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1. Der Lernbereich Darstellen & Gestalten

Seit 1987 wird das Fachangebot im Wahlpflichtunterricht an einer wachsenden Zahl von Gesamtschulen in NRW durch den Lernbereich Darstellen & Gestalten erweitert. Schulen können in eigener Entscheidung im Wahlpflichtbereich ab Klasse 6 diesen Lernbereich einführen (vgl. §19 Abs. 2 APO-S I).

Der Lernbereich Darstellen & Gestalten vermittelt Wege der Verbindung und Integration verschiedener künstlerisch-ästhetischer Ausdrucksformen. In seinen inhaltlichen und methodischen Schwerpunkten knüpft er dabei vor allem an die Fächer Sport, Deutsch, Kunst und Musik an. Verschiedene Ausdrucksformen der bildenden und darstellenden Kunst sowie der Musik und der Literatur, mit denen sich die Schülerinnen und Schüler in diesen Fächern auseinandersetzen, werden im Lernbereich Darstellen & Gestalten aufgegriffen und zusammengeführt. Dementsprechend umfasst das Fachangebot bild-, musik-, sprach- und körperbezogene Ausdrucksformen, die einerseits in ihrer Gestaltung und Darstellung und andererseits in ihrer Verbindung miteinander zum Gegenstand des Lernens werden. Ziel des Unterrichts ist die Ausbildung von fantasievollen, kreativen und spielerischen Denk- und Handlungsstrukturen bei den Schülerinnen und Schülern.

 

Grundlagen und Ziele des Lernbereichs

Didaktisch-methodische Entscheidungen bei der Planung und Durchführung von Unterrichtsvorhaben im Lernbereich Darstellen & Gestalten basieren auf den Erkenntnissen verschiedener Fachdisziplinen und Fachdidaktiken. Neben einzelnen Bereichen der Kreativitäts- und Kulturforschung gehören hierzu vor allem die Sport-, Sprach-, Kunst- und Musikdidaktik. Darüber hinaus orientieren sich die Leitlinien für die Unterrichtsarbeit im Lernbereich am pädagogisch-didaktischen Ansatz der Ästhetischen Bildung.

Darstellungen und Gestaltungen mit körper-, wort-, bild- und musiksprachlichen Schwerpunkten stellen das Spezifische des Lernbereichs dar. Ausgangspunkt für die Bewältigung der fachlichen Aufgaben bilden daher zunächst die Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Erfahrungen, die die Schülerinnen und Schüler im Unterricht der Fächer Deutsch, Sport, Kunst und Musik bis zum Ende der Jahrgangsstufe 5 erworben haben. Ergänzt werden diese Kompetenzen durch außerunterrichtliche Erfahrungen mit ästhetischen Erscheinungsformen. Der Unterricht im Lernbereich Darstellen & Gestalten baut auf diesen vielfältigen Kompetenzen und Erfahrungen auf und erweitert sie. Dies bedeutet

  • für die körpersprachlichen Ausdrucksformen, dass Aspekte der Bewegungswahrnehmung und -gestaltung mit dem eigenen Körper aus dem Fach Sport aufgegriffen werden.
  • für die wortsprachlichen Ausdrucksformen, dass Aspekte des interpretierenden Sprechens, des kreativen Umgangs mit Sprachelementen und des Umgestaltens von Textvorlagen aus dem Fach Deutsch aufgegriffen werden.
  • für die bildsprachlichen Ausdrucksformen, dass Aspekte der Bildgestaltung, des Bildaufbaus und der Wirkung von Bildern aus dem Fach Kunst aufgegriffen werden.
  • für die musiksprachlichen Ausdrucksformen, dass Aspekte des bewussten Hörens und Erlebens von musikalischen Phänomenen sowie des kreativen Gestaltens mit musikalischen Elementen aus dem Fach Musik aufgegriffen werden.

Der inhaltliche und unterrichtsmethodische Schwerpunkt der Unterrichtsarbeit liegt in der Bewältigung von praktisch-kreativen Darstellungs- und Gestaltungsaufgaben. Dabei sind die folgenden Unterrichtskonzepte für die Unterrichtsarbeit im Lernbereich Darstellen & Gestalten besonders wichtig:

Prozessorientierung erfordert Strategien zur Vermittlung eigener Konzepte, sich Fragen zu stellen, Dinge auszuprobieren und aus gemachten Fehlern Erkenntnisse zu gewinnen. Dabei sollte die kontinuierliche Bündelung und Sicherung der einzelnen Lernschritte im Hinblick auf die im Unterrichtsalltag regelmäßig stattfindenden Präsentationen erfolgen. Schülerinnen und Schüler erfahren durch die Präsentationen, dass sie ihre Arbeitsprodukte ernst nehmen und auf Adressaten beziehen müssen. Als Akteure erhalten sie bestärkende und korrigierende Rückmeldungen; in der Zuschauerrolle bekommen sie die Möglichkeit, selbst Rückmeldungen zu geben.

Teamorientierung erfordert, dass die Schülerinnen und Schüler gemeinsam und dabei effizient Lösungen entwickeln und mit einer Vielfalt von Lösungsansätzen produktiv umgehen.

Produktorientierung erfordert die gezielte Weiterarbeit an Teilergebnissen und Teilprodukten und führt zu einem bewussten Abschluss des Lernprozesses in den Präsentationen. Ausgangspunkt für die Entwicklung eines Produktes bildet die Auswahl an Themen und Gegenständen, die sowohl die Lebens- und Erfahrungswelt als auch den Kenntnis- und Entwicklungsstand der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt.

Die unterrichtsmethodische Grundform des Lernbereichs ist die Projektarbeit auf der Basis von Prozess-, Team- und Produktorientierung. Gegenstand und Ziel eines Projekts im Lernbereich Darstellen & Gestalten ist die Erarbeitung und Präsentation eines künstlerisch-ästhetischen Produkts. Ein solches künstlerisch-ästhetisch angelegtes Projekt bietet vielfältige Möglichkeiten körpersprachliche, wortsprachliche, bildsprachliche und musiksprachliche Ausdrucksformen miteinander zu kombinieren.

Eine in diesem Sinne umgesetzte Projektorientierung eröffnet kreative Prozesse und Freiräume für die Verbindung von fachlichem Wissen mit Spontaneität und eigenen Gestaltungsmöglichkeiten. Hierbei sind Prozesse und Produkte gleichermaßen von Bedeutung. Kreativ-produktive und reflexiv-gestaltende Aktivitäten, die im Hinblick auf konkrete Aufgabenstellungen sinnvoll und zielorientiert eingesetzt werden, stehen im Vordergrund. Gleichzeitig ist das Lernen auf komplexe und vernetzte Strukturen ausgerichtet. Neben den aktuellen Handlungen müssen die Schülerinnen und Schüler das gesamte Vorhaben im Auge behalten und in seinen Zielsetzungen immer wieder überprüfen, wobei sie einzelne Aktionen aufeinander beziehen und Teilergebnisse miteinander verbinden müssen. Dazu ist der Einsatz metakognitiver Lernstrategien, wie planen, analysieren, kritisch prüfen, bewerten, reflektieren oder regulieren, unerlässlich, zumal sowohl die eigene Arbeit wie auch die Produkte der Mitschülerinnen und Mitschüler einer regelmäßigen Reflexion und Überprüfung unterliegen. Die Erarbeitung entsprechender fachlicher Grundlagen für eine kriteriengeleitete Reflexion ist Bestandteil des Unterrichts. In diesen einerseits offen und experimentell, andererseits auch zielorientiert angelegten Handlungsprozessen können die Schülerinnen und Schüler ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten immer wieder in verschiedenen Kontexten anwenden und zum Ausdruck bringen, mit neuem fachlichem Wissen verknüpfen und so in einer Kultur des selbstregulierten Lernens zunehmend ihre fachspezifischen und fachübergreifenden Kompetenzen erweitern. Die ästhetisch-sinnlichen Erfahrungen, die die Schülerinnen und Schüler dabei machen, können darüber hinaus – im Sinne Ästhetischer Bildung – eine weitere Basis sowohl für fachspezifischen als auch für fachübergreifenden Erkenntnisgewinn und Kompetenzaufbau sein.

Die im Unterricht erarbeiteten Ergebnisse sollten in regelmäßigen Abständen der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Mit Öffentlichkeit ist in diesem Zusammenhang vor allem die Schulöffentlichkeit gemeint. Präsentationsorientierung und Öffentlichkeitsorientierung bilden daher weitere wichtige didaktisch-methodische Säulen der Unterrichtsarbeit. Sie stellen einen besonderen Anspruch sowohl an die Erarbeitung und Gestaltung als auch an die Darstellung der Lern- und Arbeitsergebnisse. Indem vielfältige Möglichkeiten der Mitgestaltung des kulturellen Schullebens angeboten werden, kann der Lernbereich Darstellen & Gestalten zur Schulprofilbildung beitragen.

Der Umgang mit elektronischen und digitalen Medien gewinnt eine immer größere Bedeutung. Ihr Einsatz erfolgt im Lernbereich Darstellen & Gestalten unter fachspezifischen Aspekten. Audio-visuelle Darstellungen wie Film- und Videoprojekte können als eigenständige Medien und Kunstformen ebenfalls Gegenstand und Ziel der Unterrichtsarbeit werden.

In besonderer Weise eignet sich dieser Lernbereich zum Bewusstmachen geschlechterstereotyper Verhaltensweisen. Die Thematisierung von Geschlechterstereotypen und ihre Überwindung sind ein durchgängiges Prinzip der gesamten Unterrichtsarbeit.

Ziele im Bereich fachspezifischer Kompetenzen

Auf fachlicher Ebene wird im Lernbereich Darstellen & Gestalten vorrangig der Aufbau folgender globaler Kompetenzen intendiert:

  • Gestaltungskompetenz
  • Darstellungskompetenz

Gestaltungskompetenz umfasst die Bereitschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten zur kreativen Entwicklung von aufgabenbezogenen Gestaltungsideen und Gestaltungsformen sowie deren Umsetzung und Konkretisierung unter reflektierter Verwendung von Gestaltungsmitteln der körper-, wort-, bild- und musiksprachlichen Ausdrucksformen.

Darstellungskompetenz bezeichnet die Bereitschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten zur kreativen Entwicklung sowie zur reflektierten Anwendung und Umsetzung von aufgabenbezogenen Darstellungsformen. Diese beziehen sich auf alle im Unterricht behandelten künstlerischen Ausdrucksformen und verlangen theatrale Präsenz, dramaturgische Bearbeitung und choreografische Strukturierung.

Die Darstellungskompetenz bezieht sich im Lernbereich Darstellen & Gestalten im Wesentlichen auf Präsentationsfähigkeit. Dies bedeutet, dass einem Zuschauer- bzw. Teilnehmerkreis vorbereitete Inhalte und Themen angemessen und in geeigneter Form vorgestellt werden. Dabei äußert sich die Präsentationsfähigkeit in performativen künstlerischen Ereignissen. Die präsentierenden Schülerinnen und Schüler sind hier Teil der Aufführung bzw. der (szenischen) Präsentation. Die Entwicklung der Fähigkeiten und Fertigkeiten zu theatraler Präsenz, zu dramaturgischer Bearbeitung und zu choreografischer Strukturierung bildet einen besonderen fachlichen Schwerpunkt.

Tanzgruppe
Foto: Gesamtschule Horst, Gelsenkirchen

Darüber hinaus fördern und erweitern die ästhetisch orientierten Ansätze des Lernbereichs die Wahrnehmungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler durch die Anleitung zum genauen Beobachten und Wahrnehmen in besonderer Weise. Dies betrifft nicht nur die fachliche Arbeit, sondern überträgt sich auch auf alle anderen Bereiche des täglichen Lebens. In der Beschreibung eigener und fremder Wirklichkeitserfahrungen werden die Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Wahrnehmungsmustern konfrontiert. Auf dieser Grundlage können Lerngelegenheiten geschaffen werden, die es ermöglichen, eigene Wahrnehmungen zu überprüfen, sie in Beziehung zu anderen zu setzen und damit ihre Bedeutungen zu entschlüsseln. Die Wirkungen und Wirkungsabsichten auf die Rezipienten können auf der Grundlage der persönlichen Wahrnehmungen überprüft und bewusst gemacht werden. Durch die Präsentation ihrer Gestaltungsprodukte lösen die Schülerinnen und Schüler diese aus dem privaten Kontext heraus und stellen sich der Reaktion und der Kritik anderer. Dazu gehören Mut und die Verantwortungsübernahme für das eigene Tun sowie die Fähigkeit zu einem konstruktiven Umgang mit Kritik.

Die Entwicklung der Fähigkeit und Bereitschaft, durch Perspektivwechsel in der Wahrnehmung und im Denken ästhetisch gestaltete Mitteilungsformen zu finden, die über alltägliche Formen hinausgehen, ist Teil der Kreativitätsförderung im Lernbereich Darstellen & Gestalten. Dadurch wird die Offenheit gegenüber neuen Sichtweisen und Erfahrungen angeregt und der Umgang mit Vieldeutigkeit und Fremdheit eingeübt. Spontan gefundene Lösungsmöglichkeiten können so integriert werden. Die Förderung der Kreativität beinhaltet darüber hinaus, dass Darstellungs- und Gestaltungsansätze auf ihre sachlichen Grundlagen sowie auf ihre Wirkungen hin überprüft und für ein angestrebtes Produkt zu einem präsentablen Abschluss gebracht werden.

Ziele im Bereich fachübergreifender Kompetenzen

Über die inhaltliche und methodische Arbeit in den Bereichen Körpersprache, Wortsprache, Bildsprache und Musiksprache werden im Lernbereich Darstellen & Gestalten neben den fachlichen Kompetenzen auch eine Reihe von Humankompetenzen gefördert und weiterentwickelt. Hierzu gehören u. a. die Persönlichkeitsstärke, das Selbstbewusstsein, die Selbstorganisation und die Kritikfähigkeit. Ebenso fördert der größtenteils projektorientiert angelegte Unterricht die Entwicklung sozialer Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Kooperation in gegenseitiger Wertschätzung oder auch die Achtsamkeit im Umgang mit Gegenständen und Räumen.

Persönlichkeitsstärke wird gefördert durch die Erweiterung der Wahrnehmens- und Erlebensfähigkeit, das selbstverständliche Experimentieren mit Arbeitsaufgaben und das häufige Präsentieren von Arbeitsergebnissen. Der Entwicklung eines persönlichen Ausdrucks kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.

Mit der sich aufbauenden Darstellungskompetenz und den damit verbundenen positiven Erfahrungen entwickelt sich ein reflektiertes Selbstbewusstsein, das hilft, eigene Ideen in Arbeitsprozesse einzubringen und zu vermitteln. Dies verlangt die Entwicklung von Ausdauer und Selbstdisziplin, umüberviele Ideen und Zwischenlösungenzu zufriedenstellenden Ergebnissen zu kommen.

Teamfähigkeit wird gefördert durch kooperative Arbeitsformen, die im Lernbereich die Regel sind. Dadurch wird die Fähigkeit entwickelt, ein Produkt gemeinsam kreativ zu erarbeiten und zu vertreten. Ebenso bildet sich ein Verantwortungsbewusstsein für den gemeinsamen Arbeitsprozess und das Endergebnis heraus. Dieses fördert gleichzeitig auch den konstruktiven Umgang mit unterschiedlichen Sichtweisen und Konfliktsituationen.

Kritikfähigkeit wirdgefördert durch die im Unterricht regelmäßig stattfindenden gegenseitigen Rückmeldungen und Kommentare zu Arbeitsprozessen und Arbeitsergebnissen. Eigene und fremde Beiträge werden kriterienorientiert reflektiert und bewertet. Auf der Basis gegenseitiger Akzeptanz und Wertschätzung werden die Schülerinnen und Schüler befähigt, differenziert konstruktive Kritik sowohl zu äußern als auch anzunehmen.

 

Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung des Lernbereichs

Tanzgruppe
Foto: Willy-Brand-Gesamtschule, Kerpen

Da der Lernbereich Darstellen & Gestalten kein Fach in der Lehrerausbildung ist, gleichwohl im Rahmen der APO-S I Hauptfachstatus besitzt, müssen Lehrerinnen und Lehrer, die im Lernbereich unterrichten möchten, zunächst fachgerecht vorbereitet werden. Die Befähigung zur Durchführung von Unterricht im Lernbereich Darstellen & Gestalten erfolgt durch die Teilnahme an entsprechenden Qualifizierungsmaßnahmen, die in der Regel von den Bezirksregierungen angeboten werden.

Fachkonferenzen, Fortbildungen und gegenseitige Unterrichtspräsentationen (auch im Rahmen von Festivals) mit anschließenden fachlichen Gesprächen sind neben Hospitationen gute und notwendige Möglichkeiten des Austauschs und der Standardsicherung. Die Zusammenarbeit und der fachliche Austausch mit Kolleginnen und Kollegen an der eigenen Schule sind für Fachlehrerinnen und Fachlehrer aufgrund des fächerübergreifenden Ansatzes besonders wichtig und empfehlenswert. Sofern die organisatorischen Voraussetzungen gegeben sind, sollte die Möglichkeit des Teamteachings genutzt werden. Diese Unterrichtsform ist in besonderer Weise geeignet, die inhaltlichen und pädagogisch-didaktischen Ansätze des Lernbereichs umzusetzen.

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© 2018 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 04.09.2016