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Orientierungsbereich (Sprungmarken)

Qualifikationsphase I, Griechisch fortgef., Lk, Unterrichtsvorhaben II

Thema: Odysseus im Wechselbad der Gefühle – Wie verhält sich der epische Held im Spannungsfeld von Leidenschaft, Vernunft und Leiden?

Übergeordnete Kompetenzen

Die Schülerinnen und Schüler können

Textkompetenz

  • griechische Originaltexte übersetzen,
  • die zugrunde gelegten Texte in komplexeren Zusammenhängen interpretieren,
  • selbständig die Struktur eines Textes anhand transphrastischer Merkmale beschreiben,
  • die Thematik eines Textes aufgrund von Elementen der Textkohärenz selbständig herausarbeiten,
  • vertieft die Zusammenhänge von Inhalt und formaler Gestaltung erklären,
  • gattungs- bzw. autorenspezifische Merkmale der behandelten Texte benennen,
  • ihr Textverständnis durch einen Lesevortrag nachweisen.

Sprachkompetenz

  • auch Wörter mit komplexeren Polysemien in ihrem Kontext auf Grundlage eines zu beherrschenden autorenbezogenen Wortschatzes sowie mit Hilfe eines zweisprachigen Wörterbuchs monosemieren,
  • die Form eines Wortes (auch des ionischen Dialekts sowie der homerischen Sprache) im Satzzusammenhang bestimmen und dessen Satzgliedfunktion erklären,
  • Regeln der Prosodie und beachten sie beim Lesevortrag erklären,
  • formal-ästhetische Besonderheiten der gelesenen Texte erläutern,

Kulturkompetenz

  • textrelevante Zusammenhänge der antiken griechischen Kultur vertieft darstellen,
  • die gelesenen Texte in kultureller Hinsicht auf vertiefte Weise erläutern,
  • auf vertiefte Weise wirkungsgeschichtliche Aspekte der gelesenen antiken Texte an Beispielen der Rezeption aufzeigen,
  • auf vertiefte Weise zu Aussagen und Problemen der behandelten Texte Stellung nehmen.

Inhaltsfelder

  • Grundfragen der menschlichen Existenz
  • Kulturgeschichte der griechischen Antike

Inhaltliche Schwerpunkte:

  • Mensch und Gott im frühgriechischen Epos
  • Homerische Lebenswelt und Gesellschaft
  • Selbstverständnis der Griechen

Zeitbedarf: 35 Std.


Vorhabenbezogene Konkretisierung:

Unterrichtssequenzen

Zu entwickelnde Kompetenzen

Vorhabenbezogene Absprachen

1 Odysseus und die Frauen: Kalypso und Kirke

  • Grundzüge des Welt- und Menschenbildes vertieft darstellen, wie es im frühgriechischen Epos begegnet,
  • Textpassagen erläutern und dort vorhandene Bezugnahmen auf anthropologische Konzepte in ihren geistesgeschichtlichen Zusammenhang einordnen,
  • zu den thematisierten anthropologischen Grundfragen vertieft Stellung nehmen,
  • grundlegende Aspekte der Gesellschaftsstruktur, der Wertvorstellungen sowie von Kult und Religion des homerischen Epos vertieft darstellen,
  • die Thematik eines Textes aufgrund von Elementen der Textkohärenz selbständig herausarbeiten,
  • formal-ästhetische Besonderheiten der gelesenen Texte erläutern.

Od., V, 43-148 (Hermes und Kalypso),

Od., V. 149-227 (Odysseus´ Abschied von Kalypso)

Od., X 203-245; 275-347; 467-530 (Kirke-Abenteuer)

  • Möglicher Erwartungshorizont (Auswahl):
  • Im Umgang mit den Frauen kann Odysseus seine Vorsicht, Zurückhaltung, Ehrerbietung und unerschütterliche Treue beweisen
  • die unterschiedlichen weiblichen Reaktionen reflektieren zugleich seine männliche Attraktivität
  • Die einsame Kalypso möchte Odysseus unbedingt für sich zurückhalten (Angebot ihn unsterblich zu machen)
  • Aggressiver tritt die dämonische Kirke im Geschlechterkampf auf
  • Die Tatsache, dass Kirke Odysseus nicht in ein Tier verwandeln kann, erregt erst ihre Begierde.
  • (Erst) nach Beachtung aller Vorsichtsmaßnahmen schläft Odysseus mit Kirke
  • Schließlich ist Kirke Odysseus sogar von Nutzen: sie eröffnet ihm, dass er bevor er nach Hause fahren darf, zuvor in die Unterwelt reisen muss, um die Seele des Teiresias zu befragen.
  • Die Kirke-Szene stellt eine Verknotung dreier für das Vorantreiben der Odyssee-Handlung konstitutiver Mächte dar: Magie, Liebe und Religion (Od. steht unter göttlichem Schutz)
  • Kalypso und Kirke vertreten unterschiedliche Frauentypen
  • Beide Begegnungen dienen dazu, die körperliche Liebe zu relativieren; denn erst die unerschütterliche Liebe zur Gattin Penelope vervollständigt das Bild der Hauptfigur.

Anthologia Palatina X 50

  • Der Dichter möchte – angelehnt an die homerische Kirke-Episode – den Leser zum Verzicht auf Sinnlichkeit und Widerstand gegen weibliche Verführungskraft und -list erziehen
  • Dieses moralistische Epigramm wird aber dem echten Odysseus des Mythos nicht gerecht; denn ihn kennzeichnen Vernunft, göttlichen Schutz und zugleich Leidenschaft.

Literatur:

  • Homer, Odyssee, hrsg. von H.-L. Oertel, Bamberg 1989 (Reihe Mythos und Logos)
  • H.-L. Oertel, Lehrerhinweise zu Homer, Odyssee, Bamberg 2007
  • Dios Odysseus, Szenen aus Homers Odyssee, für den Unterricht bearbeitet von K. H. Eller, Frankfurt am Main, Berlin, München 1979 (Reihe Modelle für den altsprachlichen Unterricht)
  • Mannsperger, B. und D., Homer verstehen, Darmstadt 2006.

2. Odysseus in der Unterwelt

  • typische Szenen und Verhaltensmuster des homerischen Epos (z.B. Begrüßung, Versammlung, Wiedererkennung, Gastmahl; hier: Begrüßung/Wiedererkennung) analysieren und erläutern,
  • an Beispielen der neuzeitlichen europäischen Kunst und Literatur wirkungsgeschichtliche Aspekte des frühgriechischen Epos aufzeigen (u.a. literarische Form, Stoffe und Motive: hier: Vergleich mit Sequenzen aus dem Odysseus-Film),
  • die in den antiken Texten erkennbaren Wertvorstellungen, sozialen Normen und Motive menschlichen Handelns mit solchen der Gegenwart vergleichen und ggf. dazu Stellung nehmen,
  • ihr Textverständnis durch einen Lesevortrag nachweisen.
  • Regeln der Prosodie und beachten sie beim Lesevortrag erklären.

Od., XI, 1-37 (Ankunft und Opfer)

Od., XI, 90-151 (Die Weissagung des Sehers Teiresias)

Od., XI, 152-224 (Begegnung mit der Mutter Antikleia)

  • unheimliche Atmosphäre der mythisch-realen Topografie der Unterwelt
  • Konsistenz der Totenseelen
  • negative Wertung der Existenz nach dem Tode
  • Odysseus ist erschüttert.

Platon, Apologie, 40c5-41c7 (Gründe für die Hoffnung, der Tod sei etwas Gutes)

  • Kontrastbild zur homerischen Vorstellung

Literatur/Medien:

  • Platon, Werke, Übersetzung und Kommentar: I, 2 Apologie des Sokrates, Übersetzung und Kommentar von E. Heitsch, Göttingen 2002, bes. S. 163-171.
  • verschiedene literarische Übersetzungen (z.B. Voss, Schadewaldt)
  • Odysseus-Film

Leistungsbewertung:

  • Aufstellung von Hypothesen zum Textinhalt
  • Beantwortung von Leitfragen zu Inhalt und Struktur eines Textes
  • Erstellung einer zielsprachengerechten Übersetzung
  • Entwicklung einer wirkungsgerechten Übersetzung
  • Vergleich eines griechischen Textes mit einer (literarischen) Übersetzung
  • Charakterisierung von handelnden Personen, Handlungsmotiven und Konflikten, Herausarbeiten von Figurenkonstellationen
  • Herausarbeiten der Kerngedanken eines Textes
  • Gliederung des Textes, ggf. anhand textgrammatischer Aspekte
  • Erläutern der Gliederung und Nennen von Überschriften zu Textabschnitten
  • Analyse sprachlich-stilistischer und metrischer Gestaltungselemente sowie ihrer Funktion
  • verständnisgeleiteter Textvortrag
  • Ausführung einer kreativen Schreibaufgabe (hier: innerer Monolog)
  • Vergleich eines griechischen Textes mit Rezeptionsdokumenten, Vergleich von literarischen Übersetzungen desselben Primärtextes
  • Stellungnahme zur Aussage eines griechischen Textes

Hinweis: Die angeführte Sekundärliteratur ist als mögliche Auswahl zur Vorbereitung und Durchführung der Unterrichtsvorhaben zu betrachten, auf die sich die Fachkonferenz des fiktiven Gymnasiums unter dem Vorbehalt der Optionalität verständigt hat.

Die Aufnahme von Sekundärliteratur, Aufsätzen, Internetlinks etc. gehören nicht zum Grundauftrag der Fachkonferenzen bei der Erstellung eines Schulinternen Lehrplans.

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