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Themenfeld 5: "Ernährung"

Methodisch-didaktische Überlegungen

Zum Thema „Ernährung“ bietet sich der kontrastive Ansatz an. Nach der Erarbeitung der Wortfelder und der kommunikativen Strukturen stellen die Schülerinnen und Schüler in Einzel- oder Gruppenarbeit ein Menü oder einen Essensplan für einen Tag aus ihrem Herkunftsland vor. Alternativ entwickeln die Lernenden für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler einen Dialog für einen Besuch in einem landestypischen Restaurant. Auf diese Weise hat jede Schülerin/jeder Schüler die Möglichkeit, den anderen ihre/seine Esskultur und die hiermit verbundenen Traditionen zu erläutern und gleichzeitig von neuen Informationen zur Ernährung, die durch die Mitschülerinnen und Mitschüler präsentiert werden, zu profitieren.

Vorgangsbeschreibung: Rezept
Zur schriftlichen Auseinandersetzung mit dem Themenfeld „Ernährung“ bietet es sich an, eine Vorgangsbeschreibung in Form eines Rezepts zu verfassen.

Die Schülerinnen und Schüler werden mit der Textsorte „Rezept“ vertraut gemacht, indem sie den für die Vorgangsbeschreibung relevanten Wortschatz sammeln und die Struktur eines Rezepts erfassen.

Die Vorgangsbeschreibung baut thematisch auf den in vorausgegangenen Stunden erarbeiteten Wortfeldern zu Arbeitsmaterialien (z. B. Herd, Messer, Holzlöffel, Dosenöffner etc.) und Zutaten (Gemüsesorten, Obstsorten, Gewürze etc.) sowie auf erlernten grammatischen Strukturen (Konjunktionen wie: zuerst, anschließend, zuletzt und Verben wie: nehmen, rühren, köcheln) auf.

Rezepte können nach der Methode des Scaffoldings auf unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen geschrieben werden. In der ersten Übung (Zuordnen der Begriffe in die richtigen Spalten des Arbeitsblatts „Mein Rezept“) wird der Wortschatz zu den Wortfeldern „Arbeitsmaterialien“ und „Zutaten“ wiederholt. Diese Aufgabe kann sowohl in Einzel- als auch in Partnerarbeit durchgeführt werden.

Die zweite Übung des Beschreibens der Zubereitung eines Gerichts erfordert auch das Anwenden grammatischer Strukturen (Konjunktionen, Verben), so dass sich eine strukturierte Abfolge der einzelnen Arbeitsschritte des Rezeptes ergibt. Bei dieser Aufgabenstellung ist die Wahl der Sozialform „Gruppenarbeit“ möglich. Für die dritte Übung, die kreative Schreibaufgabe „Erstellen eines Rezeptes aus dem Heimatland“, erhalten die Schülerinnen und Schüler eine Vorlage für ein Rezept und erarbeiten selbstständig in Gruppen- oder Einzelarbeit ein neues Rezept aus ihrem Herkunftsland. Dabei wenden sie die bereits gelernten Wortfelder (Fachwörter) sowie grammatischen Strukturen an und beachten die richtige und verständliche Reihenfolge der Arbeitsschritte bei der Ausführung eines Rezeptes.

Ein möglicher methodischer Zwischenschritt vor dem Erstellen eines neuen Rezeptes könnte auch die Zusammenstellung der Merkmale einer Vorgangsbeschreibung (z. B. abwechslungsreiches Formulieren der Satzanfänge, sachliche und knappe Darstellung der Arbeitsschritte, Verwendung des Präsens etc.) sein. Die Schülerinnen und Schüler können z. B. den Text „Zubereitung einer Tomatensuppe“ (2. Übung) bezogen auf die Merkmale eines Rezeptes untersuchen. Das „Lernen an Stationen“ (mit Wahl-und Pflichtaufgaben) kann als alternative, offene Lernform bei Lerngruppen gut einsetzt werden. Jede Station kann eine dem Lernstand entsprechende Aufgabe beinhalten, z. B. Einkaufszettel vorbereiten, Bilder/Wörter puzzlen, Zutaten- und Arbeitsmateriallisten erstellen, einen Obstsalat zubereiten.

Die Unterrichtseinheit „Wir verfassen ein Kochbuch“, herausgegeben von proDaZ enthält weitere Anregungen zu diesem Themenfeld.

Memory
Beim Memory werden Spielkarten benötigt, die Paare bilden. Man kann Bildern oder Symbolen Bezeichnungen bzw. Begriffe oder Phrasen zuordnen oder Bild- bzw. Textpaare bilden. Die Herkunftssprachen von Schülerinnen und Schülern der Klasse können auf den Memory-Karten ebenfalls verwendet werden. Die Lernenden können bei dieser Methode einerseits spielerisch ihr eigenes Erinnerungsvermögen sowie ihren Lernfortschritt testen und sich andererseits mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern messen.

Bei der Durchführung sollte die Klasse in mehrere Kleingruppen von drei bis vier Schülerinnen und Schülern eingeteilt werden. Die Memory-Karten der Gruppe werden verdeckt ausgelegt. Anschließend decken die Spielerinnen und Spieler der Reihe nach jeweils zwei Karten auf. Passen die beiden Karten zusammen, behält die Spielerin/der Spieler, der gerade an der Reihe ist, das Set. Wenn die beiden Karten nicht zusammengehören, werden die Karten wieder umgedreht auf den Tisch gelegt und die/der Nächste deckt zwei Karten auf. Das Spiel ist beendet, wenn alle Paare gefunden wurden. Gewonnen hat die Schülerin/der Schüler, die/der am Ende den größten Stapel an Paaren gesammelt hat.

Beispiel: Memory zur Übung und Festigung des Wortschatzes zum Thema „Ernährung“
Die im Materialteil bereitgestellte Vorlage der Memory-Karten wird pro Gruppe einmal ausgedruckt, ggf. laminiert und ausgeschnitten. Die Lehrkraft erläutert die Spielregeln, bei Bedarf hängt/schreibt sie sie für alle sichtbar auf. Um einen bestmöglichen Übungseffekt zu erreichen, sollten die Begriffe für die Lebensmittel, die auf den Karten abgebildet sind, vorher eingeführt worden sein. Zusätzliche Memory-Karten mit eigenen Fotos können ergänzt werden. Es bietet sich an, auch Lebensmittel zu verwenden, die in den Herkunftsländern der Schülerinnen und Schüler häufig gegessen werden. Darüber hinaus sollte beachtet werden, dass manche Obst- oder Gemüsesorten in verschiedenen Ländern unbekannt sind oder andere Farben haben (z. B. Paprika und Zucchini), was bei den Schülerinnen und Schülern zu Irritationen führen kann.

Einsatz digitaler Medien

Anhand von Internetrecherchen können die Schülerinnen und Schüler eigeninitiativ und selbstständig in unterschiedlichen Quellen nach Rezepten aus ihren Herkunftsländern suchen und geeignete Kochrezepte für ihre Präsentation auswählen und anpassen.

Bei der Textproduktion können von den Schülerinnen und Schülern im Familienkreis Fotos von zubereiteten Speisen aufgenommen werden und zur Veranschaulichung für Collagen oder Präsentationen verwendet werden.

Das Memory oder andere interaktive Übungen können auch als LearningApps durchgeführt werden, die zuvor durch die Lehrkraft oder Schülerinnen und Schüler erstellt wurden. Im Materialpaket Schule und Zuwanderung sowie untenauf dieser Seite stehen beispielhafte LearningApps zu diesem Themenfeld zur Verfügung.

Ggf. kann mit Hilfe eines Smartphones ein kurzes Erklärvideo zu einem ausgewählten Rezept gedreht werden. Erklärvideos von YouTube können angeschaut und bei entsprechender Ausstattung nachgekocht werden. Anregungen zur Produktion von Erklärvideos im Unterricht werden von Film und Schule NRW zum Download angeboten.

Nutzung außerschulischer Lernorte

Um die Bezeichnungen von Lebensmitteln kennenzulernen, bietet sich ein Besuch im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt an.
Im Rahmen von Projektunterricht an außerschulischen Orten, wie z. B. einer Bäckerei, können anhand vorher im Unterricht ausgewählter Rezepte Brote und Backwaren zubereitet werden. Dadurch werden nicht nur die im Unterricht aufgearbeiteten Themenkomplexe vertieft und veranschaulicht, sondern auch ein handlungsorientiertes Lernen über verschiedene Sinneskanäle gefördert.

Sensibilisierung für kulturelle Unterschiede

Das Thema „Ernährung“ ist für neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler besonders sensibel. Die Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund bringen landesspezifi sche Essgewohnheiten und -rituale mit, die sich von den in Deutschland üblichen Vorstellungen unterscheiden können.
Dies betrifft:

  • die Essenszeiten (Wann finden die Hauptmahlzeiten statt? usw.)
  • die Zubereitung von Speisen (Was wird roh oder gegart gegessen?, Wann wird warm oder kalt gegessen? usw.)
  • die Verarbeitung von Lebensmitteln (Wird Brot geschnitten oder gebrochen, wird Butter auf das Brot gestrichen? usw.)
  • die Definition von gesunder Ernährung (Sind Weißmehlprodukte gesund oder nicht? usw.)
  • religiöse Vorschriften zum Verzehr von Speisen (koscher, Halāl usw.)
  • die Zusammenstellung der Lebensmittelgruppen (Wichtigkeit von Fleisch, Fleischarten usw.)
  • die Definition von Lebensmitteln als Grundnahrungsmittel (Kartoffeln, Oliven, Brot, Reis usw.)
  • die Nutzung von Gewürzen (Knoblauch, Zwiebeln, Schärfe von Mahlzeiten usw.)
  • Tischgewohnheiten (Wird mit Besteck oder mit den Händen gegessen?, Esse ich den Teller leer oder lasse ich Reste übrig?, Erfolgt eine Aufforderung zum Essen?, Welche Menge an Essen wird dargeboten? usw.)
  • die Zubereitung der Mahlzeiten und weitere Vorbereitungen (Wer kocht und deckt den Tisch?, Wer räumt ab?, Wer spült? usw.)

Im Zusammenhang mit Ernährung spielen die Sinne eine große Rolle. Beispielsweise kann auf einen fremdartigen Geschmack oder Geruch mit starker emotionaler Ablehnung reagiert werden. Ebenso können Verhaltensweisen wie das Essen mit der Hand oder das Schmatzen beim Essen irritierend auf andere wirken. Daher sollte die Lehrkraft im Unterricht hierfür sensibilisieren.

Materialien

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© 2019 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 27.06.2019