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2. Der Unterricht im Fach Politik/Wirtschaft in den Jahrgangsstufen 5 bis 9 des Gymnasiums

2.1 Das Fach Politik/Wirtschaft im Lernbereich 

Die besondere Bedeutung des Unterrichts im Fach Politik/Wirtschaft als Kernfach der politischen und ökonomischen Bildung besteht in der Befähigung zur Wahrnehmung der verschiedenen Bürgerrollen in einer demokratischen Gemeinschaft. Dieses geschieht unter der Leitperspektive der Entwicklung allgemeiner politischer Mündigkeit. Sie ermöglicht vertieftes Verstehen wirtschaftlicher Zusammenhänge sowie ökonomisch geprägter Lebenssituationen und Handlungsfelder unter der Leitmaxime des mündigen Wirtschaftsbürgers. Der Unterricht im Fach Politik/Wirtschaft befähigt die Schülerinnen und Schüler, sich in der komplexen gesellschaftlichen Wirklichkeit und in einer globalisierten Ökonomie zu orientieren sowie politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen und Probleme kompetent zu beurteilen. Er bereitet auf die Teilnahme an sozialen, politischen und ökonomischen Prozessen vor und trägt dazu bei, sich in öffentlichen Angelegenheiten auf einer demokratischen Grundlage zu engagieren und Mitverantwortung für die Angelegenheiten des Gemeinwesens im Sinne einer gerechten, gemeinschaftsbezogenen, nachhaltigen und demokratischen Bürger- bzw. Zivilgesellschaft sowie einer damit kompatiblen Wirtschaftsordnung zu übernehmen. Damit leistet das Fach Politik/Wirtschaft einen unverzichtbaren Beitrag zur Herausbildung, Stabilisierung und Weiterentwicklung einer demokratischen politischen Kultur. Es trägt entscheidend zu einem möglichst dauerhaften und belastbaren demokratischen Bewusstsein bei, das sinnstiftend und intentional auf die Menschenrechte und die Grundrechte als Referenzwerte ausgerichtet ist. Es gewährleistet zudem, die Komplexität der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Realität sowie deren vielschichtige Sachverhalte in strukturierender und systematischer Weise zu erfassen. 

Der vorliegende Lehrplan Politik/Wirtschaft verfolgt und konkretisiert die in der „Rahmenvorgabe für die politische Bildung (RVPB)“ dargelegten Leitideen und Kompetenzansprüche wie auch die im Fach realisierbaren entsprechenden Kategorien ökonomischen Denkens, Ziele und Kompetenzebenen der ökonomischen Bildung im Sinne der „Rahmenvorgabe für die ökonomische Bildung (RVÖB)“. 

2.2 Aufgaben und Ziele des Faches Politik/Wirtschaft 

Das Fach Politik/Wirtschaft ermöglicht die Aneignung von relevantem Deutungs- und Ordnungswissen über die Demokratie mit ihren speziellen Erscheinungs- und Funktionsprinzipien sowie die Erschließung individueller und kollektiver Teilhabemöglichkeiten. Ebenso vermittelt es exemplarisch ökonomisches Orientierungswissen, das grundlegende wirtschaftliche Problemlagen und Prozesse verstehbar macht. Das Fach Politik/Wirtschaft bahnt somit die für die Ausgestaltung und Weiterentwicklung notwendige Handlungsbereitschaft und -fähigkeit in ökonomisch geprägten Lebenssituationen als unverzichtbare Bedingung zur individuellen und kollektiven Interessenwahrnehmung und aktiven Teilnahme am wirtschaftlichen Leben an. 

Im Einzelnen wird dies erreicht, indem 

  • die grundlegenden Probleme der Gegenwart und die erkennbaren Herausforderungen der Zukunft unter den oben benannten Leitzielen analysiert werden, 
  • nach den zugrunde liegenden Macht- und Herrschaftsstrukturen und deren Legitimation sowie nach der legitimen Interessengebundenheit von Handlungsweisen und Standpunkten gefragt wird, 
  • die Schülerinnen und Schüler befähigt werden, fremde Interessen und verallgemeinerungsfähige Regeln anzuerkennen sowie verschiedene Wertorientierungen auf ihre institutionellen Konsequenzen hin zu analysieren, 
  • die politische, soziale und ökonomische Welt auf mehreren Ebenen (Mikro-, Meso- und Makroebene) erschlossen wird und zugleich umfangreiche und systematische Möglichkeiten zur Entwicklung und Ausdifferenzierung von Urteils- und Handlungsfähigkeit geschaffen werden, 
  • zentrale Aspekte ökonomischer Bildung thematisiert werden und so den Schülerinnen und Schülern ermöglicht wird, sich im wirtschaftlichen Dasein zu orientieren, dieses zu verstehen, es zu beurteilen sowie dieses mündig, sachgemäß und verantwortungsbewusst mitzugestalten, 
  • sich die inhaltliche Ausgestaltung des Lernens im Fach Politik/Wirtschaft an Situationen, Ausgangslagen und Konflikten orientiert, in denen das Aufeinandertreffen von unterschiedlichen oder gar gegensätzlichen Interessen zu einem Problem wird, das der gesamtgesellschaftlichen Regelung auf der politischen oder wirtschaftlichen Ebene bedarf, 
  • Möglichkeiten des Probehandelns unter Einschluss handlungsentlastender und verallgemeinerungsfähiger Reflexion geboten werden, 
  • die Berufs- und Lebensplanungen der Schülerinnen und Schüler - auch hinsichtlich geschlechtsstereotyper Rollenmuster - thematisiert werden.

Diese Zielsetzungen werden um so wirkungsvoller erreicht, je mehr der Prozess der Aneignung demokratisch strukturiert ist und der Unterricht von möglichst vielfältigen demokratischen Verkehrsformen und einem Klima der Diskursivität geprägt ist. 

Die Umsetzung dieser Aufgaben und Ziele in einem kompetenzorientierten Unterricht bietet die Voraussetzung dafür, dass am Ende der Sekundarstufe I die wesentlichen Voraussetzungen zur Teilnahme an der Demokratie und am gesellschaftlichen und ökonomischen Leben geschaffen worden sind. Gleichzeitig sind damit die notwendigen Grundlagen zur Fortsetzung des Faches Politik/Wirtschaft in den Integrationsfächern Sozialwissenschaften bzw. Sozialwissenschaften/Wirtschaft in der gymnasialen Oberstufe gelegt.

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© 2019 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 07.04.2008