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Aufgaben und Ziele des Faches

Sport ist in der gymnasialen Oberstufe durchgängig Pflichtfach für alle Schülerinnen und Schüler. Sportliche Handlungssituationen eröffnen spezifische Erfahrungen sowie Lern- und Reflexionsmöglichkeiten sowohl innerhalb als auch außerhalb der drei fachlichen Aufgabenfelder dieses Bildungsganges. Damit leistet dieses Fach auch in der gymnasialen Oberstufe einen eigenständigen Beitrag zum Erziehungs- und Bildungsauftrag. Im Kern geht es dabei um die Auseinandersetzung mit der Körperlichkeit des Menschen, die in Bewegung, Spiel und Sport unter verschiedenen pädagogischen Perspektiven thematisiert wird.

Die pädagogische und fachdidaktische Grundlegung für das Fach Sport in der Schule ist in den für alle Schulformen und Schulstufen im Fach Sport gültigen Rahmenvorgaben für den Schulsport[1] differenziert entfaltet. Als pädagogische Leitidee für den Schulsport insgesamt und damit auch für den Sportunterricht in der gymnasialen Oberstufe wird in diesem Zusammenhang der folgende Doppelauftrag formuliert:

Entwicklungsförderung durch Bewegung, Spiel und Sport

und

Erschließung der Bewegungs-, Spiel- und Sportkultur.

Dieser Doppelauftrag wird im Schulsport und insbesondere im Sportunterricht immer auf der Grundlage der sechs pädagogischen Perspektiven realisiert, die in den Rahmenvorgaben ausführlich erläutert sind:

  • Wahrnehmungsfähigkeit verbessern, Bewegungserfahrungen erweitern (A)
  • sich körperlich ausdrücken, Bewegungen gestalten (B)
  • Etwas wagen und verantworten (C)
  • Das Leisten erfahren, verstehen und einschätzen (D)
  • Kooperieren, wettkämpfen und sich verständigen (E)
  • Gesundheit fördern, Gesundheitsbewusstsein entwickeln (F).

Die Rahmenvorgaben für den Schulsport geben durch diese sechs pädagogischen Perspektiven und die Grundsätze pädagogischen Handelns auch für die gymnasiale Oberstufe die Mehrdimensionalität und Reichweite des Schulsports und des Sportunterrichts im Besonderen verbindlich vor. Zudem haben die pädagogischen Perspektiven eine orientierende Funktion für die übergreifenden Inhaltsfelder. Der Kernlehrplan Sport für die gymnasiale Oberstufe entfaltet vor dem Hintergrund dieser pädagogischen Rahmenkonzeption die im Sportunterricht zu entwickelnden Kompetenzen; er konzentriert sich dabei ausschließlich auf fachliche Anforderungen und Lernergebnisse, die beobachtbar und weitgehend überprüfbar sind.

In der Summe dieser Kompetenzen geht der Kernlehrplan von einer umfassenden Handlungskompetenz als Zielperspektive aus. Sie ermöglicht Schülerinnen und Schülern, sich in ihren Lebens- und Erfahrungsräumen auf die Wirklichkeit von Bewegung, Spiel und Sport in unterschiedlichen sozialen Konstellationen mit vielfältigen Sinnrichtungen und Motiven reflektiert einzulassen und damit diese sportlichen Lebens- und Erfahrungssituationen für sich selbst und für andere erfolgreich zu gestalten.

Vor diesem Hintergrund erweitern die Schülerinnen und Schüler in der gymnasialen Oberstufe ihre fachliche Handlungskompetenz und vertiefen diese unter dem spezifischen Anspruch dieser Schulstufe. Sie sollen Bewegung, Spiel und Sport differenziert begründet und reflektiert in eine bewusste Lebensgestaltung integrieren. Diese Handlungskompetenz gründet auf bewegungs- und körperbezogenen Erfahrungen, differenziertem sportlichen Können und auf reflektiertem Wissen, wobei dieses Können und Wissen in der Oberstufe systematisch erweitert und unter allen pädagogischen Perspektiven an ausgewählten Bewegungsfeldern und Sportbereichen exemplarisch vertieft wird. Dabei wird zunehmend Anschluss an wissenschaftspropädeutisches und interdisziplinäres Handlungswissen hergestellt.

Das Fach Sport leistet einen eigenen Beitrag zum wissenschaftspropädeutischen Auftrag der gymnasialen Oberstufe. Fachliche Aufgaben und sich stellende Probleme werden explizit und systematisch auch mithilfe von Angeboten aus der Sportwissenschaft angegangen und reflektiert. Dabei bietet das Fach Sport besondere Chancen, an geeigneten Beispielen zu erproben und zu reflektieren, was Wissenschaft für die Lösung praktischer Fragen und den Aufbau einer umfassenden Handlungskompetenz leisten kann. Konkrete Handlungskompetenz bewährt sich hierbei insbesondere in solchen Situationen, in denen angesichts der Ambivalenz des Sports Verantwortung für sich und andere gefragt ist.

Der Sportunterricht in der gymnasialen Oberstufe greift Angebote verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen auf, namentlich solche aus den Naturwissenschaften, aus den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften sowie künstlerisch-musische Aspekte. Das Fach verbindet dabei Aspekte aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen miteinander, die in der Thematisierung sportpraktischen Handelns von Bedeutung sind bzw. Anwendung finden.

Zur weiteren Strukturierung der Handlungsfähigkeit, die der Sportunterricht in der gymnasialen Oberstufe erweitern und vertiefen soll, werden in diesem Kernlehrplan – anknüpfend an die Sport-Kernlehrpläne der Sekundarstufe I – die Kompetenzbereiche Bewegungs- und Wahrnehmungskompetenz, Methodenkompetenz und Urteilskompetenz ausgewiesen. Der gegenüber der Sekundarstufe I neue Kompetenzbereich der Sachkompetenz ermöglicht es dem Fach Sport den Anforderungen in der gymnasialen Oberstufe – gerade auch hinsichtlich der theoretischen und wissenschaftspropädeutischen Zielsetzungen – in differenzierter Weise gerecht zu werden.

Im Zusammenwirken aller vier Bereiche vertiefen die Schülerinnen und Schüler in der gymnasialen Oberstufe Kompetenzen, die es ihnen ermöglichen, im Rahmen einer reflektierten Praxis bzw. in enger Praxis-Theorie-Verknüpfung fachliche Fragestellungen und Sachverhalte differenziert zu bearbeiten, um davon ausgehend auch komplexe sportliche Handlungssituationen entsprechend bewerten und bewältigen zu können. Auf dieser Grundlage können die Schülerinnen und Schüler eine eigene bewegungs- und sportbezogene Identität in sozialer Verantwortung ausbilden.

Über diese fachliche Kompetenzentwicklung hinaus leisten der Sportunterricht und auch der in diesem Kernlehrplan nicht geregelte außerunterrichtliche Schulsport (vgl. Rahmenvorgaben) einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau personaler und sozialer Kompetenzen, deren Entwicklung eine Aufgabe aller Fächer ist und die aufgrund ihrer überfachlichen Bedeutung außerhalb fachbezogener Kernlehrpläne dargestellt werden. In diesem Zusammenhang trägt der Schulsport wesentlich zu Querschnittsaufgaben von Schule wie Werteerziehung, soziale Verantwortung, Sensibilisierung für unterschiedliche Geschlechterperspektiven und Lebensformen, Abbau von Diskriminierung, kulturelle Mitgestaltung und interkulturelles Verständnis bei.

In der gymnasialen Oberstufe erfolgt im Rahmen von Kursprofilen eine Konzentration auf ausgewählte Bewegungsfelder und Sportbereiche sowie eine Akzentsetzung auf inhaltliche Schwerpunkte.

In der Einführungsphase werden den Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Akzentsetzungen sportlichen Handelns in möglichst großer Breite vermittelt und bewusst gemacht. Deshalb sollen hier mindestens drei Bewegungsfelder und Sportbereiche thematisiert werden und exemplarische Einblicke in alle Inhaltsfelder erfolgen. Damit wird eine Basis für das weitere gemeinsame Lernen geschaffen und es werden die Voraussetzungen bezüglich einer fundierten Kurswahl und Profilentscheidung für die Qualifikationsphase gelegt.

Die Grundkurse in der Qualifikationsphase sind auf eine grundlegende wissenschaftspropädeutische Ausbildung im Fach Sport ausgerichtet, wobei in der Regel unmittelbares sportliches Handeln im Fokus einer reflektierten Praxis steht. In diesem Kontext können wesentliche Arbeits- und Fachmethoden sowie Darstellungsformen des Faches erfahrbar und bewusst gemacht werden. Dabei bietet gerade sportliches Handeln immer wieder gute Möglichkeiten sowohl lebensweltliche Bezüge als auch Bezüge zu anderen Wissenschaftsdisziplinen herzustellen. Die in der Einführungsphase begonnene Behandlung aller Inhaltsfelder soll in der Qualifikationsphase im Grundkurs in  zwei Inhaltsfeldern exemplarisch vertieft werden, insbesondere auch im Hinblick auf eine gegebenenfalls mögliche mündliche Abiturprüfung im Fach Sport.

Im Leistungskurs zielt das Fach auf eine vertiefte Beherrschung der fachlichen Arbeitsmethoden sowie deren selbstständige Anwendung und Reflexion ab. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler bei der Reflexion sportlichen Handelns sowohl naturwissenschaftliche als auch geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Zugänge verwenden. Dabei sind im Leistungskurs alle Inhaltsfelder in ihrer ganzen Breite und Tiefe verbindlich zu behandeln. Darüber hinaus gewinnen im Leistungskurs schriftliche Arbeits- und Überprüfungsformen erheblich an Bedeutung, weil hier die Schülerinnen und Schüler auch im Fach Sport intensiv auf den schriftlichen Teil der zentralen Abiturprüfung vorbereitet werden müssen.



[1]   Diese Fassung der Rahmenvorgaben ist in der jeweils geltenden Fassung unter www.schulsport-nrw.de im Informationsfeld Service zu finden.

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