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Lerngespräche führen und Feedback zu Ergebnissen und Lernproblemen geben

LerngesprächEin Lerngespräch mit den Schülerinnen und Schülern dient vor allem dazu, die Selbstreflexion der Kinder über ihre Lernprozesse anzuregen. Die Gespräche finden zu einem passenden Zeitpunkt mit einzelnen Schülerinnen und Schülern nach der eigenständigen Arbeitsphase statt. In einem geschützten, ungestörten Rahmen können Probleme und Lernschwierigkeiten angesprochen und Arbeitsergebnisse gewürdigt werden. Manche Schüler benötigen vielleicht, wie oben bereits angedeutet, zusätzliche Anschauungsmittel, Hilfen oder strategische Hinweise zur Überwindung von Lernhindernissen. All dieses kann mit dem Kind in angenehmer Atmosphäre gemeinsam beraten und für eine nächste Lernsituation gestaltet werden.

Zudem eröffnen Lerngespräche einen wertvollen Raum, den Kindern ein sinnvolles Feedback zu ihren Ergebnissen zu geben. Jede Lehrerin und jeder Lehrer weiß, dass eine positive Rückmeldung zur schülereigenen Bearbeitung das Ergebnis der Lernleistung wesentlich beeinflussen kann.

Anleitung für Lern-Fördergespräche

Übersicht über die Aspekte, die auf dieser Seite angesprochen werden

Wozu Lern-Fördergespräche? 

Lern-Fördergespräche zur individuellen Förderung und Forderung unterstützen die Fähigkeit der Kinder über ihr eigenes Lernen nachzudenken. Lern-Fördergespräche sollten regelmäßig durchgeführt werden. An ihnen erkennt das Kind seine eigenen Lernfortschritte und kann für weitere Lernfortschritte beraten werden. Durch die zunehmende Eigenverantwortung der Kinder für ihr eigenes Lernen ist der Lerneffekt bei dem Lerngespräch hoch einzuschätzen.

Lern-Fördergespräche werden als 

  • „geplante Lerngespräche“ im Anschluss an eine Lernaufgabe oder ein Lernarrangement und als 
  • „Ad-hoc- Gespräche“ im Sinne der Lernbegleitung während des Unterrichts durchgeführt.

Als fester Bestandteil einer ritualisierten Feedbackkultur bieten sich darüber hinaus Erfolgsgespräche (Lydia Wagner 2011) an, die im Rahmen einer Kindersprechstunde halbjährlich oder jährlich nach dem Muster der geplanten Lern-Fördergespräche stattfinden.

Individuelle Lern-Fördergespräche sollten möglichst ohne Störung verlaufen. Im Klassenraum signalisiert ein Schild „Lerngespräch“ den anderen Kindern, dass die Lehrerin ein Kind individuell berät.

Geplante Lern-Fördergespräche werden am besten  in einem dem Klassenraum angegliederten Gruppenraum oder einer dafür ausgewiesenen Ecke des Klassenraumes stattfinden. 

Gesprächshaltung und Steuerungselemente der Lehrkraft in Lerngesprächen

Die Haltung gegenseitiger Akzeptanz zwischen der Lehrkraft und den Kindern in Lern-Fördergesprächen ist eine notwendige Voraussetzung für ein optimales Gelingen. Die Lehrkraft hat selbstverständlich die Verantwortung, das Lern-Fördergespräch zielgerichtet zu steuern. Dennoch sollte ihre Zielperspektive die zunehmende Mitverantwortung der Kinder an dem Gespräch sein. 

Hierzu kann sie in einer Eigenreflexion zunächst ihr Gesprächsverhalten hinterfragen:

  • Rede ich nicht zuviel?
  • Lasse ich dem Kind die Möglichkeit, sich selbst zu seinen Fähigkeiten zu äußern?
  • Habe ich das Kind aufgefordert, seinen Lernweg zu beschreiben und evtl.   zu begründen?
  • Habe ich zusammengefasst, was das Kind an eigenen Gedanken geäußert hat?
  • Kann ich dem Kind eigene Anteile seiner Fähigkeit spiegeln?- Habe ich dem Kind Angebote gemacht, wie es weiter lernen kann?
  • Weiß das Kind am Ende des Gesprächs, was es als nächstes tun und lernen kann?

Mit der Beantwortung solcher Fragen kann sich die Lehrkraft ihrer Gesprächshaltung bewusst werden. Sie kann sich eigene Ziele setzen, um die Lerngespräche zu optimieren. Die folgenden Steuerungselemente können ihr dabei hilfreich sein (vgl. Ulrike Potthoff u. a. 2008):

  • das Gesprächsziel formulieren
  • für das Gespräch motivieren
  • selber gleichberechtigt am Gespräch teilnehmen
  • verstärken und ermutigen
  • zuhören
  • Pausen aushalten
  • ausreden lassen
  • verstehend wiederholen
  • durch Impulse das Gespräch vorantreiben
  • zum Fragenstellen auffordern
  • zum divergierenden Denken anregen
  • inhaltliche Klarstellungen geben das Gesprächsergebnis zusammenfassen
  • die neue Lernaufgabe formulieren (lassen).

Die Lehrkraft hat z.B. das Ziel, die Kinder mehr zum Fragenstellen aufzufordern. Sie überlegt sich Methoden und Impulse, die diesem Ziel gerecht werden.

Förderliche Lernimpulse, die Kinder verantwortlich zum Handeln anregen

Während eines Lern-Fördergesprächs ist es wichtig, die Kinder zum Mitdenken und zur Eigenständigkeit anzuregen. Sie brauchen das Gefühl mitreden und sich in das Lerngespräch einbringen zu können. Sie müssen ihr Nachdenken in Worte fassen, ihre Ideen für ihr Lernen formulieren und auch Fragen stellen können. Daher ist es wichtig, die Kinder nicht auszufragen und ihnen Anweisungen zu geben. Sie brauchen Impulse, die es ihnen ermöglichen selber Ideen, Ängste, Fragen und Vorgehensweisen zu formulieren. Die Lehrkraft kann sich solche förderlichen Lernimpulse klar machen, ja sie vielleicht auch einüben. Auf diese Weise können Lern-Fördergespräche mit einer Haltung von Respekt und gegenseitiger Akzeptanz ablaufen. Es können Lernziele und Lernwege, Schwierigkeiten von Aufgaben, Lernstrategien und deren Effizienz und neue Lernvorhaben thematisiert und festgehalten werden.

Beispiele für lernförderliche Impulse: 

  • Verbindungen zu Gelerntem herstellen
    •  „Bei der Aufgabe … konntest du schon gut …“
    •  „Erinnerst du dich, als wir …“
  • Stärken herauskitzeln
    •  „Ich weiß, dass du gut … kannst. Versuche …"
    •  „Ich kann mir gut vorstellen, dass du …“
  • Lernstrategien thematisieren, reflektieren, bewerten, Konsequenzen ziehen

z.B. „Ihr habt den Text in Abschnitte eingeteilt und den Abschnitten Überschriften gegeben. Wie hast du die Überschriften gefunden? Hat dir das geholfen, die Abschnitte genau zu verstehen? Kannst du dir vorstellen, wie du mit diesem Text vorgehen willst?“

  • Verantwortung zuspielen
    • „Denk doch mal an …“
    •  „Du hast dir doch Gedanken gemacht, wie …“
  • Ergebnisse sichern     
    • „Ich habe gesehen, dass du …“
    • „Erzähl doch mal, wie du…“
  • Zusammenfassungen geben
    • „Du hast zuerst …., dann …“
    • „Ich habe verstanden, dass du drei Lernschritte gemacht hast: …“

Anregungen für die Gesprächsvorbereitung

Lern-Fördergespräche können je nachdem ob es sich um Ad-hoc Lerngespräche oder um geplante Lerngespräche handelt, mehr oder weniger intensiv von der Lehrerin vorbereitet sein. Bei geplanten Lern-Fördergesprächen wird das Kind in die Vorbereitung miteinbezogen.

Gesprächsvorbereitung

auf Seiten der Lehrerin/des Lehrers

auf Seiten der Schülerin/des Schülers

Analyse von Lernprozessen und Lernergebnissen im Hinblick auf die Kompetenzerwartungen, z. B. durch:
  • Prüfen der Arbeitsergebnisse des Kindes 
  • Abgleichen mit informellen Beobachtungen zum Lernprozess (Karteikarte, Schülerlisten o. dgl.)
  • Auswerten eines systematischen Beobachtungsbogens 
  • Überprüfen des Arbeitsergebnisses anhand eines Kriterienkatalogs, z. B. zu einer Schreibaufgabe
Nachdenken über Lernwege und Lernergebnisse z. B. durch:
  • Prüfen der Arbeitsergebnisse (allein oder in Partnerarbeit) anhand vorgegebener Kriterien oder Tipps
  • Nachdenken über den derzeitigen Lernstand (z.B. vor der selbstständigen Aufgabenaus-wahl oder anhand des gewonnenen Lernzuwachses im Anschluss an eine Lerneinheit oder anhand eines Selbsteinschätzungsbogens „Ich–kann-Liste“) 
  • Überprüfen des Arbeitsergebnisses mit Hilfe eines Kriterienkatalogs (Link zum Bogen /Katalog)
  • Nachlesen eines Eintrags im Lerntagebuch

Geplante Lern-Fördergespräche sollten in ritualisierter Form immer nach dem gleichen Ablaufplan durchgeführt werden. Der sorgt im Sinne eines roten Fadens dafür, dass für das Kind und die Lehrkraft Transparenz und Struktur gegeben ist. Er wird ggf. mit Satzanfängen auf Kärtchen als Sprechanregung visualisiert.

Ablaufplan für ein Lern-Fördergespräch

1. Phase: Gesprächseröffnung durch die Lehrkraft

  • Kontakt herstellen, Begrüßung
  • Zieltransparenz

2. Phase: Emotionaler/Spontaner Rückblick durch das Kind

  • Erstes Verbalisieren von Eindrücken zum Lernweg/zur Lernaufgabe/ zum Lernarrangement:
    • „Mir hat gefallen, dass ...“
    • „Ich fand nicht gut, dass ...“

3. Phase: Gemeinsamer kompetenzorientierter Rückblick auf Stolperstellen im Lernprozess

  • Stolperstellen bewusst machen und darüber sprechen:
    • „Das fand ich zu schwer: ...“
    • „Hier brauche ich noch Hilfe: ...“
    • „Das habe ich nicht verstanden: ...“
    • ...
  • Paraphrasierendes und zusammenfassendes Feedback durch die Lehrkraft unter Berücksichtigung der eigenen Beobachtungen, z.B.:
    • „Ich habe verstanden, dass du xxx noch lernen möchtest.“
    • „Ist es richtig, dass du Hilfe bei xxx haben möchtest?“
    • „Ich merke, dass du ...“
    • „Ich nehme wahr, dass du ...“
    •  ...

4. Phase: Gemeinsamer kompetenzorientierter Rückblick auf den Lernzuwachs

  • Lernfortschritte bewusst machen, über den Kompetenzzuwachs sprechen:
    • „Ich habe gelernt, ...“
    • „Ich kann jetzt ...“„Jetzt weiß ich ...“
    •  ...
  • Stärkenorientiertes Feedback der Lehrkraft unter Verwendung fachlich-kompetenzorientierter Beschreibungen des Lernzuwachses, z.B.:
    • „Ich habe beobachtet, dass du ...“
    • „Dir ist es gelungen ...“
    • „Du kannst jetzt schon ...“- ...

5. Phase: Beratungs- und Unterstützungsangebote zum Weiterlernen

  • Aufzeigen von Perspektiven anhand von weiterführenden Lern- und Übungsaufgaben, z.B.:
    • „Mit diesen Aufgaben kann du xxx neu dazu lernen.“
    • „Da findest du Hilfen: ...“
    • „Dieses Material hilft dir dabei, xxx zu üben: ...“- ...

6. Phase: Vereinbarungen treffen, Ausblick

  • Absprachen über Umfang und Zeiträume im Lernprozess treffen (ggf. Notiz im Lerntagebuch, im Beobachtungsbogen der Lehrkraft):
    • „Wir treffen und wieder am ...“
    • „Bitte bearbeite bis zum xxx diese Aufgaben: ...“- ...

7. Phase: Rückblick auf das Lern-Fördergespräch durch das Kind

  • Verbalisieren von Eindrücken und Gefühlen zum Lerngespräch:
    • „Ich fand das Gespräch xxx, weil ...“
    • „Mir geht es jetzt xxx, weil ...“
    •  ...

Beispiele für Lern-Fördergespräche

Beispiel 1: Geplantes Lerngespräch im Anschluss an das Lernarrangement„Werben für eine Klassenfahrt“: 

„Das Lernarrangement „Erstellen eines Informationsplakates für eine Klassenfahrt nach Norderney“ wurde mit der Methode des kooperativen Lernens durchgeführt. Dabei hat sich jedes Kind zunächst besonderes Expertenwissen für einen Teilaspekt der Plakatgestaltung erarbeitet. Für die Lösung der Gesamtaufgabe war es in einem weiteren Schritt nötig, das erworbene Wissen und Können an die anderen Schülerinnen und Schüler zu vermitteln. Bei diesem dialogischen Zusammentragen der Teilergebnisse sollten die in den Expertengruppengruppen erworbenen Kompetenzen angewendet, vertieft und geübt werden.

Um jedem Kind sein Expertenwissen und das Ausmaß des darüber hinausgehenden fachlichen und überfachlichen Lernzuwachses bewusst zu machen, werden im Selbsteinschätzungsbogen  und im Lerngespräch alle für die Lösung der Gesamtaufgabe nötigen sprachlichen Teilaspekte sowie die personale Kompetenz der Teamfähigkeit berücksichtigt. Das Lerngespräch kann – entsprechend konkretisiert – im Sinne des oben beschriebenen Ablaufplans durchgeführt werden. 

Nach Abschluss dieses Lernarrangements haben die Schülerinnen und Schüler die Erfahrung gemacht, wie das eigene Lernen bewusst und zielgerecht gestaltet werden kann und dass der gewonnene Lernzuwachs auf kooperatives Lernen angewiesen ist.

Beispiel 2: Geplantes Lerngespräch im Anschluss an die Lernaufgabe „Ein Suchplakat schreiben“

Bei der Lernaufgabe „Ein Suchplakat schreiben“ gestalteten die Kinder in Partnerarbeit anhand verschiedener Planungshilfen (Cluster, Tipps zur Plakatgestaltung, …) sowie konkreten Schreibkriterien ein adressatenbezogenes Plakat. 

In einem weiteren Schritt wurde das erstellte Suchplakat im Hinblick auf die „Lesbarkeit“ durch die Mitschüler/innen „kritisch“ überprüft und bei Bedarf überarbeitet. Grundlage für die Überarbeitung waren dabei o. g. Planungshilfen und Schreibkriterien.

Als Grundlage für das Lerngespräch wurden das Plakat der Kinder, die Planungshilfen sowie die Schreibkriterien genutzt, deren Berücksichtigung bei der Umsetzung der Schreibaufgabe geprüft wurden.

Im folgenden Beispiel wird deutlich, dass auf dem Plakat zwar die meisten Informationen vorhanden waren, aber die Gestaltung für den Leser zum Teil noch zu unübersichtlich war, sodass eine entsprechende Überarbeitung bzw. Neugestaltung folgen musste.

Das Lerngespräch wurde entsprechend des oben beschriebenen Ablaufplans durchgeführt:

1. Phase: Gesprächseröffnung durch die Lehrerin

  • Kontakt herstellen / Begrüßung
  • Zieltransparenz: Im Gesprächskreis haben die Kinder euch gesagt, dass euer Plakat für den Leser noch zu unübersichtlich ist. Wir überlegen jetzt gemeinsam, wie das verbessert werden kann. 

2. Phase: Emotionaler/Spontaner Rückblick durch das Kind/die Kinder

  • Erstes Verbalisieren von Eindrücken zum Lernweg / zur Lernaufgabe / zum Lernarrangement,
    • Das Bild vom Hund hat uns gut gefallen, er sieht genauso aus wie der Hund von X.
    • Wir wussten nicht mehr, wie der Wald heißt, aber wir gehen auf dem Weg zur Schule immer daher.

3. Phase: gemeinsamer kompetenzorientierter Rückblick auf Stolperstellen im Lernprozess

  • Stolperstellen bewusst machen und darüber sprechen
    • Uns ist auch aufgefallen, dass das Plakat von XX übersichtlicher war. Wir haben aber gedacht, wir haben das richtig gemacht.
    • Wo sollen wir denn jetzt hinschreiben, wie der Hund heißt?
    • Können wir einfach eine Telefonnummer dahin schreiben? 

Paraphrasierendes und zusammenfassendes Feed-back durch die Lehrerin unter Berücksichtigung der eigenen Beobachtungen:

  • Ist es richtig, dass ihr meine Hilfe bei der Plakatgestaltung haben möchtet?
  • Dann besprechen wir jetzt noch einmal gemeinsam das Tippblatt. 
  • Vergleicht die Anordnung der Informationen auf eurem Plakat und auf dem Tippblatt. 
  • Beschreibt die Unterschiede.
  • Ordnet eure Informationen so an wie auf dem Tippblatt.

Plakate

  • Beachtet auch die übrigen Schreibkriterien.
    • Der Wald heißt X-Wald.
    • Ergänzt den Stadtnamen und die Telefonnummer. Nehmt doch die Telefonnummer von der Schule.
    • Sucht im Wörterbuch nach den unterstrichenen Wörtern und schreibt sie richtig auf

4. Phase: gemeinsamer kompetenzorientierter Rückblick auf den Lernzuwachs

 

Kinder bei der ÜberarbeitungLernfortschritte bewusst machen / über den Könnenszuwachs sprechen, ggf. mit Satzanfängen auf Kärtchen als Sprechanregung

  • Jetzt wissen wir, wie wir das Plakat übersichtlicher gestalten können.Wir haben das fast genauso angeordnet wir auf dem Tippblatt, aber das Foto haben wir nach oben geklebt. Da kann man es sofort sehen.
  • Die Wörter haben wir im Wörterbuch gefunden und richtig aufgeschrieben.
  • Stärkenorientiertes Feedback der Lehrerin unter Verwendung fachlich und überfachlich kompetenzorientierter Beschreibungen des Lernzuwachses  
  • Ich habe beobachtet, dass ihr ganz prima zusammengearbeitet habt. 
  • Ihr habt auch sehr konzentriert gearbeitet und die Tipps jetzt gut beachtet. Das Plakat ist gut gelungen und sehr übersichtlich geworden.
  • Mit dem Wörterbuch geht ihr schon sicher um. Die Wörter sind jetzt richtig geschrieben.

fertiges Plakat5. Phase: Beratung und Unterstützungsangebote zum Weiterlernen

  • Aufzeigen von Perspektiven anhand von weiterführenden Lern- und Übungsaufgaben,ggf. mit Satzanfängen auf Kärtchen als Sprechanregung
    • So könnt ihr üben, ein Suchplakat zu gestalten:
      • Beschreibt ein anderes Tier, das weggelaufen ist.
      • Bearbeitet eine ähnliche, aber etwas schwierigere Aufgabe: Beschreibt einen Gegenstand (ein Spielzeug, die Schultasche, das Kuscheltier), den ihr verloren habt.
      • Nutzt dazu das Tippblatt und die Schreibkriterien.
      • Zu einzelnen Kriterien findet ihr auch Tippkarten. Lest euch diese genau durch.
      • Fragt nach, – bei euren Mitschüler/innen oder mir – wenn ihr weitere Fragen habt.

6. Phase: Vereinbarung / Ausblick

  • Absprachen über Umfang und Zeiträume im Lernprozess (ggf. Notiz im Lerntagebuch, im Beobachtungsbogen der Lehrerin/des Lehrers):
    • In der Schreibwerkstatt nächste Woche besprechen wir, ob ihr die Schreibkriterien und Tipps umgesetzt habt. Bringt euer Plakat dann bitte mit in die Gesprächsecke. 

7. Phase: Rückblick zum Lerngespräch durch das Kind

  • Verbalisieren von Eindrücken und Gefühlen zum Lerngespräch, ggf. mit Satzanfängen auf Kärtchen als Sprechanregung
    • Wir freuen uns, weil unser Suchplakat jetzt gut geworden ist. 
    • Wenn mal ein Tier wegläuft, wissen wir jetzt, wie wir das Plakat gestalten sollen und was wir dabei beachten müssen.

Anhand der Lernaufgabe und dem daraus resultierenden Lerngespräch haben die Schülerinnen und Schüler sich in ihren Kompetenzen gegenseitig bereichert, dabei Planungshilfen bewusst genutzt, Schreibkriterien gezielt umgesetzt und so ein gelungenes, adressatenbezogenes Suchplakat erstellt.

Beispiel 3:

Ad hoc-Lerngespräche am Beispiel des Lernarrangements „Paul Maar und das Sams“

In diesem Lernarrangements zeigen sich verschiedene Möglichkeiten und Notwendigkeiten für die Lehrkraft die Kinder an bestimmten Lernstellen vor, in und nach ihrem Lern- und Arbeitsprozess zu beraten.Für die Beratung vor der Lernaufgabe schätzt die Lehrkraft zunächst die Lesefähigkeit der Kinder anhand der fünf Fähigkeitsniveaubeschreibungen auf einem Beobachtungsbogen ein. Detaillierte Beobachtungen in verschiedenen Leseprozessen der Kinder unterstützen ihre Einschätzung. 

Auf der Schülerseite denken die Kinder der Lerngruppe vor dem Beginn des Lernarrangements „Sams“ über ihre eigenen Leseerfahrungen und den damit verbundenen Lesefähigkeiten nach. Sie lernen einen Selbsteinschätzungsbogen kennen und versuchen die Beschreibungen mit eigenen Lesehandlungen zu verknüpfen. Sie können sich die Zeit nehmen, verschiedene Texte zu lesen und anschließend über ihre Leseerfahrungen zu reflektieren. So kommen sie zu Einschätzungen, wie sie lesen. Im Selbsteinschätzungsbogen finden sich zwei bis drei Indikatoren für ein jeweiliges Fähigkeitsniveau. Die Kinder kreuzen die für sie zutreffenden Aussagen an und wählen danach ihre zukünftige Leseaufgabe in dem Lernarrangement aus.

 

    Beobachtungsbogen

    Auswertungsbogen

     

     

    Auswahl der Lernaufgaben aus dem Lernarrangement "Paul Maar und das Sams"

    1

    2

    3

    4

    5

    Einen Klappentext über das Sams lesen und Textteile ordnen.

    Zwei Klappentexte von Büchern über das Sams verstehen und Aufgaben dazu bearbeiten.

    Zwei Klappentexte von Büchern über das Sams miteinander vergleichen. Ein Buch auswählen und Begründungen hierfür sammeln.

    Den Anfang des Buches „Eine Woche voller Samstage“ lesen und Fragen zum Text beantworten.

    Den Anfang des Buches „Eine Woche voller Samstage“ lesen und sich überlegen, wie die Geschichte im zweiten Buch weitergehen könnte.

    Die Lehrkraft stellt beim Vergleichen der Selbsteinschätzungsbögen mit den eigenen Lehrerbeobachtungen Übereinstimmungen oder Diskrepanzen in der Einschätzung der Leseteilfähigkeiten fest. Diese nutzt sie als Beratungsanlass. Sie führt mit einzelnen Kindern ein Lerngespräch, um das Bewusstsein des Kindes für seine eigene Lesefähigkeit zu schärfen.

    Ein Beispiel hierfür ist im Film zu sehen, wenn die Kollegin zwei Jungen (Björn und Fabian) berät, die ihre eigene Lesefähigkeit für die zu bearbeitenden Leseaufgaben zu hoch eingeschätzt haben. Im Laufe des Lerngesprächs mit ihnen wurde klar, dass ihre nicht zutreffende Einschätzung daher rührte, dass sie ihre eigene Lesefähigkeit noch nicht genau beschreiben konnten. D.h. dass sie die Aussagen auf dem Selbsteinschätzungsbogen nicht mit ihren Lesehandlungen verbinden konnten. Daher empfahl die Lehrkraft ihnen die erste Lernaufgabe (entsprechend des Fähigkeitsniveaus 1). Sie argumentierte für die Kinder im Rahmen des Lernarrangements, dass diese Aufgabe in Hinsicht auf die Präsentation ihren wichtigen Platz bekam. Sie gab also den Kindern einen Lernimpuls, der sich inhaltlich auf das Lernarrangement bezog. So hatten die Kinder während der Bearbeitung der Leseaufgabe die Möglichkeit, die Beschreibungen der Leseteilfähigkeiten an sich selbst im Prozess zu beobachten und somit auch ihre Selbsteinschätzung zu trainieren. Anschließend konnte ein weiteres Lerngespräch geführt werden, um mit den Kindern nach der Erarbeitung der Leseaufgabe ihre Leseleistung in den Blick zu nehmen.

    In einem anderen Fall hatten sich Kinder in ihren Leseteilfähigkeiten zu gering eingeschätzt. Die Lehrkraft arbeitete dann mit den Kindern anhand von gemachten Leseerfahrungen ihre Lesemöglichkeiten heraus und betrachtete mit ihnen die zu bearbeitenden Aufgaben. Sie bat die Kinder „Ich kann“-Formulierungen zu nutzen, um festzustellen, was sie von der Aufgabe auf jeden Fall bewältigen können. In diesem Lerngespräch ging es darum, den Kindern durch lernförderliche Impulse mehr Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu geben, sie zu verstärken und zu ermutigen.

    Eine andere Stelle der Lernbegleitung ergibt sich während der Arbeitsprozesse, bei der die Lehrkraft mit einzelnen Schülerinnen und Schülern Lerngespräche führen kann. Dies gelingt, indem sie hilft, individuelle Verständnisschwierigkeiten beim Lesen zu überwinden, zusätzliche Lesestrategien anbietet oder Tipps für die Präsentation gibt.
    Des Weiteren beobachtet sie die Leseleistungen der Schülerinnen und Schüler, gibt ihnen eine Rückmeldung und berät sie in Bezug auf weitere Vorgehensweisen. Gleichgültig ob Lerngespräche von Kindern mitgeplant sind oder als Ad-hoc-Gespräche geführt werden: Wenn sie in einer angstfreien Atmosphäre ablaufen und dabei herausfordernd und zugleich unterstützend sind, können Kinder Zuversicht und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln und dadurch Anstrengungsbereitschaft für weiteres Lernen aufbauen.

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    © 2019 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 06.12.2018