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Historischer Aufriss

Die Schulsozialarbeit hat in Nordrhein-Westfalen eine besondere Geschichte. Sie ist eng mit der Entwicklung der Gesamtschulen verbunden. Schulsozialarbeit hat sich seitdem sukzessive verändert und profiliert.

Ab 1970

Die ersten Fachkräfte für Schulsozialarbeit wurden im Schuljahr 1973/74 im Landesdienst auf Lehrerstellen eingestellt. Im Rahmen der Bildungsreform bekam Schulsozialarbeit den Auftrag, Bildungsbenachteiligung auszugleichen. „Erwartet wurden … eine Verbesserung der Chancengleichheit, eine Aktivierung von Begabungsreserven, ein Abbau von sozialer Benachteiligung sowie eine Förderung des sozialen Lernens.“ (Speck, 2013, S. 22).

„Die Schulsozialarbeit kann die Defizite unseres Schulsystems ausgleichen helfen.“, so formulierte Abels 1971 (vgl. Speck, 2014, S. 38) den Auftrag und die Ziele der Schulsozialarbeit.
In Nordrhein-Westfalen wurde der Einsatz der Fachkräfte für Schulsozialarbeit früh thematisiert. Der Runderlass „Personalmaßnahmen im Gesamtschulversuch“ vom 03.11.1972 ermöglichte den Einsatz von Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen. Im Rahmen ihrer Arbeitszeit von 40 Stunden sollten sie mindestens 30 Wochenstunden mit Schülergruppen arbeiten. Die Stunden wurden über den Ganztagsschulzuschlag finanziert.
1976 folgte dann der erste Erlass über den „Einsatz von sozialpädagogischen Fachkräften an Gesamtschulen im Ganztagsbetrieb“. Drei beispielhafte Aufgabenfelder werden aufgeführt:

  • Betreuung sowie Anleitung von Schülerinnen- und Schülergruppen im außerunterrichtlichen Bereich
  • Beratung von Schülerinnen und Schülern
  • Mitarbeit bei der Organisation des Freizeitbereichs

Ab 1980

In den 80er Jahren verschob sich der Schwerpunkt auf die Kooperation von Jugendhilfe und Schule. Es galt, die Jugendhilfe dauerhaft in Schule einzubinden. In Nordrhein-Westfalen wurden mit Wirkung vom 01.08.1980 die Arbeitsverträge der Fachkräfte für Schulsozialarbeit an Gesamtschulen entfristet. Zudem wurden weitere Gesamtschulen gegründet und damit weitere Fachkräfte für Schulsozialarbeit eingestellt. 80 Fachkräfte der Schulsozialarbeit konnten 1989 erstmalig im Gesamtschulkapitel veranschlagt werden. Der Ganztagszuschlag wurde entsprechend gekürzt (vgl. Rosarius/Thünken, 2011, S. 2).

Ab 1990

Die Schulsozialarbeit erfuhr einen neuen Schub durch die Reform des Kinder- und Jugendhilfegesetzes. Mit § 13 Jugendsozialarbeit wurde eine Basis für die Schulsozialarbeit gelegt. Zu den Landesstellen kamen nun auch vielerorts Stellen in der öffentlichen und freien Jugendhilfe hinzu. Wilfried Wulfers beschreibt die Schulsozialarbeit jener Jahre als ein Instrument, das Diskrepanzen und Konflikte zwischen allen Beteiligten in Schule abbaut und so eine Öffnung von Schule und eine Verbesserung des Schulklimas bewirken kann (vgl. Wulfers, 1996, S. 28 zitiert in Speck, 2010, S. 21).

Schulsozialarbeit bekam zunehmend den Auftrag, auch präventive und intervenierende Hilfen in Schule zu leisten.
1991 wurde ein überarbeiteter Erlass für sozialpädagogische Fachkräfte an Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht. Die Aufgabenschwerpunkte der Schulsozialarbeit waren:

  • Arbeit im Ganztagsbereich der Schule: Planung und Verwaltung des Ganztagskonzeptes und der Freizeitangebote
  • Sozialpädagogische Hilfen, wie Beratung und soziale Gruppenarbeit

Die Schulsozialarbeit erfuhr zudem Unterstützung durch die Einführung des „Zeitbudgets für besondere Aufgaben“, eines Förderprogramms, welches die Entwicklung, Erprobung und Sicherung neuer Formen des Lernens und der Zusammenarbeit innerhalb der Schule mit außerschulischen Partnern zum Ziel hatte (vgl. Rosarius/Thünken, 2011, S. 6).

In den 90ern wurden Fachkräfte für Schulsozialarbeit auch an Real- und Hauptschulen eingestellt.

Ab 2000

Mit dem neuen Jahrtausend wurde Schulsozialarbeit quantitativ deutlich ausgebaut und in allen Schulformen eingeführt. Diese Entwicklung hatte verschiedene Ursachen: Zum einen bewirkten die internationalen Schulvergleichsstudien wie PISA einen anderen Blick auf Bildung. Die Konzepte zum Ganztag und zu den kommunalen Bildungslandschaften stärkten das Gesamtsystem Bildung und Erziehung. Im Besonderen wurde im 12. Kinder- und Jugendbericht von 2005 die Rolle der Schulsozialarbeit im Bereich Bildung hervorgehoben.

Im neuen Schulgesetz (SchulG) wurde in § 5 die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern und in § 58 die mit den pädagogischen und sozialpädagogischen Fachkräften geregelt. Der Erlass „Beschäftigung von Fachkräften für Schulsozialarbeit in Nordrhein-Westfalen" (PDF, 40 KB) wurde 2008 zum dritten Mal überarbeitet. Mit diesem Erlass wurde erstmalig der Einsatz der Fachkräfte für Schulsozialarbeit in allen Schulformen ermöglicht. Die Arbeitsschwerpunkte liegen auf der Steuerung der Kooperation mit bildungsrelevanten außerschulischen Partnern, auf den sozialpädagogischen Hilfen und der Unterstützung durch Planung und Durchführung der den Unterricht ergänzenden schulischen Angebote.

Ab 2010

Auch in diesem Jahrzehnt wird die Schulsozialarbeit weiter gestärkt. Das Bildungs- und Teilhabegesetz, welches für die Schulsozialarbeit ab 2011 griff, ermöglichte einen weiteren starken Ausbau der Schulsozialarbeit im Rahmen der Jugendhilfe. Das Land Nordrhein-Westfalen setzt Fachkräfte nach § 72 SGB VIII (z.B. Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Erzieherinnen und Erzieher mit Hochschulabschluss) in den multiprofessionellen Teams (siehe Erlass „Soziale Arbeit an Schulen zur Integration durch Bildung für neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler („Multiprofessionelle Teams")" (PDF, 390 KB)) ein, die die Integration durch Bildung für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche stärken sollen.

 

Weiterführende Informationen

    • 12. Kinder- und Jugendbericht - "Bildung, Betreuung und Erziehung vor und neben der Schule"
      Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2005): 12. Kinder- und Jugendbericht - "Bildung, Betreuung und Erziehung vor und neben der Schule". Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. Berlin: Eigenverlag. 
    • 38 Jahre Schulsozialarbeit in Nordrhein-Westfalen aus Schulsicht
      Rosarius, Rudolf/Thünken, Ulrich (2011): 38 Jahre Schulsozialarbeit in Nordrhein-Westfalen aus Schulsicht. In: LWL-Landesjugendamt Westfalen: jugendhilfe aktuell. Schwerpunktthema Schulsozialarbeit. Münster: Eigenverlag. Heft 2/2011. S. 5-11.
    • Bildungsreform und Sozialarbeit
      Speck, Karsten (2013): Bildungsreform und Sozialarbeit. Eine Analyse der Reformerwartungen und –potenziale von Schulsozialarbeit aus historischer, empirischer und förderpolitischer Perspektive. In: Spies, Anke (2013): Schulsozialarbeit in der Bildungslandschaft. Möglichkeiten und Grenzen des Reformpotentials. Wiesbaden: Springer, S. 21-46. 
    • Schulsozialarbeit
      Wulfers, W. (1996): Schulsozialarbeit. Ein Beitrag zur Öffnung, Humanisierung und Demokratisierung der Schule. 5. Aufl., Hamburg. In: Speck, Karsten (2010): Qualität und Evaluation in der Schulsozialarbeit. Konzepte, Rahmenbedingungen und Wirkungen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
    • Schulsozialarbeit. Eine Einführung
      Speck, Karsten (2014): Schulsozialarbeit. Eine Einführung. München/Basel: Reinhardt Verlag.
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© 2019 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 07.05.2019