Logo Qualitäts- und UnterstützungsAgentur

Startseite Bildungsportal NRW

Orientierungsbereich (Sprungmarken)

Aufbau, Struktur und Auswertungsstrategie des Beteiligungsverfahrens zum Referenzrahmen Schulqualität NRW

Struktur des Beteiligungsverfahrens

Der Entwurf des Referenzrahmens Schulqualität NRW wurde in einem breiten Beteiligungsverfahren der Öffentlichkeit vorgestellt und allen an Schule Beteiligten und Interessierten zur Kommentierung online bereitgestellt. Damit knüpfte das Schulministerium an die Initiative ‚open-NRW‘ der Landesregierung an, die mit der Zielsetzung, mehr Transparenz und Beteiligung der Öffentlichkeit an politischen Entscheidungen zu ermöglichen, angetreten ist.
Das Beteiligungsverfahren sah zum einen die Möglichkeit der Teilhabe in Form von Bewertungen und schriftlichen Kommentierungen über ein Portal im Internet und zum anderen in Form von teilweise fragengeleiteten schriftlichen Stellungnahmen vor.

Das Online-Portal

Das Portal im Internet eröffnete in unterschiedlicher Gestaltung und Struktur sowohl den an Schule Beteiligten als auch der interessierten Öffentlichkeit die Möglichkeit zur Beteiligung.
Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte und die Schulaufsicht waren eingeladen, ihre Einschätzung sowie konkrete Hinweise zu den verschiedenen Kriterien und aufschließenden Aussagen des Referenzrahmens Schulqualität NRW zu geben. Für diese Form der Rückmeldung wurde ihnen jeweils ein gruppenspezifischer Zugang bereitgestellt.
Die Beteiligten hatten zum einen die Möglichkeit, alle aufschließenden Aussagen des Referenzrahmens zwischen „nicht wichtig“ bis „wichtig“ einzuschätzen. Zum anderen hatten sie die Gelegenheit, zu jedem Kriterium eine Anmerkung zu verfassen. Dabei konnten sie frei auswählen, zu welchen Kriterien des Referenzrahmens sie Hinweise geben wollten, so dass von einer einzelnen Teilnehmerin bzw. einem einzelnen Teilnehmer zwischen einer und 57 Anmerkungen vorliegen können. Insgesamt konnten nach diesem Verfahren von jeder teilnehmenden Person insgesamt 362 aufschließende Aussagen eingeschätzt und zu 57 Kriterien individuelle Anmerkungen gemacht werden. Zum Abschluss der Beteiligung bestand noch die Option, einen ‚abschließenden Kommentar‘ abzugeben.
Die Verbände und Landtagsfraktionen, die Mitglieder der Bildungskonferenz sind, sowie alle kooperierenden Organisationen des Ministeriums für Schule und Weiterbildung sind per E-Mail eingeladen worden, eine schriftliche Stellungnahme an das Ministerium abzugeben.
Die interessierte Öffentlichkeit erhielt die Möglichkeit, zu insgesamt drei komplexen Leitfragen, die den Referenzrahmen und das Unterstützungsportal betreffen, ihre Einschätzungen, Erfahrungen und Sichtweisen mitzuteilen.

Struktur der Daten

Im Folgenden wird exemplarisch an einem Kriterium gezeigt, wie die Daten für den Überarbeitungsprozess aufgearbeitet und nutzbar gemacht werden. Das Kriterium — im Weiteren Schülerfeedback genannt — lautet: „Die Wahrnehmungen und Einschätzungen der Schülerinnen und Schüler zur Gestaltung der Lehr- und Lernprozesse sowie zu Zielen und Inhalten werden ernst genommen und berücksichtigt.“
Bei den Rückmeldungen lassen sich zwei Datentypen unterscheiden, deren Auswertungen unterschiedliche Analyseprozesse erfordern:

  1. Durch die Bewertung der aufschließenden Aussagen liegen zum einen quantitative Daten vor, mit denen für jede Aussage beschrieben werden kann, für wie wichtig die jeweilige aufschließende Aussage eingeschätzt wird. Dies ermöglicht eine erste Einschätzung für die Überarbeitung der Kriterien und aufschließenden Aussagen. Ein Vergleich zwischen den rückmeldenden Gruppen gibt – auch wenn die Rückmeldungen nicht repräsentativ für eine Gruppe sind – schon erste Hinweise, wo spezifische Interessen und Wahrnehmungen liegen können, was für die späteren Planungen von Unterstützungsmöglichkeiten hilfreich sein kann.
  2. Zum anderen liegen qualitative Daten in Form von Anmerkungen zu den Kriterien und aufschließenden Aussagen vor, die hilfreiche Impulse für die Weiterentwicklung des Referenzrahmens geben.
    Mittels eines systematischen Analyseverfahrens werden in einem ersten Schritt diese Aussagen gesichtet und ihrem Inhalt entsprechend in Kategorien sortiert. Diese Kategorien reichen von Hinweisen zur Unterstützung von Schulen über Impulse für die Einführung des Referenzrahmens und konkrete Rückmeldungen zur Gestaltung des Online-Beteiligungsverfahrens bis hin zu Aussagen mit direktem Bezug zum Kriterium oder der jeweiligen aufschließenden Aussage selbst. Kommentare, die einen direkten inhaltlichen Bezug aufweisen, werden der Kategorie ‚konkrete Hinweise‘ zugeordnet und für den Überarbeitungsprozess des Referenzrahmens ausgewertet. Sie werden ebenfalls nach thematischen Schwerpunkten geordnet und kategorisiert. Jede so entstandene Unterkategorie wird in einem weiteren Prozess analysiert und zu Kernaussagen gebündelt. Diese bilden nun die Basis für den konkreten Überarbeitungsprozess.
    Der systematische Analyse- und Überarbeitungsprozess kann unter „Methodisches Vorgehen" an einem konkreten Beispiel nachvollzogen werden.

 

Abbildung 1 veranschaulicht exemplarisch die Gestaltung des Online-Beteiligungsverfahrens an einem Beispiel.

Grafik

Abbildung 1: Ausschnitt aus dem Online-Verfahren am Beispiel Schülerfeedback

Abschließende Kommentierungen

Neben der Möglichkeit der Kommentierung der einzelnen Kriterien konnten die Teilnehmenden abschließend noch eine allgemeine Stellungnahme abgeben. Im Auswertungsprozess wurde deutlich, dass sich die Äußerungen u. a. auf die Struktur des Beteiligungsverfahrens, die Komplexität des Referenzrahmens, die Rahmenbedingungen sowie im Bereich „Lehren und Lernen“ insbesondere auf die Heterogenität und damit die individuelle Förderung beziehen.

Offene Stellungnahmen der Verbände und kooperierenden Stiftungen

Die schulnahen und gesellschaftlichen Verbände sowie kooperierenden Organisationen waren eingeladen, in Form von offenen Stellungnahmen, wie sie in anderen Beteiligungs- und Mitwirkungsverfahren z. B. nach Schulgesetz üblich sind, kritische Hinweise und Impulse für die Überarbeitung und Weiterentwicklung des Referenzrahmens zu geben. Die Analyse dieser qualitativen Daten zeigt in den meisten Stellungnahmen im Grundsatz Zustimmung, indem der Referenzrahmen als wichtig und sinnvoll erachtet wird. Gleichwohl beinhalten sie auch Hinweise zu übergeordneten kritischen Punkten, die sich z. B. auf einen als unterschiedlich wahrgenommenen Konkretisierungsgrad der Aussagen in den einzelnen Inhaltsbereichen beziehen. Des Weiteren werden das Beteiligungsverfahren thematisiert und auch Hinweise zu alternativen Durchführungsformen gegeben.

Fragengeleitete Stellungnahmen der Öffentlichkeit

Die zur Stellungnahme eingeladene interessierte Öffentlichkeit (Bürgerinnen und Bürger, Schulträger, Verbände, Vereine, Organisationen, Initiativen und der Bereich Wirtschaft, Betriebe, Unternehmen) konnte zu drei komplexen Fragen Stellung nehmen. Die drei Fragenkomplexe lauteten:

  1. Der Referenzrahmen Schulqualität NRW zeigt in Form von Kriterien und aufschließenden Aussagen auf, was unter guter Schul- und Unterrichtsqualität verstanden wird. Er soll so Zielklarheit herstellen sowie den Schulen und allen an Schule Beteiligten Orientierung geben.
    Unterstützt der Referenzrahmen in der hier vorgelegten Form Ihrer Meinung nach dieses Anliegen? An welchen Stellen ist dies aus Ihrer Sicht nicht gegeben?
  2. Bilden die Qualitätsaussagen im Referenzrahmen Ihrer Meinung nach alle zentralen Aspekte ab, die eine gute Schule ausmachen? An welchen Stellen fehlen Ihnen Aspekte? Sind bestimmte Kriterien oder aufschließende Aussagen verzichtbar?
  3. Es wird zum Referenzrahmen ein Online-Unterstützungsportal aufgebaut, in dem zu den Qualitätsaussagen weitere Informationen und auch Materialien bereitgestellt werden. Gibt es aus Ihrer Perspektive besondere Anliegen und Wünsche zu Materialien und Informationen, die über dieses Portal zugänglich gemacht werden sollten?

Die so gewonnenen qualitativen Daten werden ebenfalls systematisch analysiert und in Anlehnung an den jeweiligen Fragekomplex in ein Kategoriensystem mit Unterkategorien eingeordnet. Die bis zu diesem Zeitpunkt ermittelten inhaltlichen Schwerpunkte reichen von vielfältigen Impulsen für die Gestaltung des Online-Unterstützungsportals über kritische Äußerungen und Anregungen zur Gestaltung des Beteiligungsverfahrens bis hin zu konkreten Wünschen, wie beispielsweise eine adressatenadäquate Formulierung des Referenzrahmens insbesondere für Schülerinnen und Schüler sowie Eltern.

Überarbeitung des Referenzrahmens am Beispiel eines Kriteriums

Am Beispiel des Kriteriums Schülerfeedback wird exemplarisch gezeigt, wie die vorliegenden Daten aus dem Online-Beteiligungsverfahren für die Überarbeitung aufgearbeitet und genutzt werden. 
Die folgende Abbildung 2 zeigt das Kriterium Schülerfeedback mit seinen konkretisierenden aufschließenden Aussagen in der ursprünglichen Version.

Grafik

Abbildung 2: Schülerfeedback in der Entwurfsfassung des Referenzrahmens

Ausgehend von der Entwurfsfassung des Kriteriums Schülerfeedback fließen die Anmerkungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach einem systematischen Analyseverfahren (im Detail unter „Methodisches Vorgehen" beschrieben) in die Überarbeitung des Kriteriums ein. Dieses Verfahren wird analog mit allen Kriterien und aufschließenden Aussagen des Referenzrahmens durchgeführt.

Nachstehend das Ergebnis der Überarbeitung des Kriteriums Schülerfeedback.
Grafik

Abbildung 3: Schülerfeedback in der überarbeiteten Fassung des Referenzrahmens

In diesem konkreten Beispiel führt die Berücksichtigung der Anmerkungen aus dem Beteiligungsverfahren zum Kriterium Schülerfeedback zu einer weiteren aufschließenden Aussage. Zudem geben die Anmerkungen Impulse für die Gestaltung des Unterstützungsportals, z. B. für die Zusammenstellung von konkreten Materialien für den Unterricht, die für die verschiedenen Schul- und Altersstufen geeignet sind und Lehrkräfte in der Umsetzung unterstützen. Darüber hinaus finden sich Hinweise, die auf andere Dimensionen im Referenzrahmen selbst verweisen.
Der Prozess der Analyse, Kategorisierung und Herausarbeitung von Kernaussagen ist unter Methodisches Vorgehen" detailliert am Beispiel des Kriteriums Schülerfeedback dargestellt. Die Darstellung der quantitativen wie auch qualitativen Ergebnisse und der auswertenden Arbeitsschritte folgt dabei, zum besseren Verständnis, der Chronologie des Vorgehens.

Zum Seitenanfang

© 2019 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 15.11.2016