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Definitionen und Ziele

Schulsozialarbeit ist ein in der Praxis und in der Wissenschaft anerkannter Arbeitsschwerpunkt in der Schule. Bis heute gibt es jedoch keine allgemeingültige Definition der Schulsozialarbeit. Beispielhaft seien hier verschiedene Ansätze zur Auslegung aufgeführt:

Prof. Dr. Karsten Speck

Schulsozialarbeit ist „ein Angebot der Jugendhilfe, bei dem sozialpädagogische Fachkräfte kontinuierlich am Ort Schule tätig sind und mit Lehrkräften auf einer verbindlich vereinbarten und gleichberechtigten Basis zusammenarbeiten, um junge Menschen in ihrer individuellen, sozialen, schulischen und beruflichen Entwicklung zu fördern, dazu beizutragen, Bildungsbenachteiligungen zu vermeiden und abzubauen, Erziehungsberechtigte und LehrerInnen bei der Erziehung und dem erzieherischen Kinder- und Jugendschutz zu beraten und zu unterstützen sowie zu einer schülerfreundlichen Umwelt beizutragen. Zu den sozialpädagogischen Angeboten und Hilfen der Schulsozialarbeit gehören insbesondere die Beratung und Begleitung von einzelnen SchülerInnen, die sozialpädagogische Gruppenarbeit, die Zusammenarbeit mit und Beratung der LehrerInnen und Erziehungsberechtigten, offene Gesprächs-, Kontakt- und Freizeitangebote, die Mitwirkung in Unterrichtsprojekten und in schulischen Gremien sowie die Kooperation und Vernetzung mit dem Gemeinwesen.“
(Karsten Speck, 2006, S. 23)

Prof. Dr. Karsten Speck ist Professor an der Universität Oldenburg und leitet dort das Institut für Pädagogik.

Gerd Stüwe u. a.

„In einer Zusammenschau betrachtet, hat die Schulsozialarbeit schließlich Zielgruppen und Aufgabenfelder erweitert und begreift sich als eigenständiges Handlungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe, um in Kooperation mit den Lehrkräften die lern- und entwicklungsförderlichen Angebote von Schulen für Kinder und Jugendliche quantitativ und qualitativ zu erweitern.“ (Stüwe/Ermel/Haupt, 2015, S. 23)

Gerd Stüwe, Nicole Ermel und Stephanie Haupt veröffentlichten 2015 das Lehrbuch Schulsozialarbeit.

Peter-Christian Kunkel

„Schulsozialarbeit ist die kontinuierliche Tätigkeit sozialpädagogischer Fachkräfte an der Schule in Zusammenarbeit mit Lehrkräften mit dem Ziel, Schüler in ihrer individuellen, sozialen und schulischen Entwicklung zu fördern, Bildungsbenachteiligungen zu vermeiden und abzubauen, Eltern und Lehrer bei der Erziehung zu beraten und bei Konflikten im Einzelfall zu helfen.“
(Kunkel, 2016, S. 2)

Peter-Christian Kunkel ist emeritierter Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Hochschule Kehl. Er erstellte im Namen des Kooperationsverbundes Schulsozialarbeit und mit Unterstützung der Max-Träger-Stiftung eine juristische Expertise zur Schulsozialarbeit.

Schulsozialarbeit in Nordrhein-Westfalen basiert auf der Grundlage des Runderlasses (PDF, 40 KB) von 2008. Daraus hat das Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalens folgende Definition zur Schulsozialarbeit formuliert:

„An vielen Schulen sind Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter tätig. Sie sind Ansprechpartner für Schülerinnen und Schüler bei Problemen allgemeiner Art, die nicht direkt mit dem Unterricht zu tun haben. Schulsozialarbeit ist eine eigenständige, im Schulalltag verankerte Institution, die verschiedene Leistungen der Jugendhilfe wie Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, erzieherischen Kinder- und Jugendschutz sowie die Förderung der Kinder in Familien miteinander verbindet. Für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern öffnet die Schulsozialarbeit neue Zugänge zum Leistungsangebot der Jugendhilfe und erweitert deren präventive, integrative und kurative Handlungsmöglichkeiten."

Die Schulsozialarbeit stellt somit einen eigenständigen pädagogischen Arbeitsbereich in Schule dar. Sie ergänzt den schulischen Bildungs- und Erziehungsauftrag durch sozialpädagogische Handlungskompetenzen, Arbeitsformen und Zielbestimmungen, die auf systemische Sichtweise, Ressourcenorientierung und Individualität aufbauen.

Die Maßnahmen der Schulsozialarbeit zielen „auf eine ganzheitliche Lebensbewältigung ab, die die schulische Lebensbewältigung einschließt. Lebensbewältigung ist nicht mit einer ausschließlichen Krisenbewältigung gleichzusetzen. Schulsozialarbeit hat vielmehr den Auftrag, der Förderung des jungen Menschen als Ganzes gerecht zu werden und orientiert sich damit an den im § 1 SGB VIII festgelegten Handlungsmaximen.“ (Stüwe/Ermel/Haupt, 2015, S. 31).
Die Schulsozialarbeit richtet sich fachlich systemisch, präventiv, partizipativ und auf den Sozialraum aus.

Die Ziele der Schulsozialarbeit im Kontext des Bildungs- und Erziehungsauftrages von Schule und des Sozialgesetzbuchs sind zusammengefasst:

  • Unterstützung der Kinder und Jugendlichen bei ihrem individuellen Bildungs- und Lebensweg
  • Einbeziehung  der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler in den Schulalltag
  • Enge Kooperation mit den Erziehungsberechtigten
  • Enge Kooperation mit dem Sozialraum und bildungsrelevanten Institutionen und Einrichtungen

 

Weiterführende Informationen

    • Welche Aufgaben hat die Schulsozialarbeit? Geschichte, rechtliche Grundlagen und fachliche Profilbildung
      Pötter, Nicole (2014): Welche Aufgaben hat die Schulsozialarbeit? Geschichte, rechtliche Grundlagen und fachliche Profilbildung. Archiv für Wissenschaft und Praxis der Sozialen Arbeit 45 (1), S. 4-15.
    • Integrierte Schulsozialarbeit als Subsystem von Schulentwicklung
      Schmittchen, Sybille (2005): Integrierte Schulsozialarbeit als Subsystem von Schulentwicklung. Theoretische Analyse zu systemischen Herausforderungen und empirische Befunde zur Lehrereinstellung. Göttingen: Cuvillier.
    • Qualität und Evaluation in der Schulsozialarbeit. Konzepte, Rahmenbedingungen und Wirkungen
      Speck, Karsten (2006): Qualität und Evaluation in der Schulsozialarbeit. Konzepte, Rahmenbedingungen und Wirkungen. Wiesbaden: VS Verlag.
    • Lehrbuch Schulsozialarbeit
      Stüwe, Gerd/Ermel, Nicole/Haupt, Stephanie (2015): Lehrbuch Schulsozialarbeit. Weinheim Basel: BeltzJuventa.
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© 2019 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 07.05.2019