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Lernaufgabe: " Evolutiver Wandel in der Menschwerdung"

Die Abstammung des Menschen ist ein verbindliches Thema in den Kernlehrplänen Biologie der Sekundarstufe I und bildet den Abschluss des Inhaltsfeldes „Evolutionäre Entwicklung“.

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Deshalb können Grundlagen zu Erdzeitalter, Datierung, Stammesentwicklung der Wirbeltiere und Evolutionsmechanismen vorausgesetzt werden. Bei der inhaltlichen Planung des Unterrichtsvorhabens sollte vor allem darauf geachtet werden, die Evolutionstheorie altersgerecht zu vermitteln. Es sollte auf die Fehlvorstellungen der Schülerinnen und Schüler, z.B. anthropomorphe Prinzipien, lineare, zielgerichtete Entwicklung, dogmatisches Verständnis (vgl. Kattmann 2015, S. 135) eingegangen und der Weg der Erkenntnisgewinnung nachvollziehbar und verständlich aufbereitet werden.

Insbesondere der Themenkomplex Evolution des Menschen ist problematisch, da lernhinderliche Vorstellungen weit verbreitet sind, wie z. B. die Ansicht, dass heute lebende Affen die Vorstufe der weiter entwickelten Art Mensch sind (vgl. Kattmann 2015, S. 33).

Ein entscheidender Aspekt im Umgang mit Alltagsvorstellungen ist die Betrachtung der rezenten Geschwisterarten Mensch und Menschenaffe, die dadurch in eine Gleichzeitigkeit gebracht werden und somit der Vorstellung nach einer zeitlichen Abfolge entgegenwirken (vgl. Kattmann 2015, S. 33).

Auch die teils überraschenden Erkenntnisse der aktuellen Forschung, das Revidieren gängiger Meinungen zur Wiege der Menschheit und nicht zuletzt der Konflikt mit der kreationistischen Sichtweise erfordern eine sensible Herangehensweise.

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten in zwei arbeitsteiligen Gruppen zu den Themen „Vergleich der Merkmale von Schädelknochen“ und „Angepasstheit des Skeletts an den aufrechten Gang“.

Didaktisch-methodische Hinweise

Je nach Größe der Lerngruppe sollte jede Großgruppe nochmals in 2-3 Untergruppen unterteilt werden. Es wäre auch möglich, die beiden Materialien nacheinander mit der gesamten Klasse zu unterrichten, doch meist ist die Ausstattung mit Skeletten und Schädeln in der Sammlung hierfür nicht ausreichend.
Beide Aufgabenbereiche beginnen mit einer Analyse der menschlichen Anatomie, die in einen Kriterien geleiteten Vergleich von Mensch und Schimpanse mündet. In einem dritten Schritt werden ein bzw. mehrere Fossilfund(e) unter Berücksichtigung der gewonnenen Erkenntnisse untersucht und hinsichtlich der Schwierigkeiten für Paläontologen in der Deutung der Funde bewertet.
Zu Beginn der Arbeitsphase sollten unabhängig von der Sozialformentscheidung im Plenum die grundlegenden Forschungsfragen der Paläontologen nach dem letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Menschenaffe und der Entwicklung des aufrechten Gangs thematisiert werden.
In einigen Aufgaben gibt es Hinweise auf einen Hilfetisch, der den Schülerinnen und Schülern während des Unterrichts zur Verfügung steht. Dieser enthält sowohl Hilfekarten, als auch Lexika, Duden oder weiterführendes Material. Die Hilfekarten bieten als Differenzierungshilfe allen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, die Erkenntnis selbsttätig zu erarbeiten.

In einem Wortspeicher werden weiterhin die in dieser Unterrichtsreihe notwendigen Fachbegriffe erläutert. Der Wortspeicher berücksichtigt die Regeln der Leichten Sprache, so dass er von allen Schülerinnen und Schülern gleichermaßen genutzt werden kann.

Ausgangsaufgabe A: Merkmale von Schädelknochen vergleichen

In dieser Einheit kannst du lernen, wie Paläontologen vorgehen, wenn sie einen Schädel- oder Schädelteilfund anhand seiner äußeren Merkmale in den Stammbaum des Menschen einordnen.

Hierbei gehst du von folgenden Annahmen aus:

  • Alle Hominiden lassen sich auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückführen.
  • Es existierte ein gemeinsamer Vorfahr von Menschen und Menschenaffen, dessen Schädel affenähnliche Merkmale besaß.

Die Abbildung besteht aus drei Elementen, die nebeneinander angeordnet sind. Ganz links ist eine Karte von Israel abgebildet. In der Mitte ist ein Foto von einem versteinerten Skelett und ganz rechts befindet sich eine Grafik, die sich auf das Foto bezieht. Abgebildet ist die Lage der Knochen des Skeletts, oberhalb steht der Text „Merkmales des Schädels“, unterhalb steht „Merkmale des Skeletts“.

Aufgaben:


M1: Du informierst dich über den Bau des modernen menschlichen Schädels. -> Austausch der Ergebnisse in der Gruppe
M2: Du vergleichst die Schädel von Jetztmensch, Neandertaler und Schimpanse. -> Austausch der Ergebnisse in der Gruppe
M3: Ihr ordnet unbekannte fossile Schädel aufgrund ihrer Merkmale in den Stammbaum ein.


Ihr bereitet euch darauf vor, der anderen Gruppe Eure Erkenntnisse zu präsentieren.

Differenzierte Aufgabe A: Ich vergleiche Schädel

In dieser Einheit kannst du lernen, wie Pa lä on to lo gen vorgehen.
Pa lä on to lo gen forschen über Lebewesen in der Vergangenheit.
Sie untersuchen Fossilien.
Sie vergleichen fossile Schädel mit den Schädeln von Menschen und Menschen-Affen.
Sie untersuchen Merkmale der Schädel.

Die Paläontologen sagen:

  • Menschen und Menschen-Affen haben einen gemeinsamen Vorfahren.
  • Der Schädel vom gemeinsamen Vorfahren hatte Merkmale von einem Affen-Schädel.
  • Die Schädel von direkten Vorfahren von Menschen hatten Merkmale von einem Menschen-Schädel.

Die Paläontologen fragen:
Ist der gefundene fossile Schädel von einem nahen Verwandten von Menschen?

Die Abbildung ist eine Grafik und zeigt zwei Figuren – ein Mädchen mit schulterlangen, schwarzen Haaren und einen Jungen. Sie sind in braune Mäntel gekleidet und haben eine braune Mütze auf den Köpfen, vor ihr rechtes Auge halten sie sich eine große Lupe.

Erforsche:
M1: Aus welchen Teilen besteht der menschliche Schädel?

M2: In welchen Merkmalen unterscheiden sich die Schädel von Jetzt-Mensch, Neandertaler und Schimpanse?

M3: Welchem Vorfahren von Menschen gehört der fossile Schädel?

Impulse zur Binnendifferenzierung / zum zieldifferenten Lernen

Bei den binnendifferenzierten Arbeitsaufträgen wird der enaktiven Ebene (handelnde Auseinandersetzung mit dem konkreten Lerngegenstand) ein hoher Stellenwert eingeräumt (zunächst Beobachten und Vergleichen von Merkmalen am eigenen Körper bzw. Jetztmenschen und dann Übertragen auf Körpermerkmale des Neandertalers / des Schimpansen).

Im Sinne des Universal Design for Learning wurde weiteres Material nach qualitativen und quantitativen Gesichtspunkten erstellt:

  • Hinsichtlich der Erschwernisse beim sinnentnehmenden Lesen werden im Sinne einer qualitativen Differenzierung für die fachlichen Texte die Richtlinien der Leichten Sprache angewandt.
  • Für Nichtleser ist alternativ dazu das Material in Leichter Sprache für den Einsatz eines digitalen Vorlesestifts aufbereitet.
  • Arbeitsanweisungen werden durchgängig mit eindeutigen Symbolen (Icons aus der Unterstützten Kommunikation) visualisiert, was die Sinnentnahme im Hinblick auf den Arbeitsauftrag erleichtert.
  • Die Operatoren (überlege, markiere, verbinde…) der Arbeitsaufträge (Was soll ich tun) sind als optische Hilfe unterstrichen, um Hilfe beim sinnentnehmenden Lesen anzubieten.
  • Lösungskarten dienen als Differenzierungshilfe und geben die Möglichkeit der selbsttätigen Überprüfung der neu gewonnenen Erkenntnisse.
  • Unter quantitativen Gesichtspunkten werden die zu beobachtenden und vergleichenden Merkmale fokussiert und auf eindeutige Merkmale reduziert.
  • Es werden konkrete Vergleichsmerkmale angeboten (z.B. kürzer-länger).

Ausgangsaufgabe B: Angepasstheit des Skeletts an den aufrechten Gang

In dieser Einheit kannst Du lernen, wie Paläontologen vorgehen, wenn sie ausgehend von fossilen Skelettknochen Rückschlüsse auf das Merkmal „aufrechter Gang“ ziehen. Hierbei gehst du von folgenden Annahmen aus:

  • Alle "echten Menschen" (Gattung Homo) zeichnen sich durch das Merkmal „aufrechter Gang” aus, alle Vertreter der heutigen Menschenaffen besitzen dieses Merkmal nicht.
  • Mensch und Menschenaffen besitzen einen gemeinsamen Vorfahren. Es ist unklar, ob dieser eher die Voraussetzungen für den aufrechten Gang oder für den vierfüßigen Gang von Menschenaffen hatte.

Arbeitsplan:

B.M1: Du überlegst, welche Bestandteile des menschlichen Skeletts für den aufrechten Gang von wesentlicher Bedeutung sind. -> Austausch der Ergebnisse in der Gruppe

B.M2: Du vergleichst das Skelett des Menschen mit dem Skelett eines Schimpansen und erklärst, warum Schimpansen nicht dauerhaft aufrecht gehen können. -> Austausch der Ergebnisse in der Gruppe

B.M3: Ihr löst das Rätsel der Fußspuren von Laetoli.

Ihr bereitet euch darauf vor, der anderen Gruppe Eure Erkenntnisse zu präsentieren.

Differenzierte Aufgabe B: Der aufrechte Gang

In dieser Einheit kannst du lernen, wie Pa lä on to lo gen vorgehen.
Pa lä on to lo gen forschen über Lebewesen in der Vergangenheit.
Sie untersuchen Fossilien.
Sie vergleichen fossile Knochen mit den Knochen von Menschen und Menschen-Affen.
Sie untersuchen das Merkmal aufrechter Gang.

Die Paläontologen sagen:

  • Alle Menschen gehen aufrecht.
  • Sie gehen auf 2 Beinen.
  • Alle Menschen-Affen gehen auf 4 Beinen.
  • Menschen und Menschen-Affen besitzen einen gemeinsamen Vorfahren.

Die Paläontologen fragen:

Ging der gemeinsame Vorfahre auf 2 Beinen oder auf 4 Beinen?

Die Abbildung ist eine Grafik und zeigt zwei Figuren – ein Mädchen mit schulterlangen, schwarzen Haaren und einen Jungen. Sie sind in braune Mäntel gekleidet und haben eine braune Mütze auf den Köpfen, vor ihr rechtes Auge halten sie sich eine große Lupe

Erforsche:

B.M1: Welche Teile vom Skelett sind wichtig für den aufrechten Gang?

B.M2: Warum können Schimpansen nicht immer aufrecht gehen?

B.M3: Sind die Fuß-Spuren von Laetoli von einem Menschen oder einem Menschen-Affen?

Durch die Bearbeitung dieses Aufgabenspektrums in unterschiedlicher Komplexität und Anschaulichkeit sollen alle Schülerinnen und Schüler am Ende des Unterrichtsvorhabens die Frage: „Stammt der Mensch vom Affen ab?“ differenziert beantworten können.

Literatur/Quelle

  • Kattmann, U.: Schüler besser verstehen. Alltagsvorstellungen im Biologieunterricht. 1. Auflage 2015. Aulis-Verlag, S. 30 -34, S. 131-140
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© 2019 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 27.06.2019