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Entwicklung einer Leistungskultur

Sprachenlernen kann als ein langsam anwachsender Prozess beschrieben werden, zu dem Umwege und Verzögerungen gehören. Es ist eine der Aufgaben der Grundschule, den Unterricht so zu gestalten, dass Kinder ihrer jeweiligen Entwicklungsstufe entsprechend Sprachkompetenzen aufbauen und dementsprechend Leistung zeigen können. Jeder Lernprozess findet im Lerner selbst statt; daher muss er zum Experten der Selbstevaluation werden, das bedeutet, ihn an eine realistische Einschätzung seiner Leistungsfähigkeit heranzuführen.

„Because learners differ, they need to be granted many different opportunities to show what they know and what they can do in the language” (Legutke 2009: 123)

Guter Unterricht muss Leistung für alle Schülerinnen und Schüler ermöglichen, indem bedeutsame, motivierende und herausfordernde Lernsituationen geschaffen werden. Die Herausforderung findet dabei auf unterschiedlichem Niveau statt und berücksichtigt die Heterogenität der Lerngruppe (Lernumgebung)

 „Leistungsmessung im Sprachlichen bedeutet nicht, dass eine große sprachliche Leistung da als erreicht konstatiert wird, wo keine Fehler gefunden werden. Sprachliche Leistung findet sich da, wo in einer Situation angemessenes sprachliches Verhalten gezeigt wird“ (Bleyhl 2000: 97).

Die Grundschule ist einem pädagogischen Leistungsverständnis verpflichtet, das Leistungsanforderungen mit individueller Förderung verbindet. Jedes Kind bringt individuelle sprachliche Voraussetzungen mit. Auf dieser Grundlage entwickeln die Kinder ihre kommunikativen Fähigkeiten und Fertigkeiten in der englischen Sprache. Grundlage für die Leistungsförderung und -bewertung bilden die im Lehrplan aufgeführten Kompetenzerwartungen. Kompetenzen bündeln das Wissen und Können eines Lernenden, seine Fähigkeiten und Fertigkeiten, ein Problem zu lösen, aber auch seine Bereitschaft dazu.

Rezeptive und produktive Kompetenzen sind nicht auf dem gleichen Entwicklungsstand; denn das Sprachverstehen ist die Voraussetzung für die Produktion und für die Entwicklung weiterer Kompetenzen.
Im Englischunterricht der Grundschule zeigen Kinder Leistung, indem sie Hör- und Lesetexte verstehen, sowie mündlich wie schriftlich mit anderen kommunizieren, dabei Lernstrategien und Arbeitstechniken anwenden und auch Einblick in andere Lebenswelten (englischsprachiger Länder) erhalten (Interkulturelles Lernen). Leistungen beziehen sich jedoch nicht nur auf sichtbare Ergebnisse, sondern auch auf Anstrengungen und Risikobereitschaft.

Diese Aspekte von Leistung bilden die Basis für jedes weitere Fremdsprachenlernen und sind nur durch regelmäßige gezielte Beobachtung zu erfassen.

Ermutigung, Unterstützung und Anerkennung von Leistung sind die Grundlage für ein positives Lern- und Leistungsklima, in dem das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit wachsen kann. Ein solches Klima wird in erster Linie durch eine angstfreie Atmosphäre geschaffen, in der sich die Kinder auf den zunehmend freien Umgang mit der neuen Sprache einlassen können. Dazu tragen vor allem Situationen bei, die ein hohes Maß an Vertrautheit bieten, und das Bewusstsein, dass Fehler keine Sanktionen nach sich ziehen und Korrekturen als Unterstützungsangebot dienen. Das erfordert aber auch, eine ausgewogene Balance herzustellen zwischen Vertrautem und neuen, notwendigen sprachlichen Herausforderungen, die es den Kindern erst ermöglichen, Leistungen zu zeigen.

Eine weitere Voraussetzung für effektives Lernen ist das Lernaufgaben herausfordernd und motivierend gestaltet sind, so dass die Lernenden bereit sind, sich auf die Lernaufgabe einzulassen und eine positive Lernhaltung einnehmen. Darüber hinaus muss Transparenz über das Ziel und den Weg hergestellt werden, damit die Lernenden wissen, welche Kommunikationssituation bewältigt werden soll, wie se vorgehen und was ihnen helfen kann. (Doms 2017: 35)

Zum pädagogischen Leistungsverständnis gehört auch, dass Kinder zu ihren Anstrengungen und Leistungen Rückmeldungen erhalten, so dass sie zunehmend lernen, ihre eigenen Lernfortschritte wahrzunehmen Nothing succeeds like success!) und realistisch einzuschätzen. Dazu bietet sich der Einsatz des

Feedback …

Ein allgemeines Feedback kann einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern gegeben werden, um Gelungenes oder Schwierigkeiten allgemein anzusprechen. Schwierigkeiten, die häufig auftreten, wird die Lehrkraft z.B. zum Anlass nehmen, bestimmte sprachliche Phänomene mit der gesamten Gruppe zu klären.

Gezieltes Feedback dient dazu, den von der Lehrkraft wahrgenommenen Lernstand eines einzelnen bezogen auf das Ziel zu kommentieren. „Das kannst du schon. Das musst du noch üben. So kannst du vorgehen“ (Hattie 2011: 3).
Besonders effizient ist nach Cameron ein feedback in Form von

corrective feedback: Die Lehrkraft wiederholt in korrekter Form eine fehlerhafte Schüleräußerung und, lässt diese nachsprechen und lobt danach den Lerner. 

evaluative feedback: Die Lehrkraft lobt nicht nur, sondern begründet, was besonders gut war, damit die Lerner später darauf achten können.

strategic feedback: Die Lehrkraft gibt einen Tipp, wie z.B. die Aussprache besser gelingen kann: Look at my tongue. (Cameron 2001: 239f)

Beispiele für ein positives Lern- und Leistungsklima finden sich zum Beispiel in diesen Unterrichtsmitschnitten. Mögliche Aspekte zur Leistungsbeobachtung sind:

  • Film 2, Sequenz 4: Acting out a dialogue
    • Verfügbarkeit der Strukturen (verständlich, flüssig, korrekt)
    • Verfügbarkeit des Vokabulars, hier: camping articles
    • Nutzung der Dialoghilfe (ablesen, zunehmend lösen, auswendig)
  • Film 4, Sequenz 4: Working with partners
    • Verfügbarkeit verschiedener Strukturen (it is, it has, it likes, it lives) im Hinblick auf verständlichen, flüssigen, korrekten Sprachgebrauch
    • Komplexität der Antwort, z.B. Beschreibung
    • Verständnis und Beantwortung von Nachfragen (What else can you tell? What about..?)
    • Nutzung der Strukturhilfe (immer, selten, nie)

Die Lehrkraft kann Bereiche beobachten, die durch andere Verfahren schlecht zu erfassen sind:

Wie verständigt das Kind sich mit den Partnern? Teilt es sich mit geübten Sätzen und Wendungen mit oder nutzt es zunehmend auch selbstständig konstruierte Sätze? Setzt es Gestik und Mimik gezielt ein?
Nutzt es die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel?
Welche Motivation zeigt es, über eine längere Zeit Englisch zu sprechen und dabei Hindernisse zu überwinden?

 

 

 

 

 

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