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Orientierungsbereich (Sprungmarken)

classroom management

Unter classroom management sind alle Aktivitäten zu verstehen, die Lehrkräfte unternehmen, um eine Lernumgebung zu gestalten, die sowohl curriculares als auch emotionales und soziales Lernen ermöglicht (vgl. Evertson u. Weinstein 2006, S. 47). Eingebunden ist hier ein Konzept von classroom management, welches sich an die Forschungen von Carolyn Evertson (2006, 2012) anlehnt. Sie beschreibt insgesamt 11 Dimensionen des classroom managements die zur Ausgestaltung einer Lernumgebung zur Förderung kooperativen Arbeitens beitragen. Das Ziel ist ein gemeinsam gestalteter Rahmen, der Schülerinnen und Schülern (individuell) strukturierte Lernumgebungen schafft, die ihnen bestmögliche Lern- und Entwicklungschancen bieten.
Mit Hilfe des classroom managements kann ein Orientierungsrahmen für alle Lerner geschaffen werden, der nicht nur für mehr aktive Lernzeit im Sinne des kognitiven Lernens sorgt, wie Helmke mit unterschiedlichen internationalen Studien belegt, sondern auch Schülerinnen und Schülern eine unterstützende Struktur zur erfolgreichen Bewältigung von Lernprozessen bietet (vgl. Helmke 2009, S. 174).
Im Sinne einer wirksamen Lernförderung auch für Schülerinnen und Schüler mit einem entsprechenden Unterstützungsbedarf ist diese Strukturgebung eine grundlegende Voraussetzung für förderlichen Unterricht (vgl. Heimlich u.a. 2016, S. 15).

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Helmke (2009) macht deutlich, dass Klassenführung und Unterrichtsqualität zwar begrifflich voneinander unterschieden werden, aber stets wechselseitig eng miteinander verflochten sind. Effiziente Klassenführung ist sozusagen ein Schlüsselmerkmal für Unterrichtsqualität und lässt sich nicht auf den Umgang mit Disziplinproblemen verkürzen, sondern schafft einen geordneten Rahmen für anspruchsvollen Unterricht.

Die vielfach genutzte deutsche Übersetzung von classroom management im Sinne von „Klassenführung“ erscheint dabei wenig kompatibel mit einem Verständnis von Unterricht, der kooperative Lernprozesse anregt und die Verantwortlichkeit der Lerner für ihren eigenen Lernprozess anregen möchte. In diesem Sinne formulieren auch Pertzel, Schütte u.a., dass classroom management weit mehr ist als Klassenführung, sondern einen Unterricht unterstützt, der gemeinsames Lernen ermöglicht (vgl. Pertzel, Schütte u.a. 2015, S. 21).
Evertson bezieht auch die möglichen Anteile der Schüler bzw. der Klassengruppe am classroom management mit ein und bezeichnet ihren Ansatz als lernerzentriert (vgl. Eickenbusch 2009, S. 9ff). Sie stellt die Förderung des kooperativen Lernens in den Mittelpunkt und legt dar, wie Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Voraussetzungen von dieser Methode profitieren und gibt Hinweise zur Förderung von entsprechenden sozialen und arbeitsbezogenen Verhaltensweisen (vgl. Evertson 2009, S. 122 ff).

Die unterschiedlichen Dimensionen des classroom managements sind nicht als starres Korsett des Unterrichts zu verstehen, sondern als mehrdimensionale Gestaltungsimpulse, die in Abhängigkeit von der Lehrerpersönlichkeit, der Lerngruppe und des Unterrichtsvorhabens flexibel zu nutzen sind. In diesem Sinne bieten sie Möglichkeiten zum scaffolding und zur effektiven Förderung aller Schülerinnen und Schüler (vgl. Werning 2015, S. 80).

11 Dimensionen des classroom managements nach Evertson

1. Vorbereitung des Klassenraumes
Entsprechend dem unterrichtlichen Vorhaben erfolgt eine Strukturierung des Raumes, des Ablaufs, der Aktivitäten und der Materialien. In der Praxis informiert z. B. ein Ablaufplan, der an einem festen Ort verankert ist, über die geplanten Unterrichtsschritte. Lerner, die, aus unterschiedlichen Gründen (Reizüberflutung, körperliche Unruhe, Gefühl der Überforderung…), Abstand von der Klassengruppe benötigen, können durch eine individuelle Rückzugsmöglichkeit z.B. an einem Einzeltisch unterstützt werden. Sie können dann selbst entscheiden bzw. erfahren Beratung durch die Lehrkraft, wann und wie sich wieder in den allgemeinen Unterrichtsverlauf einbringen können. Ein dem geplanten Unterricht entsprechendes Material wird auch für die Einzelarbeit vorgehalten.
Den Schülerinnen und Schülern werden diese Struktur und die damit verbundenen Verhaltensanforderungen durch Handlungspläne anschaulich gemacht. Visualisierungen können hierbei unterstützend wirken.

2. und 3. Planung und Unterrichtung von Regeln und unterrichtlichen Verfahrensweisen
Erläuterung der unterrichtlichen Verfahren und Etablierung positiv formulierter Regeln. Sowohl die Verfahrensabläufe als auch die Regeln werden durch wiederkehrende Übungen und Reflexionen aktualisiert. So können z.B. die notwendige Gruppenbildung und die damit verbundene Umstrukturierung der Arbeitsplätze für kooperative Arbeitsprozesse zunehmend reibungslos verlaufen.
Ein abgestimmtes Hilfesystem (Wer gibt Hilfe? – Wann kann diese Hilfe gegeben werden? – Wie bekomme ich Hilfe? …) erleichtert das gemeinsame Arbeiten und bietet der Lehrkraft Freiräume.

4. Festlegung von Konsequenzen
Spiegeln von angemessenen Anteilen im Verhalten der Schüler - Schüler sollen in ihrer positiven Selbstwahrnehmung unterstützt werden, aber auch um die Grenzen und die damit verbundenen Konsequenzen ihres Lern-, Arbeits- und Sozialverhaltens wissen.

5. Schaffung eines positiven (Lern-) Klimas im Klassenraum
Ermutigung und Lob für Arbeitsergebnisse, Mitarbeit und Verhalten. Eine fehlerfreundliche Lernumgebung kann auch schwächeren Lernern eine Unterrichtsbeteiligung erleichtern.
Kompetenzerwartungen u.a. zum sozialen Lernen werden offen gelegt und durch gezielte Angebote gefördert.
Kooperative Arbeitsprozesse werden behutsam eingeführt und bezogen auf fachliche Leistung und soziales Miteinander reflektiert.

6. Beaufsichtigung bzw. gezielte Beobachtung der Schüler
Diese dient der Sammlung von Informationen zur Lernausgangslage und des Lern- und Entwicklungsfortschritts und dient der Rückkoppelung mit dem individuellen Lern- und Entwicklungsplan.

7. Unterricht angemessen vorbereiten
Motivation durch entwicklungsadäquaten Unterricht; die Schüler werden mit ihren Interessen, Vorstellungen und Bedürfnissen mit einbezogen. Kompetenzerwartungen, Inhalte, Methoden, Materialien … werden unter Berücksichtigung der individuellen Lernvoraussetzungen angepasst und bei Bedarf zieldifferent gestaltet.

8. Festlegung von Schülerverantwortlichkeit
Positiv formulierte Regeln und Lern- und Verhaltensanforderungen stützen diesen Prozess.
Entsprechend ihrer individuellen Entwicklung übernehmen die Lerner sukzessive mehr Verantwortung für den eigenen Lern- und Entwicklungsprozess.

9. Unterrichtliche Klarheit
Diese kann erreicht werden durch eine transparente Planung und Zielsetzung und darauf abgestimmte Instruktionen, z.B. visualisiert in Form eines advance organizers. Die Fokussierung der ganzen Lerngruppe wird durch differenziert formulierte Kompetenzerwartungen und entsprechende Lernangebote ergänzt.
Die Lehrkraft bietet durch ihr Verhalten ein Modell für erwartetes Verhalten und für Verlässlichkeit.

10. Unangemessenes Schülerinnen- und Schülerverhalten unterbinden
Durch proaktives Lehrerhandeln, welches z.B. durch nonverbale Signale, physische Nähe, Umlenken und Umgestalten möglichst den Fokus zum eigentlichen Auftrag der Schülerin/ des Schülers zurückführt. Ein Spiegeln von positiven Verhaltensanteilen fokussiert alle Beteiligten auf die Zielsetzung des Unterrichts.

11. Strategien für potenzielle Probleme
Durch Absprachen eines gemeinsamen Handlungsrahmens (Schulvereinbarungen, konzeptionelle Absprachen im Team/Kollegium) erhält die einzelne Kollegin/der einzelne Kollege noch stärkere Handlungssicherheit auch in schwierig erlebten Situationen.

Online-Unterstützungsportal zum Referenzrahmen Schulqualität NRW

Im Online-Unterstützungsportal zum Referenzrahmen Schulqualität NRW befinden sich unter der Dimension „2.9 Klassenführung und Arrangements des Unterrichts“ Arbeitsmaterialien, Reflexionsbögen für Lehrerinnen/Lehrer, Schülerinnen/Schüler und Schulleitungen. Weiterführende Links auf Projekte, Portale und Praxisbeispiele liefern anschauliche Beispiele. Literaturhinweise runden das Angebot ab.

Literatur und Links

  • Eikenbusch, Gerhard (2009): Classroom Management für Lehrer und Schüler
    In: Pädagogik Heft 2, S. 6-10
  • Evertson, C. M. , Emmer, E. (2012): Classroom Management for Elementary Teachers. 9. Aufl.. Addison Wesley Pub Co Inc. Boston.
  • Evertson, Carolyn M., Neal, Kristen W (2006): Looking into Learning-Centered Classrooms, Implications for Classroom Management.
    Washington: National Education Association.
  • Evertson, Carolyn M., Weinstein, Carol Simon (2006): Handbook of Classroom Management.
    Mahwah: Lawrence Erlbaum Associates.
  • Heimlich, Ulrich u.a. (2016): Förderschwerpunkt Lernen.
    in: Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Sonderpädagogische Förderschwerpunkte in NRW.
  • Helmke, Andreas (2009): Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität.
    Seelze: Kallmeyer.
  • Werning, Rolf, Avci-Werning, Meltem (2015): Herausforderung Inklusion in Schule und Unterricht.
    Seelze: Klett-Kallmeyer.

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