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Untersuchungen

Bericht : „Fremdsprachen in der Grundschule – Sachstand und Konzeptionen 2013“
Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 17.10.2013

Die Kultusministerkonferenz hat am 17.10.2013 ihren aktuellen Bericht zur Situation des Englischunterrichts in der Grundschule in den verschiedenen Bundesländern veröffentlicht.

 

Evaluationsstudie 2005-2007 - Englischunterricht in der Grundschule in NRW

Erfahrungen und Untersuchungserkenntnisse aus NRW und Konsequenzen für einen kompetenzorientierten Lehrplan

Einführung

Seit dem Jahr 2003 lernen Grundschulkinder in NRW Englisch ab Klasse drei und seit Februar 2009 Englisch ab Klasse 1. NRW führte damit konsequent weiter, was 2003 begonnen wurde und in den Jahren 2005 bis 2007 einer wissenschaftlichen Untersuchung unterzogen wurde: Englisch als reguläres Fach in der Grundschule zu etablieren. Mit der Vorverlegung der ersten Fremdsprache in die Primarstufe folgt NRW einem internationalen Trend, der auf die Empfehlungen des Europarates zurückgeht. „The ability to understand and communicate in other languages is a basic skill for all European citizens.“ (Commission of the European Communities) Die Empfehlung des Europarats zielt auf die Intensivierung des Sprachenlernens generell und auf die damit einhergehende Möglichkeit, die Basis für weiteres Sprachenlernen zu legen. Die möglichst frühe Förderung der Kinder im Bereich des Fremdsprachenlernens soll vor allem die Potentiale schöpfen, die gerade in den Jahren zwischen dem 5. und 10. Lebensjahr besonders effektiv zu nutzen sind. Früher Fremdsprachunterricht nutzt die hochaktive Entwicklungsphase, in der aktive Prozesse der Mustererkennung, Regelfindung, kognitiven Orientierung und Hirnentwicklung stattfinden. „Das gleichzeitige Reifen und Lernen gewährleistet … dass überhaupt komplexe Zusammenhänge gelernt werden können.“ (Spitzer) Früher Fremdsprachunterricht   nutzt darüber hinaus ein weiteres wesentliches Potential gerader junger Lerner: ihre Offenheit und Unbefangenheit dem Neuen gegenüber und ihre Freude am spielerischen Gestalten.
Ein weiterer Vorteil liegt eindeutig darin, dass das frühe Sprachenlernen eher gemäß dem intellektuellen (sprachlichen) Entwicklungsstand der Altersgruppe stattfindet und somit Diskrepanz zwischen fremdsprachlicher Kompetenz und allgemein intellektuellem Entwicklungsstand vermieden werden.

Studie („Evening“: Evaluation Englisch in der Grundschule)

Das Bildungsministerium in NRW gab 2004 eine Studie in Auftrag, welche die Bedingungen, Erfahrungen und Ergebnisse des Englischunterrichts evaluieren sollte. Die breit angelegte Untersuchung umfasste vier Module:

  • Befragung der Schulleitung (alle Grundschulen in NRW)
  • Befragung der Lehrkräfte (ca. 500 L. an ca. 250 Schulen aus allen Regierungsbezirken in NRW)
  • Unterrichtsbeobachtungen (60 Schulen - 88 Stunden) + Interviews der Lehrer
  • Feststellung von Lernergebnissen/ Spracherwerbsständen (Tests)

Die Studie wurde von verschiedenen Hochschulen wissenschaftlich begleitet. Die Unterrichtsbeobachtungen erfolgten durch qualifizierte Teams mit Hilfe standardisierter Beobachtungsbögen. Ca. 3000 Schülerinnen und Schüler nahmen am Test teil (davon ca. 700 am Sprechtest). Das ermöglichte reliable Aussagen über den Untersuchungsgegenstand. So konnten recht umfassende Aussagen zu den vorherrschenden didaktischen Überzeugungen und Praktiken, zu Unterrichtsmethoden sowie zum Lernverhalten der Schüler/innen und zu den Lernergebnissen gemacht werden – d.h. dazu, über welche Fähigkeiten und Fertigkeiten Schülerinnen und Schüler nach 2 Jahren verfügen bzw. verfügen können. Die Ergebnisse der 2-jährigen Studie lassen sich in Kürze folgendermaßen zusammenfassen:
Das Fach Englisch war zu dem Zeitpunkt der Studie bereits an allen Schulen fest integrierter Bestandteil der Stundentafel und wird überwiegend von qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern im Prinzip nach aktuellen didaktisch-methodischen Konzepten erteilt. Ca. 6000 Lehrerinnen und Lehrer hatten sich in einer 60 Stunden umfassenden Fortbildungsmaßname zur Didaktik und Methodik sowie durch eine sprachliche Qualifizierung auf ihre neue Aufgabe vorbereitet und unterrichten gerade dieses Fach mit großer Freude und entsprechendem Engagement.
Die Schülerinnen und Schüler waren - unabhängig von Geschlecht, Leistungsniveau und Herkunftssprache - hoch motiviert und leistungsbereit. Die Auswertung der Testergebnisse bescheinigt den meisten Schülerinnen und Schülern gut entwickelte Kompetenzen - vor allem in den Bereichen Hörverstehen und Leseverstehen.
Neben den guten Ergebnissen vor allem bezüglich der Kompetenzen im rezeptiven Bereich führten die  Unterrichtsbeobachtungen und Sprachstandsfeststellungen jedoch auch zu der Erkenntnis, dass es bezüglich der Entwicklung des Englischunterrichts an Grundschulen
zum Zeitpunkt der Evaluation durchaus noch ausbaufähige Potentiale gab. Vor allem diesen Bereichen galt bei der Neugestaltung des Lehrplans die besondere Aufmerksamkeit.

Detaillierte Informationen zu Aufbau und Durchführung der Gesamtstudie, zu den Tests mit den entsprechenden Auswertungsinstrumenten und zu den Ergebnissen der Lernstandstests sowie zu den Auswirkungen der Erkenntnisse aus der Studie auf Änderungen und Ergänzungen des 2008 überarbeiteten Englischlehrplans sind nachzulesen in den folgenden Veröffentlichungen:

Englisch in der Primarstufe – Chancen und Herausforderungen – Evaluation und Erfahrungen aus der Praxis. Gaby Engel, Bernd Groot-Wilken, Eike Thürmann (Hrsg.) (2009), Berlin: Cornelsen

Die Beiträge in diesem Sammelband handeln von verschiedenen Wegen, die einzelne Bundesländer und europäische Nachbarn eingeschlagen haben, sie berichten von Problemen aber auch von Erfolgen, den Potentialen der jungen Lerner und wichtigen Erkenntnissen, die sich aus den Erfahrungen in den ersten Praxisjahren ergeben haben. Das bedeutet, Forschung und Praxis im Bereich der Vorverlegung des Fremdsprachenunterrichts geben wesentliche Impulse sowohl für die Weiterentwicklung eines kompetenzorientierten Fremdsprachenunterrichts als auch für die damit einhergehende Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte.

Hörverstehen Leseverstehen Sprechen - Diagnose und Förderung von sprachlichen Kompetenzen im Englischunterricht der Primarstufe
Otfried Börner, Gaby Engel, Bernd Groot-Wilken (Hrsg.) (2013), Münster: Waxmann

Der Englischunterricht in der Primarstufe ist fester Bestandteil der meisten Grundschullehrpläne im In- und Ausland. In letzter Zeit sind die Fähigkeiten von Grundschulkindern im Fremdsprachenunterricht und deren Beurteilung in den Fokus zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen gerückt. Auch im Zuge der Entwicklung bundesweiter Bildungsstandards wachsen die Anforderungen an den Umgang mit der Leistungsbewertung – die Beobachtung des Lernprozesses der Kinder ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Stichwort. Der Band beschäftigt sich mit den Kompetenzbereichen Hören, Lesen und Sprechen und in diesem Rahmen mit den Möglichkeiten der Erfassung von Fertigkeiten und Fähigkeiten im Englischunterricht der Grundschule: Welche Vorgänge finden bei diesen Prozessen des Hörverstehens, Leseverstehens, Sprechens statt? Wie lassen sie sich effizient registrieren? Welche Aufgabenformate stehen zur Verfügung und wie lässt sich all das in den Unterrichtsalltag integrieren? Diese und viele weitere Fragen bilden den Schwerpunkt der Beiträge, die einen umfassenden Einblick in die Analyse- und Diagnosemöglichkeiten der genannten Kompetenzen bieten und Lehrkräften zudem praktische Vorschläge zu ihrer Förderung an die Hand geben.

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