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3. Kompetenzentwicklung und Lernprogression

3.1 Allgemeine fachspezifische Kompetenzen 

Die Schülerinnen und Schüler erwerben im Fach Politik/Wirtschaft im Hinblick auf dessen Grundanliegen „politische und wirtschaftliche Mündigkeit“ sowie „Demokratie- und Politikbewusstsein“ folgende fachspezifischen Kompetenzen, die sie für die Entwicklung und Wahrnehmung ihrer Bürgerrollen in der Demokratie und hinsichtlich der Ziele wirtschaftlicher Selbst- und Mitbestimmung und wirtschaftlicher Handlungsfähigkeit benötigen: 

  • Sachkompetenz, 
  • Methodenkompetenz, 
  • Urteilskompetenz sowie 
  • Handlungskompetenz. 

Indem das Fach Politik/Wirtschaft politische, soziologische sowie ökonomische Aspekte integriert, trägt es mit den oben genannten Kompetenzen auch dazu bei, dass es den Schülerinnen und Schülern ermöglicht wird, sich im wirtschaftlichen Dasein zu orientieren, dieses zu verstehen, es zu beurteilen und mündig, sachgemäß und verantwortungsbewusst mitzugestalten. 

  • Sachkompetenz 

Sachkompetenz meint die Verfügung über grundlegende politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Kenntnisse, die zum Verständnis gesellschaftlicher Strukturen und Prozesse notwendig sind. Dazu zählt vor allem ein vertieftes Deutungs- und Ordnungswissen. Deutungswissen entsteht in lebensweltlichen Interaktionen und durch die sich dort realisierende Wahrnehmung politisch-gesellschaftlicher Phänomene. Subjektive alltagstheoretische Vorstellungen bedürfen aber der engen und unverzichtbaren Verbindung mit der Sicht und der systematischen Analyse der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ordnung und deren systemischen Mechanismen, Strukturen und Zusammenhängen.

  • Methodenkompetenz 

Methodenkompetenz umfasst die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die benötigt werden, um sich mit politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Problemstellungen auseinanderzusetzen. Dieses gilt sowohl für die originär fachspezifischen Methoden, deren Einsatz in den Leitwissenschaften Ökonomie, Politikwissenschaft und Soziologie zur Erkenntnisgewinnung unabdingbar ist, als auch für die Arbeitstechniken, die grundlegende überfachliche Lernstrategien darstellen und gegenüber den sozialwissenschaftlichen Fachmethoden einen stärker instrumentellen Charakter besitzen. Dabei stehen fachspezifische Methoden sowie die fachunabhängigen Arbeitstechniken zu den Zielen sowie Inhalts- und Problemfeldern des Faches in einem wechselseitigen Implikationszusammenhang und sind deshalb in der Regel kontextgebunden über thematisches Lernen zu vermitteln.

  • Urteilskompetenz 

Politische, gesellschaftliche und ökonomische Urteilsfähigkeit als eine zentrale Schlüsselkompetenz politischer Bildung beinhaltet die Befähigung zu einer selbstständigen, begründeten und kriterien- oder kategorienorientierten Beurteilung politischer Ereignisse, Probleme und Kontroversen sowie das Verständnis, das für politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge erforderlich ist. Sie schließt das Finden eines eigenen begründeten Standpunktes bzw. Urteils ebenso ein wie ein verständigungsorientiertes Abwägen im Diskurs mit Anderen. Dies geschieht unter der Perspektive der Verallgemeinerungsfähigkeit. 

  • Handlungskompetenz 

Die politische, gesellschaftliche und ökonomische Handlungskompetenz umfasst die Fähigkeit, sich am öffentlichen demokratischen Prozess der Meinungsbildung und der Entscheidungsfindung zu beteiligen und die Chancen der Einflussnahme auf die Gestaltung politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Strukturen zu erkennen. Politische, gesellschaftliche und ökonomische Handlungskompetenz, die zur Bewältigung neuartiger und komplexer Situationen bzw. Probleme dient, erwächst aus Deutungs- und Ordnungswissen, ergänzt durch erprobte und reflektierte Erfahrungen und Einsichten. Dabei geht es um den Zusammenhang von Denken, Handeln und Reflexion. Produktive Fähigkeiten und Kenntnisse sind vor diesem Hintergrund nicht voneinander zu trennen. Deshalb umfasst die politische Handlungskompetenz in der Regel drei Ebenen der Handlungsorientierung, die ein potenzielles Handeln unterstützen können: produktives Gestalten (wie z.B. Anfertigung eines Informationsblattes, einer Fotodokumentation, eines Videos), simulatives Handeln (wie z.B. Rollenspiel, Pro-Kontra-Debatte, Zukunftswerkstatt) und reales Handeln (wie z.B. Erkundung, Praktikum, Straßeninterview). 

3.2 Allgemeine Aspekte der Lernprogression 

Eine erfolgreiche Lernprogression setzt fachliche, pädagogische und didaktische Überlegungen voraus, die darauf ausgerichtet sind, durch eine gezielte Auswahl von Inhalten, eine lernerbezogene methodische Gestaltung und angemessene Leistungsanforderungen den Lernfortschritt der Schülerinnen und Schüler kontinuierlich und systematisch zu fördern. 

Zur Erfüllung der Kompetenzerwartungen am Ende der Sekundarstufe I ist die Entwicklung von kognitiven Strukturen bei den Lernenden eine entscheidende Voraussetzung. Dabei kommt es im Ergebnis auf die Strukturiertheit des Wissens und der kognitiven Operationen an, d. h. es geht ganz wesentlich um 

  • die elementaren inhaltlichen und methodischen Bereiche des Faches (fachliche Relevanz und Bedeutsamkeit), 
  • die Feinheit der Unterscheidungen (Differenziertheit) sowie 
  • die Anzahl der möglichen fachlichen und fachübergreifenden Verbindungen und Beziehungen (Integriertheit und Vernetztheit). 

Ziel der unterrichtlichen Bemühungen ist es dabei, von einem Zustand noch wenig entwickelter kognitiver Strukturen – der z.B. durch die Tendenz zu Übergeneralisierungen, die Neigung zu stereotypen Urteilen sowie das Fehlen von begrifflichen Abgrenzungen und Unterscheidungen gekennzeichnet ist – hin zu einer höheren Strukturiertheit zu gelangen, die sich u.a. durch eine Vielfalt fein abgestimmter und abgewogener Einstellungs- und Beurteilungskategorien sowie Reaktionstendenzen, alternative Betrachtungsmöglichkeiten und die Fähigkeit zum Perspektivwechsel auszeichnet.

Neben der Entwicklung der kognitiven Strukturen geht es unter dem Aspekt der Lernprogression zugleich auch um die Entwicklung und Förderung sozial-interaktiver und emotionaler Strukturiertheit.

Unterrichts- und Lernerfolg hängen in ganz entscheidendem Maße auch davon ab, wie im Verlauf des Bildungsgangs in der Sekundarstufe I kommunikative Kompetenzen (z.B. adressatenbezogen darstellen, erklären, argumentieren, zusammenfassen, zuhören, diskutieren), interaktive Lernverfahren (z.B. kooperieren, planen, organisieren, arbeitsteilig recherchieren, helfen und sich helfen lassen) sowie soziales und interkulturelles Verstehen (z.B. in Alternativen denken, eigene Gefühle artikulieren, Gefühle anderer wahrnehmen und bewerten, bereit zum Perspektivwechsel sein) gefördert und ausdifferenziert werden. Die Leitbegriffe Bedeutsamkeit, Differenziertheit und Vernetztheit beziehen sich also ebenso auf den Bereich der sozialen und emotionalen Lernentwicklung. Deshalb spielen insbesondere auch in den Fächern des gesellschaftswissenschaftlichen Lernbereichs solche unterrichtlichen Gestaltungsprozesse eine wichtige Rolle, die mit dazu beitragen, bei den Schülerinnen und Schülern soziale Wahrnehmungsfähigkeit, Empathie, Engagement, Partizipation sowie Mitgestaltung und Mitbestimmung in Unterricht und Schulleben sukzessive zu entwickeln. 

Obwohl eine allgemeingültige Stufenfolge mit der Zuordnung zu Jahrgangsstufen für die Entwicklung kognitiver, sozial-interaktiver und emotionaler Strukturen auch angesichts der unterschiedlichen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler nicht eindeutig beschreibbar ist, lassen sich gleichwohl Schwerpunkte und Zugänge zu deren systematischer Entwicklung verdeutlichen. In diesem Zusammenhang sollen von der Klasse 5 bis zur Klasse 9 – ausgehend von dem am Ende der Klasse 4 erreichten Niveau – vor allem die folgenden Bereiche weiter entwickelt werden: 

  • der Umfang, die Differenziertheit und der Abstraktionsgrad des Wissens und dabei vor allem die Entwicklung von Fachbegriffen und elementaren Modellen zum Erfassen und nachhaltigen Verstehen von Zusammenhängen; 
  • der Umfang und die Differenziertheit der kognitiven Operationen (methodische Verfahren, Denkvorgänge), wie sie z.B. bei der Beschreibung eines Sachverhaltes, dem Vergleich und der Einordnung verschiedener Elemente des Wissens und der Bewertung eines Tatbestandes oder Problemgehaltes deutlich werden können; 
  • die Vernetztheit und der Transfer von Wissen und kognitiven Operationen mit Konsequenzen für Meinungsbildung, Einstellungen und Motive eines Menschen; 
  • die selbstständige Ausdifferenzierung und kontinuierliche Nutzung medialer und methodischer Arbeitsweisen im Hinblick auf neue und immer komplexere fachliche Problem- und Aufgabenstellungen; 
  • die Ausweitung des sozial-interaktiven Repertoires an kooperativen, kommunikativen und sozial integrierenden Arbeitsformen; 
  • der Grad der Reflexion emotionaler Bedingungen bei der Bearbeitung und Beurteilung von Sachverhalten (emotionale Betroffenheit), in schulischen Lernarrangements (Engagement, Interesse, Bereitschaft zur Kooperation) sowie in fachlichen und gesellschaftlichen Kontexten (Empathie, Perspektivwechsel); 
  • das Verständnis für die Bedeutung der eigenen Urteils- und Handlungsfähigkeit und die damit verbundenen Möglichkeiten zur Mitgestaltung und Verantwortungsübernahme

Die Orientierung an einer entsprechend für die Doppeljahrgangsstufe 5/6 sowie die Klassen 7 bis 9 konkretisierten Lernprogression dient in diesem Kontext als Steuerungsvorgabe für den Unterricht in den Fächern des Lernbereichs Gesellschaftslehre in der Sekundarstufe I. 

3.3 Lernprogression im Fach Politik/Wirtschaft 

Die Lernprogression im Fach Politik/Wirtschaft orientiert sich am systematischen Aufbau von Wissen über politische, soziale sowie ökonomische Begriffe und Zusammenhänge. Sie beinhaltet die Entwicklung der reflexiven Urteils- und Handlungsfähigkeit, um sich im Weiteren z.B. auch mit Normen und Werten auseinandersetzen sowie ein angemessenes Demokratie- und Politikbewusstsein entwickeln zu können. 

Der Unterricht im Fach Politik/Wirtschaft sollte unter Berücksichtigung der Rahmenvorgaben so angelegt sein, dass Sachverhalte und Methoden wiederholt aufgegriffen werden. Maßstab für ein spiralförmig angelegtes Lernen ist die Entwicklung der Lernenden im Hinblick auf die in Kapitel 4 formulierten Kompetenzen. Die Richtung der Entwicklung wird gekennzeichnet durch die Zunahme der Selbstständigkeit, die Steigerung der Aufnahmefähigkeit für komplexere Lerninhalte, ein wachsendes Abstraktionsvermögen, die Ausdehnung der – z.B. sozialen – Perspektiven sowie durch vielschichtigere Beurteilungen politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Sachverhalte. 

Vor diesem Hintergrund sollte ein Fortschreiten des Lernens im Fach Politik/Wirtschaft z.B. von der Interaktion mit einzelnen Personen über das Handeln in Rollen, Gruppen bzw. Organisationen und die Partizipation in gesellschaftlichen Teilsystemen bis hin zu einer möglichst selbstständigen und reflexiven Urteils- und Handlungskompetenz führen. 

Lerninhalte des Faches Politik/Wirtschaft können von unmittelbaren sozialen Beziehungen ausgehen, darauf aufbauend Regeln des Zusammenlebens ansprechen und über die Erarbeitung von umfassenden Ordnungen und Strukturen zur Erörterung von Prinzipien und ihrer Gestaltung voranschreiten. Die Methoden des Faches Politik/Wirtschaft werden vielfach bei Formen der Selbst- und Fremdwahrnehmung ansetzen, das Üben von Arbeitsformen und Arbeitstechniken anschließen und über die Vermittlung von sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Erkenntnisweisen z.B. zur kritischen Reflexion komplexer Methoden hinführen. 

Zwischen diesen unterschiedlichen, an dieser Stelle nur exemplarisch angerissenen Vertiefungsgraden ist ein Interdependenzzusammenhang anzunehmen, ein grundsätzlich linearer Aufbau ist daraus jedoch nicht abzuleiten. Aus diesem Grunde sollen den Lernenden bei der Gestaltung der Lernprozesse – je nach Entwicklungsgrad – immer wieder unterschiedliche Zugänge eröffnet werden, die z.B. ein Anknüpfen an Bekanntes und bereits Erarbeitetes unter neuen, aktuellen Fragestellungen beinhalten können, um auf diesem Wege eine systematische Integration und Erweiterung der Lern- und Kompetenzentwicklung zu erreichen.

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