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Verfahren der Leistungsfeststellung

“If we think of our children as plants …
summative assessment of the plants is the process of simply measuring them. It might be interesting to compare and analyse measurements but, in themselves, these do not affect the growth of the plants.
Formative assessment, on the other hand, is the equivalent of feeding and watering the plants appropriate to their needs - directly affecting their growth.” (Clarke 2001: 2)

 

Die prozessbegleitende oder formative Leistungsfeststellung (assessment for learning) gibt Aufschluss darüber, was Schüler – gemessen an einem bestimmten Standard – an Fähigkeiten und Fertigkeiten erreicht haben und wo sie noch Unsicherheiten zeigen und entsprechende Unterstützung benötigen.
Sie dient so der direkten Optimierung des Lernangebots bzw. des Unterrichts: die Lernvoraussetzungen der Kinder können im Anschluss besser berücksichtigt, Lernangebote gezielter geplant, Fördermaßnahmen ergriffen werden.

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Prozessbegleitende Leistungsfeststellung

Lehrplan und AO-GS stellen die prozessbegleitende Leistungsfeststellung in den Mittelpunkt. Hierbei geht es in erster Linie um Aussagen zum Lernprozess, d.h. die Entwicklung des Lerners, was sich weniger punktuell, sondern eher durch regelmäßige Beobachtungen feststellen lässt.
„Beobachtungen können spontan, zufällig, gelegentlich, aber auch geplant, regelmäßig und systematisch sein, sie können einzelne Schülerinnen und Schüler oder Schülergruppen umfassen […]. Lernstand und Lernfortschritt können im Unterricht zu jeder Zeit, an allen konkreten Lerninhalten und durch unterschiedliche Aufgaben aufgezeigt, beobachtet, dokumentiert, kommentiert und gewürdigt werden.“ (BIG-Kreis 2008: 9)

Die Beobachtung der Lernentwicklung hat vor allem zum Ziel, zu erfassen, was einzelne Lernende bereits können und ihnen dieses zurückzumelden. Gleichzeitig gewinnt die Lehrkraft auf diese Weise aber auch notwendige Informationen über etwaige Schwierigkeiten oder Defizite, die sie dann gezielt gemeinsam mit den Lernenden angehen kann.
Die prozessbegleitende Leistungsbeobachtung dient demnach in erster Linie der Diagnose. Diese Form der Leistungsfeststellung entspricht dem „Verständnis für den nichtlinearen Charakter des Sprachwachstums" (Bleyhl 2000: 93), dem der moderne Fremdsprachenunterricht verpflichtet ist.

Kriteriengeleitete Beobachtungsbögen sind sinnvolle Instrumente, die die Lehrkräfte bei dieser Tätigkeit entlasten und unterstützen. (Diehr/Frisch 2008: 87 ff.)

Mit Hilfe solcher Bögen kann die Lehrkraft dann regelmäßig und gezielt einzelne Lernende wie auch Gruppen systematisch beobachten, so dass im Laufe des Schuljahres alle Kinder in unterschiedlichen Situationen in den Blick genommen werden können. So gelingt es auch, die Leistungen von denjenigen Kindern wahrzunehmen, die im Klassenverband sehr zurückhaltend sind.

Selbstverständlich dienen die Ergebnisse der Beobachtungen in ihrer Gesamtheit auch als Quelle für die Leistungsbewertung. (Diehr/Frisch 2008: 76)

Im Folgenden finden sich Beispiele für mögliche Formate von Beobachtungsbögen. Diese Beispiele sind als Anregung für die Erstellung eigener, individuell gestalteter Beobachtungsbögen gedacht.

 

Die punktuelle oder summative Leistungsfeststellung (assessment of learning) erfasst gezielt Leistungen in ausgewählten Bereichen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Diese „achievement tests“ beziehen sich auf bestimmte Schwerpunkte einer zuvor durchgeführten Unterrichtseinheit. Die Testaufgaben dienen als abschließende Maßnahme der Kontrolle, welche Ziele erreicht wurden und über welche Kompetenzen die Lerner zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügen.

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Punktuelle Leistungsfeststellung

Bei der punktuellen Leistungsfeststellung handelt es sich um die Überprüfung ausgewählter Teilkompetenzen zu einem bestimmten Zeitpunkt. Punktuelle Leistungsüberprüfung geschieht in der Regel in Form von pen & paper tests. Es handelt sich hierbei um kurze ca. 15 minütige Tests, in denen hauptsächlich das Hörverstehen, Hör-Sehverstehen oder dasLeseverstehen durch Zuordnungs- oder multiple choice - Aufgaben getestet wird. Das Hauptgewicht der Leistungsfeststellung liegt jedoch auf dem Mündlichen, der Kommunikationsbereitschaft und –fähigkeit, Verständlichkeit und Verfügbarkeit sprachlicher Mittel (LP 2008: 84).

Doch auch dialogische oder monologische Verfahren zur Erfassung des Sprachkönnens können – obwohl dem Wesen nach prozesshaft – punktuell zur Überprüfung bestimmter Bereiche zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt eingesetzt werden.
Solche systematisch geplanten Beobachtungssituationen zur Einschätzung der mündlichen Fähigkeiten werden - wie kurze schriftliche Arbeiten, z.B. Zuordnungs- oder multiple choice – Aufgaben (LP 2008:84) - den Kindern im Vorfeld als Leistungsbewertungssituation angekündigt, und es wird transparent gemacht, was genau von ihnen erwartet wird. Die Lehrkraft agiert als Testleiter, möglichst im Hintergrund, leistet als Kommunikationspartner aber ggf. auch Hilfestellung, wenn es gewünscht oder notwendig ist. Ob ein Kind selbstständig handelt oder Unterstützung benötigt, wird ebenfalls notiert und geht später mit in die Bewertung ein (vgl. Dialogische Verfahren).
Lernende sollten während ihrer dialogischen/monologischen Darbietungen nicht unnötig irritiert werden. Daher sollten Aufzeichnungen erst im Anschluss vorgenommen werden oder aber durch eine zweite Person im Hintergrund.
Um realistische und qualitativ gute Dokumentation zu ermöglichen, ist es wichtig, dass die Beobachtungsbögen zum Sprechen die wesentlichen Kriterien nennen, dass sie anderseits aber auch zu bewältigen sind, d.h. nicht zu detailliert und umfangreich sind.

 

(Weiterführende) Literatur:

Clarke, S. (2001): Unlocking Formative Assessment – Practical Strategies for Enhancing Pupils’ Learning in the Primary Classroom. London: Hodder and Stoughton. 2.

BIG-Kreis (Beratungs-, Informations- und Gesprächskreis der Stiftung Lernen) (2008): Lernstandsermittlung, Förderung und Bewertung im Fremdsprachenunterricht der Grundschule, München: Domino Verlag. 9.

Bleyhl, W. (2000): Fremdsprachen in der Grundschule – Grundlagen und Praxisbeispiele, Hannover: Schroedel. 93.

Diehr, B. / Frisch, S. (2008): Goodbye Hungry Caterpillar. In: Grau, M. / Legutke, M. (Hrsg.): Fremdsprachen in der Grundschule. Auf dem Weg zu einer neuen Lern- und Leistungskultur. Frankfurt/M.: Grundschulverband – Arbeitskreis Grundschule e.V.

Diehr, B. / Frisch, S. (2008): Mark their words. Sprechleistungen im Englischunterricht der Grundschule fördern und bewerten. Braunschweig: Westermann.

MSW- Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW (2008):
Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen. Frechen: Ritterbach.
Oder: https://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/upload/klp_gs/LP_GS_2008.pdf

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© 2020 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 26.03.2020