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Themenfeld 3: "In der Stadt"

Methodisch-didaktische Überlegungen

Das Thema „Schulumfeld/Wohnumgebung“ ist von hoher Relevanz für die Gruppe der neu zugewanderten Schülerinnen und Schüler und sollte daher frühzeitig im Unterricht behandelt werden.

Sprachanalytisch wird deutlich, dass es zu diesem Thema eine Vielzahl an Nomen gibt, die gelernt werden müssen. Bezüglich der Grammatik kommen hier Besonderheiten der deutschen Sprache zum Tragen, die zu diesem Zeitpunkt des Zweitspracherwerbs eventuell noch nicht beherrscht werden (Inversion, Verbklammer, Nutzung des Dativs). Je nach Sprachstand sollte dies bei der Unterrichtsplanung berücksichtigt werden (z. B. Arbeit mit feststehenden Satzbausteinen – „mit der U-Bahn“, „mit dem Fahrrad“ usw. an Stelle von eigenständiger Dativverwendung).

Je nach Alter der Lernenden, der Urbanität des Wohnorts und der Beschaffenheit der Schulumgebung sollte ebenfalls reflektiert werden, inwieweit Exkursionen zu wichtigen Anlaufstellen, (z. B. Bahnhof, Bücherei, Schwimmbad) sinnvoll sind oder ob die Schülerinnen und Schüler für sie bedeutsame örtliche Gegebenheiten selbstständig, ggf. anhand vorgegebener Aufgaben, erkunden können.

Es ist von zentraler Bedeutung, dass die Schülerinnen und Schüler frühzeitig das Gefühl der Selbstwirksamkeit sowie Selbstvertrauen im Umgang mit dem Thema entwickeln können. Dies gelingt am besten auf kurzen Wegen rund um das eigene Schul- und Wohnviertel. Hierdurch können eventuell bestehende Ängste vor dem Verlassen des „sicheren“ Umfeldes abgebaut werden. Durch die Erkundung der Stadt zusammen mit einer Lehrkraft und Schulkameradinnen und -kameraden können Perspektiven der eigenen sprachlichen Entwicklung wahrgenommen werden.

Man kann die neue Stadt außerdem im Rahmen von Rallyes oder Exkursionen erforschen: Sehenswürdigkeiten, Museen, Theater, Kinos, Denkmäler, Schlösser, Burgen, Parks, aber auch Bäckereien und Eiscafés können unbekannte und interessante Örtlichkeiten sein.

Zunächst erfolgt die Vorbereitungsarbeit im Unterricht. Die Lehrkraft erweitert die themenspezifische Sprachkompetenz durch die Einführung und Erarbeitung neuer lexikalischer Einheiten (Wortfeldarbeit). Bildwörterbücher sind in dieser Phase besonders hilfreich. Im Unterrichtsgespräch kann das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler abgerufen werden, indem besprochen wird, was die Lernenden bereits in der Stadt gesehen haben, welche Orte sie besonders gern besuchen oder welche Örtlichkeiten sie Touristinnen und Touristen empfehlen würden.
Um Unterrichtsgänge vorzubereiten, bietet sich die Sammlung von Ideen mit Hilfe der Mindmap-Methode an. Hierbei können Wörter oder auch Fotos zusammengetragen werden, die dann die Grundlage für die Entscheidungsfindung bieten, welche Orte man im Laufe des Schuljahres mit der Lerngruppe besuchen möchte und welche ggf. mit den Eltern aufgesucht werden können.

Als vorbereitende Aufgabe können die Lernenden sich online über verschiedene Sehenswürdigkeiten informieren und die gefundenen Informationen im Plenum vorstellen.Hierzu ist beispielsweise folgende Arbeitsanweisung möglich:

"Wir bereiten uns auf eine Abenteuerreise in unserer Stadt vor. Hier ist eine Liste mit besonderen Orten, die wir besuchen werden.Sucht euch einen Ort aus, für den ihr euch besonders interessiert. Danach bilden wir Gruppen, so dass Schülerinnen und Schüler, die sich für denselben Ort interessieren, zusammenarbeiten können. Bereitet in Gruppen für euren Ort eine Präsentation vor, die ihr euren Klassenkameradinnen und –kameraden vorstellt."

Die Liste mit Örtlichkeiten kann an der Tafel ausgehängt oder als Handout an die Schülerinnen und Schüler verteilt werden.

Als Beispiel für eine solche Liste kann die folgende Aufzählung für die Stadt Essen dienen: der Gruga-Park, das Schloss Borbeck, das Kino „Lichtburg“, das Grillo-Theater, die Münsterkirche, die Philharmonie, das Alfred-Krupp-Denkmal, das Folkwang-Museum etc.

Je nach Altersstufe und sprachlichem Kenntnisstand bereiten die Schülerinnen und Schüler einen Vortrag von 5 – 15 Sätzen vor, den sie im Plenum präsentieren.

Während der abschließenden Rallye oder Stadtführung kann jede Gruppe den übrigen Gruppen über die „erforschte“ Sehenswürdigkeit Auskünfte erteilen. Denkbar ist auch die Erkundung eines bestimmten Ortes unter Zuhilfenahme eines zuvor erarbeiteten Fragenkatalogs, um Neues über die eigene Stadt zu erfahren. Generell ist es bei Exkursionen immer wünschenswert, dass auch Eltern teilnehmen.

Sollten die finanziellen und personellen Ressourcen für Unterrichtsgänge fehlen, kann alternativ eine virtuelle Führung im Klassenraum arrangiert werden.

Bei geographischen Aufgaben, die auf den Regelunterricht vorbereiten, bietet sich die Arbeit mit Skizzen, Karten, Luftbildern und Tabellen an.

Einsatz digitaler Medien

Learning Apps
Learning Apps unterstützen die Lern- und Lehrprozesse als interaktive Bausteine (siehe auch S. 32). Beispielhafte Learning Apps zum Thema „Verkehr“ finden Sie unten auf dieser Seite.

Digitale Karten
Zusätzlich zu Stadtplänen in Printform können auch digitale Karten oder Navigationssysteme genutzt werden. Die unterschiedlichen Darstellungen bieten sich für einen Vergleich an. Schülerinnen und Schüler werden angeregt, für einen vorgegebenen Weg die Ansage eines Navigationssystems aufzunehmen.

Nutzung außerschulischer Lernorte

Stadt- und Fahrpläne
Um die Orientierung in der Stadt zu erleichtern, ist es wichtig, den Umgang mit dem Stadtplan und ggf. die Nutzung des Liniennetzes der öffentlichen Verkehrsmittel einzuüben. Nach einer Einführung in der Klasse bietet das Lebensumfeld viele Gelegenheiten zur Anwendung.
Hierzu bieten sich folgende Methoden an:
Auffinden eines vorgegebenen Ziels durch die Nutzung eines Stadtplans oder einer elektronischen Karte,

  • Auffinden eines vorgegebenen Ziels durch Befragen von Passantinnen und Passanten,
  • Nutzung der App „BIPARCOURS“ zur Durchführung einer interaktiven Schnitzeljagd (siehe auch Kapitel 5.5),
  • Entnehmen von Informationen von Aushängen, Hinweistafeln und -schildern, elektronischen Anzeigen usw.,
  • Erreichen eines Treffpunkts durch Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs mit vorgegebenen Arbeitsanweisungen.

Die Unterrichtseinheit „Wegbeschreibung“, herausgegeben von proDaZ, enthält weitere Anregungen zu diesem Themenfeld.

Sensibilisierung für kulturelle Unterschiede

Neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler kommen möglicherweise aus einer Lebenswelt, die sich in vielerlei Hinsicht von dem neuen Umfeld in Deutschland unterscheidet. Ländliche oder urbane Umgebung, Infrastruktur und Straßenverkehr, Schulwege und öffentliche Verkehrsmittel, Gefahren durch Verkehrsdichte und Verbindlichkeit von Verkehrsregelungen – je nach Vorerfahrung, neuem Wohnort und Schulweg ergeben sich nicht nur viele neue Lernmöglichkeiten, sondern auch Gefahren im Alltag.
Herausforderungen zum Thema „In der Stadt“ sind allgegenwärtig und begegnen den neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern täglich. Alltagshandlungen wie das Einkaufen, der Schul-, Amts- oder Arztbesuch, die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel o. Ä. sind den Lernenden in der Regel aus ihren Herkunftsländern oder auch aus ihrer bisherigen Aufenthaltszeit in Deutschland zwar bekannt, können sich jedoch höchst unterschiedlich gestalten (z. B. Verbindlichkeit von Verkehrsregeln, Terminvergabe bei Ärzten und Behörden, Preisgestaltung auf Märkten). Darüber hinaus kennen manche Kinder und Jugendliche öffentliche Orte wie Schwimmbäder, Bibliotheken oder Theater nicht und müssen dortige Verhaltensregeln kennen lernen.
Bei der Planung von Unterrichtsgängen sollten Lehrkräfte berücksichtigen, dass die Gegebenheiten und Regeln im deutschen Straßenverkehr möglicherweise unbekannt sind und somit Gefahren bergen können.

Materialien


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© 2019 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 27.06.2019