in der Regel eben Simulationen sind. Für den Fremdsprachenunterricht sind Spiele und Spiel nicht Selbstzweck, sondern ein methodisches Mittel, um die Sprachanwendung zu fördern. Sie bieten den Schülern eine überzeugende und unverzichtbare Möglichkeit, auf sinnvolle Weise sprachlich tätig zu werden.

Die Kognitionswissenschaften weisen uns seit geraumer Zeit darauf hin, dass das Wissen nicht vom Kopf des Lehrers in die Köpfe seiner Schüler transferiert wird (oder auch nicht), sondern dass Lernen Wissenserwerb bedeutet und Wissenserwerb ein Prozess der Organisation und individuellen Konstruktion ist, der aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen, die ein jeder Mensch mitbringt, nie bei allen gleich ablaufen kann. D.h. es gibt keine Garantie dafür, dass das Vokabular, die grammatische Struktur, die in der Stunde „eingeführt“ wird, in den Köpfen aller Schüler nach Hause getragen oder gar gleich korrekt angewendet wird.
Von außen lassen sich diese Prozesse nur initiieren, unterstützen und begleiten, nicht aber erzwingen oder bis ins Detail gezielt steuern.
Der Unterricht muss vielmehr so gestaltet sein, dass er diese individuellen Spracherwerbsprozesse ermöglicht und durch eine entsprechende Unterrichtsgestaltung mit   Unterrichtsszenarien und herausfordernden Materialien unterstützt und fördert.
Die Kinder sollen von Anfang an die Erfahrung machen, dass sie erfolgreich kommunizieren können. Um dies zu erreichen ist die Anwendung/Simulation im Spiel ein wesentlicher Faktor – im Übrigen: nicht nur in der Grundschule.

Es geht also um die Entwicklung von Handlungskompetenz, um Sprachverstehen und Sprachanwendung, um funktionierende Kommunikation und nicht um sprachliche Korrektheit. „Fluency goes before correctness“ hieß bereits in den 70er Jahren die Forderung nach einem Umdenken in der Fremdsprachendidaktik.
Werner Bleyhl spricht gar von pädagogischer Naivität, wenn man meine, das Messen der Sprachfähigkeit an der Handhabung der orthografischen Richtigkeit vornehmen zu können. (Bleyhl, 2000)5

 

Frage zum Stichwort...  Überforderung:

Sind Kinder in der ersten Klasse nicht zu jung zum Fremdsprachenlernen?

Alle Unterrichtsversuche in europäischen Nachbarländern wie auch in einigen deutschen Bundesländern haben gezeigt, dass Englischlernen ab Klasse 1 keine Überforderung für „die Kleinen“ bedeutet. Im Gegenteil: Durch das Fremdsprachenangebot wird auf bereits vorhandenes Wissen eingegangen und dieses geordnet und vertieft. Die Kinder hören und „lesen“ in ihrer Umwelt bereits Englisch. Ihnen sind Wörter wie „playstation“, „cornflakes“, „toast“ vertraut.
Im Englischunterricht der ersten Klasse wird Bekanntes in kindgemäßer Form, u.a. durch Lieder, Reime, Sprachspiele und altersgerechte Sprachsituationen aufgegriffen, erweitert und gefestigt. Die besonderen Faktoren kindlichen Lernens wie Neugier, sprachliche Beweglichkeit, ungehemmtes Sprechen und Freude an Imitation können genutzt werden. Alle Kinder können sich individuell einbringen und machen erste positive Lernerlebnisse mit dem Fremdsprachenlernen. Kreativität und Flexibilität der Kinder werden gefördert.

Wir können unsere Kinder also schon früh darauf vorbereiten, Sprachen zu lernen und mit anderen Kulturen umzugehen. Diese Fähigkeiten zählen zu den wichtigsten Schlüsselqualifikationen für künftige Generationen. Englisch als internationales Verständigungsmittel übernimmt dabei die Führungsrolle.

Schwächen im Deutschen verschwinden nicht, wenn man den Fremdsprachenunterricht streicht oder auf einen späteren Zeitpunkt verschiebt. Im Gegenteil: Die Beschäftigung mit einer anderen Sprache fördert das Sprachverständnis und wirkt sich deshalb positiv auf die Muttersprache aus. Sie trägt dazu bei, die Beherrschung der deutschen Sprache zu verbessern.

Muss der Leselernprozess in der deutschen Sprache nicht erst abgeschlossen sein, bevor die Kinder mit englischen Schriftbildern konfrontiert werden?

In den Forschungsprojekten zum Thema „Zweitalphabetisierung Englisch“ 6 hat sich gezeigt, dass die Kinder, nachdem sie einmal alphabetisiert worden sind, das Lesen und Schreiben in der Fremdsprache nicht nur interessiert, sondern dass sie es sogar einfordern. Sie können durch die Wahrnehmung und das Erkennen der Wortbilder zu erfolgreichem Leseverstehen und ebenso zu eigenständigem Schreiben geführt werden.

Neueste Ergebnisse des Heidelberger Projekts von Bärbel Diehr und Jutta Rymarczyk weisen darauf hin, dass durch den Kontakt mit der englischen Schreibform der Ablauf des Erwerbs des Lesens und Schreibens im Deutschen nicht beeinflusst wird, da der Input an deutscher Schrift im Deutschunterricht und im Alltag zu dominant ist, um durch das Englische negativ beeinflusst werden zu können.

Da aber die englische Rechtschreibung – auch für englischsprachige Schüler – sehr schwierig zu erlernen ist und eine andere Laut-Buchstabenzuordnung hat als das Deutsche, ist es wichtig, dass

  1. die Kinder im frühen Englischunterricht positive Erfahrungen mit der Schriftlichkeit machen
  2. die Schrift als zusätzlicher Lernkanal zur Bereicherung und Unterstützung des Lernens angeboten, aber nicht zur Feststellung von Defiziten eingesetzt wird
  3. Fehler beim Lesen und Schreiben grundsätzlich nicht sanktioniert werden
  4. Vorlagen zum Schreiben zur Verfügung gestellt werden
  5. Bewusstheit für die Andersartigkeit der englischen Rechtschreibung angebahnt wird.

Kann es Kindern mit Migrationshintergrund zugemutet werden, eine weitere Sprache zu erlernen? Sollten sie nicht erst mal richtig Deutsch lernen?

Die weit verbreitete Einstellung, Kinder mit Migrationshintergrund sollten erst richtig Deutsch lernen, bevor man ihnen eine weitere Sprache  zumuten kann, lässt sich zurückführen auf eine Vorstellung vom Lernen, die davon ausgeht, dass alles irgendwo im Gehirn in getrennten Boxen aufbewahrt wird und es die Kinder von daher überfordert, noch mehr Boxen zu stapeln. Lernen ist aber ein konstruktiver Prozess, der immer darauf abzielt, das Neue mit dem bereits Gelernten zu verknüpfen. So betrachtet haben Kinder, die bereits die dritte oder auch vierte Sprache lernen, sogar einen Vorteil, denn sie verfügen bereits über Strategien des Zweitsprachenerwerbs, auch wenn ihnen diese nicht bewusst sind.

Die DESI-Studie 7 hat diesbezüglich empirisch abgesicherte Daten gewinnen können, die deutlich machen, dass Schülerinnen und Schülern, die Deutsch als zweite Sprache erworben haben, das Erlernen der Fremdsprache Englisch vergleichsweise leichter fällt.
Das Aufwachsen in einer mehrsprachigen Familie ist unter sonst gleichen Lernbedingungen (sozialer Hintergrund, kognitive Grundfähigkeiten, Geschlecht, Bildungsgang) im Englischen mit einem Leistungsvorsprung verbunden, der den Gewinn mindestens eines halben Schuljahres ausmacht. Auch Schülerinnen und Schüler, die aus Migrationsfamilien mit ausschließlich nichtdeutschem Sprachhintergrund stammen, zeigen im Englischunterricht vergleichsweise gute Leistungen.  

Für die Grundschule konnte die EVENING-Studie in NRW 8 ähnliche Ergebnisse vorweisen. Motivation und Leistungsbereitschaft waren völlig unabhängig von Geschlecht, Leistungsniveau oder Migrationshintergrund.
Die Tatsache, dass der Fremdsprachenunterricht für alle Kinder einen Neuanfang bedeutet, hat einen positiven Effekt auf die Lernhaltung der Kinder mit Migrationshintergrund wie auch auf die der Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Lehrerinnen und Lehrer sehen bezüglich Lernleistung und Motivation in der Regel keinen Unterschied zu deutschen Kindern.
Auch an den guten Testergebnissen der EVENING-Studie sind die meisten der Kinder mit einer anderen Herkunftssprache beteiligt. Probleme und eher schwache Leistungen  scheinen – wie auch die DESI-Studie belegt – eher mit dem sozialen Hintergrund als mit der Sprachzugehörigkeit zu korrelieren.

Dem folgenden Statement der Studie kann man nur zustimmen:
„Diese positiven Ressourcen von Familien, in denen nicht oder nicht nur deutsch gesprochen wird, sollten bei der Debatte über Migration und Bildung in Deutschland nicht vergessen werden.“ (DESI-Studie)

Dass es weiterhin gilt, die Beherrschung der deutschen Sprache bei allen Schülern nachhaltig zu verbessern und die Kinder bereits vor Schuleintritt vor allem im Kindergarten bestmöglich zu fördern, steht selbstverständlich außer Frage. Die Studien belegen aber, dass auch der Englischunterricht dazu beitragen kann, die sprachlichen Kompetenzen generell zu erhöhen.

 

Frage zum Stichwort...  Unterstützung durch die Eltern

Wie können Kinder in ihrem Lernprozess von den Eltern begleitet werden?

Wichtig ist, dass die Eltern darüber informiert sind, dass der Englischunterricht in der Grundschule dem Alter und der Entwicklung der Kinder entsprechend anders abläuft als der Fremdsprachenunterricht, den sie selbst erlebt haben.
In der Regel finden dazu in der Schule Informationsveranstaltungen statt. Auch durch Filmbeispiele können sich Eltern ein gutes Bild von Grundschulenglischunterricht machen. Vgl. Praxis-Unterrichtsmitschnitte
Systematischer Grammatikunterricht, das Führen eines Vokabelheftes oder das Abfragen von Vokabeln sind nicht grundschulgemäß. Bei der Wortschatzarbeit in der Grundschule geht es darum, Wörter und Strukturen im Gebrauch zu festigen und miteinander zu vernetzen.

Tipps für Eltern:

  • Drängen Sie Ihr Kind nicht zum Sprechen, aber ermuntern Sie es!
    Ihr Kind muss sich zunächst in die englische Sprache einhören und an die fremden Laute gewöhnen. Viele Kinder hören lieber eine Weile nur zu, ehe sie sich trauen zu sprechen.
  • Hören Sie Ihrem Kind geduldig zu und loben Sie seine Sprechversuche!
    Jeder Lernfortschritt, den Ihr Kind macht, bedeutet eine Steigerung seiner Motivation. Auch einzelne Wörter und unvollständige Sätze in der englischen Sprache sind ein Zeichen dafür, dass Ihr Kind sich mit der Sprache auseinandersetzt.
  • Akzeptieren Sie Fehler!
    Fehler sind ein notwendiger Bestandteil des Sprachlernprozesses. Zu häufiges Korrigieren kann zu Sprechhemmungen führen und die Motivation sinkt.
  • Fordern Sie Ihr Kind nicht zum wörtlichen Übersetzen auf!
    Ihr Kind lernt die Sprache ganzheitlich und in einem thematischen Kontext. Den Sinn kann es in der Regel aber wiedergeben.
  • Bieten Sie Ihrem Kind – wenn möglich – authentische Materialien an!
    Die englische Sprache wird für Ihr Kind hörbar und sichtbar gemacht. Es kann angemessene kindgemäße Videos, CDs, Hörkassetten und Kinderbücher sowie Lernsoftware selbstständig nutzen und sich durch Einhören in die Intonation, Aussprache und den Sprachrhythmus an die fremde Sprache gewöhnen. Zu vielen englischen Kinderbüchern gibt es begleitendes Hörmaterial und auch die  Lehrwerke bieten häufig CDs oder andere Tonträger an.

 

Frage zum Stichwort...   Versetzungsrelevanz

Ist Englisch in der Grundschule ein Fach mit Versetzungsrelevanz?

Da in der Grundschule alle Fächer (unabhängig von der Anzahl der erteilten Wochenstunden) versetzungsrelevant sind, gilt das selbstverständlich auch für das Fach Englisch, denn in § 7 (4) der AO-GS heißt es:
„Eine Schülerin oder ein Schüler wird in die Klassen 3, 4 und 5 versetzt, wenn in allen Fächern mindestens ausreichende Leistungen erbracht wurden. Sie oder er wird auch dann versetzt, wenn auf Grund der Gesamtentwicklung zu erwarten ist, dass in der nächst höheren Klasse eine hinreichende Förderung und eine erfolgreiche Mitarbeit möglich sind. (…)“

Vgl. Ausbildungsordnung Grundschule (BASS 13 – 11 Nr. 1.1 und 1.2)

Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang die Prämisse:
„Die Grundschule hat ihren Unterricht so zu gestalten, dass die Versetzung der Regelfall ist.“ AO-GS § 7 (2)

Die Kinder werden im Unterricht gefördert, entwickeln Kompetenzen und bekommen zurückgemeldet, was sie können. Es geht nicht in erster Linie darum, was die Kinder nicht können.

Für das Fach Englisch gilt als oberstes Leitziel „die Entwicklung von Interesse und Freude am Sprachenlernen und an fremden Lebenswelten“ (Lehrplan Englisch S. 71).
Das lässt sich nur erreichen, wenn möglichst alle Kinder Erfolge erleben und diese auch bescheinigt bekommen. In einem grundschulgemäßen kompetenz- und handlungsorientierten Englischunterricht sollte es immer gelingen, dass auch leistungsschwächere Kinder Kompetenzen erwerben, die zumindest ein „ausreichend“ rechtfertigen – es sei denn, dass gravierende Lernstörungen vorliegen, die einer besonderen Förderung bedürfen und die sich in der Regel nicht nur auf das Fach Englisch beschränken. 

Welchen Stellenwert hat der Schwerpunkt Orthografie im Englischunterricht der Grundschule?

Der Lehrplan macht deutlich, dass die schriftlichen Kompetenzen in der Grundschule zwar durchaus auch entwickelt werden und eine Rolle spielen, dass die Orthografie aber nicht Gegenstand der Leistungsbewertung ist.

Vgl. Leistung erkennen, fördern und bewerten

 

 


 


1 Die Studie ist allgemein bekannt unter dem Namen EVENING: Evaluation Englisch in der Grundschule.

2 Vgl. http://ec.europa.eu/education/policies/lang/doc/young_de.pdf: Edelenbos, P. / Johnstone, R. / Kubanek, A.(2006): Die wichtigsten pädagogischen Grundsätze für die fremdsprachliche Früherziehung. Forschungsveröffentlichungen, gute Praxis & zentrale Prinzipien

3 Weskamp, R.: Grundschulmagazin Englisch, 6/2004, München: Oldenbourg, S. 7-10 vgl. dazu http://home.arcor.de/rweskamp/KomKomp.pdf

4 Brewster, J. / Ellis, G. (2002): The Primary English Teacher’s Guide. Essex: Penguin English, S. 152

5 Vgl. Bleyhl, W. (2000) (Hrsg.): Fremdsprachen in der Grundschule. Grundlagen und Praxisbeispiele. Hannover: Schroedel

6 Vgl. z.B. Diehr, Bärbel und Rymarczyk, Jutta (2010) (Hrsg.): Researching Literacy in a Foreign Language Among Primary School Learners / Forschung zum Schrifterwerb in der Fremdsprache bei Grundschülern, Peter Lang Pub Inc

7 Die DESI-Studie (Deutsch Englisch Schülerleistungen International) ist eine Studie zur Erfassung der sprachlichen Leistungen in Deutsch und Englisch von Schülern an Schulen in Deutschland. Getestet wurden im Schuljahr 2003/2004 rund 11.000 Schüler der 9. Klassenstufe aller Schularten.

8 In NRW wurde von 2005 – 2007 eine groß angelegte Evaluationsstudie durchgeführt, die u.a. auch Lernstandserhebungen mit ca. 2000 Kindern umfasste. Sie wird allgemein als EVENING bezeichnet: Evaluation Englisch in der Grundschule.

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© 2020 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 23.09.2015