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Lernzeitenkonzepte

Ein schulisches Konzept zu Lernzeiten schafft für alle Beteiligten Verbindlichkeiten für die Lernzeitenpraxis.

Folgende exemplarische Leitfragen können für die Entwicklung, Durchführung, Evaluation und Fortschreibung eines Konzepts zu Lernzeiten hilfreich sein:

  • Werden Lernzeiten in den Fachunterricht integriert oder finden Lernzeiten außerhalb des Fachunterrichts statt?
  • Wie erfolgt die Verknüpfung von Lernzeitinhalten mit dem Fachunterricht?
  • Wie setzen sich die Lerngruppen in den Lernzeiten zusammen (Klassenverband, Jahrgang, Themenbezug etc.)?
  • Werden in der Lernzeit die individuelle Leistungsfähigkeit sowie Neigungen und Interessen aller Schülerinnen und Schüler berücksichtigt?
  • Wie führen die spezifischen Befunde pädagogischer Diagnose zu konkreten Aufgabestellungen für die einzelnen Lernenden in der Lernzeit?
  • Ergeben sich Erweiterungen bzw. Veränderungen für die Rolle der Lehrkräfte und die der Lernenden?

Mögliche Bausteine eines Lernzeitenkonzepts sind:

Pädagogische Grundlagen

  • Definition von „Lernzeiten“
  • Absprachen zu
    • Zielsetzung bzw. Funktion von Lernzeiten
    • Art und Umfang von Lernzeiten im Verhältnis zu traditionellen Formen des Fachunterrichts unter besonderer Berücksichtigung der individuellen Förderung von Schülerinnen und Schülern
    • Wie können Ergänzungsstunden sowie Fachstunden für Lernzeiten genutzt werden?
    • Lässt sich das Lernzeitenkonzept mit dem Vertretungsstundenkonzept sinnvoll kombinieren?
    • Welche Fächer bieten Lernzeiten an?
    • Gibt es unterschiedliche Regelungen für einzelne Fächer?
    • Gibt es Formen des sozialen Lernens in Lernzeiten?
    • Erfolgt die Arbeit in den Lernzeiten nicht nur individualisiert, sondern auch neigungsorientiert oder projektbezogen?
    • Aufgaben aller Beteiligten und entsprechenden Mitwirkungsmöglichkeiten
    • Rückmeldung und Feedback sowie entsprechenden Kontrollmechanismen (z. B. durch den Einsatz von Wochen-, Lern- oder Schulplanern)
    • Regeln und Ritualen für die Lernzeiten
    • Unterstützungssystemen (z. B. Schülerinnen und Schüler helfen Schülern und Schülerinnen, Selbstlernzentrum, Coaching) und Formen des Methodenlernens
    • Regelungen bei längeren Fehlzeiten von Schülerinnen und Schülern, z.B. durch individuelle Fördermaßnahmen

Organisation

    Festlegungen zum Organisationsrahmen der Lernzeiten liegen in folgenden Bereichen:
  • Regelungen und Absprachen zur Einbettung der Lernzeiten in den Stundenplan
  • Einsatz des Personals
  • Arrangement der Unterstützungs-, Förder- und Forderangebote
  • Auswahl, Gestaltung und Ausstattung der Räume für die Lernzeit
  • Entwicklung, Bereitstellung und kontinuierliche Pflege des Materials für die Lernzeit, z. B. auf der Ebene der Fachkonferenzen
  • Entscheidung über Gruppenzusammensetzungen von Schülerinnen und Schülern in den Lernzeiten
  • Entscheidung über den Einsatz von Lernzeitenplanern, Laufzetteln o. ä., damit alle Lernenden überblicken können, welche individuellen Aufgaben bis wann zu bearbeiten sind
  • Steuerung der Prozessentwicklung
  • Absprachen zu Evaluation und Fortschreibung des Lernzeitenkonzepts

Unterrichtsentwicklung

    Die Qualität von Lernzeiten ist eng verzahnt mit der Entwicklung und Gestaltung von Unterricht im Sinne einer Aufgabenkultur. Zur Überprüfung der Unterrichtspraxis auf Bedarfsorientierung und Flexibilität bieten sich folgende Fragen an:
  • Wie lassen sich aus den gezeigten Lernleistungen im Unterricht und in Klassenarbeiten bedarfsgerechte Aufgaben für die Lernzeit transparent und effizient ableiten?
  • Wie können die Lösungen der Lernzeitaufgaben wieder in den Unterricht eingebunden werden?
  • Wie werden die Lernzeiten in den (Arbeits-)Rhythmus der Schule eingepasst?

Prozessgestaltung

    Mitglieder einer Projekt- oder Steuergruppe koordinieren und gestalten den Umsetzungsprozess des Lernzeitenkonzepts und sichern die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit des Entwicklungsvorhabens. Systemische Aufgaben:
  • Dokumentation der Ergebnisse und der Vereinbarungen
  • Transparente Kommunikation in der Schulgemeinde
  • Implementierung der Veränderungsstrategien in allen schulischen Fachgruppen und Gremien
  • Evaluation der Maßnahme – prozess- und inhaltsbezogen
    (vgl. Bezirksregierung Arnsberg: Systematische Schulentwicklung. Wirksamkeit und Nachhaltigkeit schulischer Entwicklungsprozesse sichern. Arnsberg)

Ausgangspunkt der weiteren schulischen Entwicklungen ist häufig eine Bestandsaufnahme zur bisherigen Lernzeitenpraxis. Befragungen von Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern sowie anderem pädagogischen Personal führen zu einem Gesamtbild der Bedarfe und Wünsche. Die Einbettung einer solchen schulischen Bestandsaufnahme in die Konzeption Pädagogischer Tage zur Weiterentwicklung des Lernzeitenkonzepts sowie Reflexionsbögen finden sich als Anregung im Materialteil zur Schulentwicklung.

Literatur

  • Der Daltonplan in Theorie und Praxis 
    Popp, Susanne (1999): Der Daltonplan in Theorie und Praxis. Ein aktuelles reformpädagogisches Modell zur Förderung selbstständigen Lernens in der Sekundarstufe. 2. Auflage, Innsbruck, Wien: Studien-Verlag.
  • Eine Einführung in die Daltonplan-Pädagogik 
    Eichelberger, Harald (Hrsg.) (2002): Eine Einführung in die Daltonplan-Pädagogik. Innsbruck, Wien: Studien-Verlag.
  • Individuelle Förderung nach dem Dalton-Plan am Gymnasium Alsdorf
    Bock, Wilfried/Handke, Dieter (2008): Individuelle Förderung nach dem Dalton-Plan am Gymnasium Alsdorf – Ein Beispiel für pragmatische Schulentwicklung.  In: Kunze, Ingrid/Solzbacher, Claudia (Hrsg.): Individuelle Förderung in der Sekundarstufe I und II. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren, S. 215-219.
  • Rhythmisierung in Ganztagsschulen
    Kamski, Ilse/Koltermann, Saskia (2014): Rhythmisierung in Ganztagsschulen: Erprobte Praxis – funktionierende Modelle. Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag.
  • Vom klassischen Gymnasium zum Dalton-Gymnasium
    Handke, Dieter/Wüller, Martin (2010): Vom klassischen Gymnasium zum Dalton-Gymnasium. Unterricht nach dem Daltonplan. In: SchulVerwaltung. Zeitschrift für Schulleitung und Schulaufsicht H. 9, S. 233-234.
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© 2019 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 03.09.2018