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Ganzschriftauswahl im Rahmen des Unterrichtsvorhabens 8.3 - 1. Sequenz: Lebenswege in literarischen Texten - Umgang mit einer Ganzschrift

Im Rahmen dieser Sequenz bietet es sich an, dass Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Lektüren arbeiten. Im Folgenden werden zunächst Hinweise gegeben, nach welchen Kriterien man Bücher kompetenzorientiert auswählen kann, dann werden Möglichkeiten vorgestellt, wo nach geeigneten Lektüren für Jugendliche recherchiert werden kann. Aus sonderpädagogischer Perspektive werden Hinweise gegeben, welche Unterstützungsmöglichkeiten sich für zieldifferente Lernerinnen und Lerner als hilfreich erwiesen haben.

1) Kriterien zur kompetenzorientierten Bücherauswahl

Zu einem thematischen Schwerpunkt unterschiedliche Bücher zusammenzustellen, ist durch heutige Hilfsmittel wie den digitalen Katalogen und den Online-Buchhandelsangeboten von zuhause durchzuführen. Darüber hinaus gibt es in vielen Büchereien das Angebot, sich Bücherkisten von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren zusammenstellen zu lassen.

Im Folgenden zeigt eine Übersicht aus dem Referenzrahmen Literatur, wie man Bücher nach Anspruchsniveau und lernseitigen Voraussetzungen klassifizieren kann.

LiFT-2 Referenzrahmen Literatur
( http://de.literaryframework.eu/   Kontakt: irene.pieper@uni-hildesheim.de;  bianca.strutz@uni-hildesheim.de)

Nur für Sekundarstufe II

Level 1

Erfahrungs-
orientiertes Lesen

Level 2

Beteiligtes, interessiertes Lesen

Level 3

Erkundendes
Lesen

Level 4

Fokussierendes, reflektierendes Lesen

Level 5

Kontextuali-
sierendes Lesen

Level 6

Propädeutisches Lesen

Schüler-
innen und Schüler

Leseerfah-rungen

…haben zumindest durch die Schule Erfahrungen mit fiktionaler Literatur.

…verfügen über einige lohnende Leseerfahrungen.

…haben gute Erfahrungen mit populärer und Jugendliteratur.

…haben einige Erfahrungen mit anspruchsvollen literarischen Texten.

…haben breite Erfahrungen mit verschiedenen literarischen Werken, Gattungen oder Genres.

…haben breite Kenntnis literarischer Texte aus verschiedenen Epochen, Stilen und Kulturen.

Interessen

…interessieren sich für Bezüge zum eigenen Umfeld, auch für fantastische Welten.

…sind hauptsächlich an konkreten sozialen Problemen interessiert.

…haben Interesse daran, die in den Büchern vorgestellten (unbekannten) Welten zu erkunden.

...sind interessiert an Themen jenseits ihrer eigenen Erfahrungen.

…sind offen für vielfältige Themen, Figuren, "kanonische" Texte und theoretische Fragen.

…haben umfangreiche Interessen, auch für Ästhetik, Stil und die jeweilige Poetik der AutorInnen.

Allgemein-wissen

…haben einen Wissenshorizont, der ihrer Lebenswelt/ihrer unmittelbaren Umgebung entspricht.

…haben grundlegendes Allgemeinwissen.

…haben einige persönliche Interessen und entwickeln darin ausgebauteres Spezialwissen.

…haben durchschnittliches Allgemeinwissen über Welt und Gesellschaft, das es ihnen erlaubt, sich eine fundiertere Meinung zu bilden.

…haben einen hohen Standard an Allgemeinwissen, der es ihnen erlaubt, auch neue Kontexte zu erschließen.

…haben vielfältiges historisches und kulturelles Wissen, das sie für den Lesekontext aktivieren können.

Literarisches Fachwissen

…lesen mit grundsätzlichen Genreerwartungen.

…sind sich verschiedener Genres, Gattungen und ihrer eigenen Interessen bewusster.

…kennen einige berühmte und populäre Autoren sowie elementare erzählerische Kategorien (z. Bsp. Zeit, Raum, Figur).

…haben Kenntnisse einiger narrativer Kategorien (Figuren und Erzähler, Plot. Perspektive).

…haben Werkzeuge und Termini zur Verfügung, die sie befähigen, über narrative Strukturen und Stile zu kommunizieren.

…können Literatur aus verschiedenen Perspektiven erschließen.

Bücher

Stil

Vertraute und lebendige Sprache, literarisch einfach. Auch Komik.

Komplexere literarische Sprache, Ansätze von Ambiguität, komplexere rhetorische Figuren.

Stilistische Diversität; ausdrucksstarke Sprache.

Herausfordernde literarische Sprache (z. Bsp. durch historischen Abstand)

Experimenteller poetischer und metapoetischer Sprachgebrauch.

Figuren

Wenige Figuren in klar beschriebenen Beziehungen, teilen Alter und Beschäftigungen / Interessen der LeserInnen.

Figuren und deren Beziehungen sind klar ausgearbeitet, mit vorhersehbaren Entwicklungen.

Komplexere, weniger vorhersehbare Figuren und Beziehungen sind möglich. Identifikation ist wichtig.

Ambivalentere und facettenreiche Figuren und Beziehungen, weniger zur Identifikation geeignet.

Figuren und Beziehungen können komplex, ambivalent und/oder unvorhersehbar sein und in komplexem historischen Kontext stehen.

Das Buch könnte es verlangen, Bezüge zu klassischen Vorbildern herzustellen, sowie mit Funktionen narrativer Elemente (wie den Figuren) experimentieren

Plot

Fesselnder, aufregender Plot mit Spannung. Geschlossene und befriedigende Schlüsse.

Fesselnder, aufregender Plot mit Spannung, offene Enden sind möglich.

Handlung kann unterbrochen werden und muss nicht immer explizit sein. Offene Enden.

Verschiedene Handlungs-
rhythmen: Beschreibungen, Reflexionen, Dialoge, Monologe.

Ereignisse stehen nicht länger im Mittelpunkt des Textes und/oder haben eine symbolische / implizite / allgemeinere Bedeutung.

Chronologie

Linear, aber auch mit einigen Zeitsprüngen zur Spannungs-
erzeugung.

Zeitsprünge und wechselnde Perspektiven, die klar gekennzeichnet sind.

Rückblicke oder Vorwegnahmen, implizite Zeitsprünge sind möglich.

Verschiedene Zeitebenen, nichtlineare Handlungsführung.

Subjektive und relative Zeitordnung. Verschiedene Zeitebenen und Sprünge.

Handlungs-stränge

Übersichtliche Handlungsführung.

Verschiedene Handlungsstränge, die klar aufeinander bezogen sind.

Verschiedene Handlungs-
stränge, nicht immer explizit aufeinander bezogen.

Verschiedene Erzählstränge, ohne explizite Verbindungen.

Viele verschränkte Erzählstränge verlangen die kreative Beteiligung des Lesers, um sie zusammen-
zufügen.

Tragende metafiktionale Passagen.

Perspektive

Erste oder dritte Person Singular.

Verschiedene Perspektiven, die klar gekennzeichnet sind.

Verschiedene Perspektiven, die nicht immer deutlich abgegrenzt sein müssen.

Multiperspektivität, wenn sie nicht zu experimentell ist.

Eher intransparente Perspektivwechsel.

Bedeutung

Einfach aufbereitete Themen, die Jugendliche ansprechen.

Einfache, eher nicht-mehrdeutige Aussagen.

Verschiedene Bedeutungs-
ebenen - vom Ich/Selbst zum Anderen.

Texte mit einem gewissen Grad an Ambiguität. Implizitheit und Leerstellen verlangen Analyse und Reflexion.

Implizite, verschiedene Interpretations-
angebote, diverse Deutungsebenen jenseits des Konkreten, vielfältige Themen und Kontexte.

Intertextuelle, metafiktionale, konkrete und abstrakte Motive und auch subtile Leitmotive.

2a) Möglichkeiten zur Recherche von Kinder- und Jugendliteratur: Fachseiten

Kinder- und Jugendbuchportal Goethe Institut

Informationen über deutschsprachige Kinder- und Jugendbuchautoren sowie Kinderbuchillustratoren der Gegenwartsliteratur - vorrangig für Vermittler von deutschsprachiger Literatur im Ausland

AJuM

Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW

www.lesen-in-deutschland.de

Informationen zum Thema Leseförderung, bereitet diese zielgruppenorientiert auf und bietet für Eltern, Großeltern, Lehrer, Erzieher, Bibliothekare und Experten

Jugendstil Kinder- und Jugendliteraturzentrum NRW

Die Landesarbeitsgemeinschaft Jugend und Literatur

Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V.

Organisation und Bekanntgabe des Deutschen Jugendliteraturpreises, Leseförderung und Orientierungshilfe zur Kinder- und Jugendliteratur in Form der Fachzeitschrift JuLit

http://www.stiftunglesen.de/ueber-uns

Zweck der Stiftung Lesen ist die Förderung von Buch, Zeitschrift und Zeitung in allen Bevölkerungskreisen sowie die Pflege und Erhaltung einer zeitgemäßen Lese- und Sprachkultur, nicht zuletzt in den neuen Medien

2b) Möglichkeiten zur Recherche von Kinder- und Jugendliteratur: Buchempfehlungen

Kinderbuch-Couch

Internet-Informationsportal für Eltern zum Thema Kinderbücher für das Alter von 0 bis 12 Jahren.

Jugendbuchtipps.de

Literaturtipps eines Deutschlehrers

Büchermarkt: Bücher für junge Leser

– Buchbesprechungen zu KJL vom Deutschlandfunk

Bücherkinder

Redaktion aus rund 50 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 20 Jahren

Lesebar

Internet-Empfehlungs- und Rezensionszeitschrift für KJL

3) Impulse zum zieldifferenten Lernen

Die Schülerinnen und Schüler, die in den zieldifferenten Bildungsgängen Lernen und Geistige Entwicklung gefördert werden, bilden keine homogene Gruppe.

Schülerinnen und Schüler dieser Bildungsgänge erwerben vielfach Kompetenzen im Lesen, die grundlegenden Stufen des Schriftspracherwerbs zuzuordnen sind. Eine individuelle Diagnostik des individuellen Lern- und Entwicklungsstandes im Bereich Lesen gibt hier Hinweise für die Auswahl einer geeigneten Lektüre.

Auf der Textebene:

- Texte entlasten, ggf. ergänzend mit Bildern/Abbildungen unterstützen, entlastete Textversionen einsetzen

- Texte vorlesen (von Mitschülerinnen und Mitschülern/Lehrpersonen/Leseomas/ ...)

- Texte zum Abhören aufbereiten

- Text in alternativer Textform (erweiterter Textbegriff) präsentieren (z. B. Comic, Film, Bildergeschichte)

Auf der Verstehensebene:

- Lesestrategien und –techniken zum besseren Textverständnis einsetzen (z. B. Randnotizen, Überschriften zu einzelnen Abschnitten formulieren, wichtige Textstellen markieren, reziprokes Lesen)

- Lesekonzepte einsetzen (z. B. 5-Schritt-Lesemethode, Leseprofi, Lesezeichen)

- Verfahren des handlungs- und produktionsorientierten Umgangs mit Texten nutzen:

textproduktiv, szenisch, visuell, akustisch, …

Mögliche Methoden

Beim Lesen einer Ganzschrift ein Lesetagebuch anfertigen:

  • in „Schreibkontakt“ mit Textfiguren treten: z.B. einen Brief an einen Protagonisten schreiben, einen Gedankengang parallel zum Dialog verfassen (innerer Monolog)
  • Wortschatzkiste anfertigen
  • beschreiben/ malen/ nachbauen wichtiger Handlungsorte und Gegenstände
  • einen Text kürzen oder ausbauen
  • einen Text aus veränderter Perspektive nacherzählen
  • sich selbst in einen Text hineindichten und eine Szene schreiben
  • Grafik zur Personenkonstellation, zur Konfliktkette
  • eine Figur aus dem Text herauslösen und in einer anderen Welt auftreten lassen
  • mögliche Fortsetzungen und Vorgeschichten zu Texten schreiben
  • einen inneren Monolog / erlebte Rede / Tagebucheintrag einer Figur verfassen
  • Steckbriefe zu Figuren des Textes anfertigen
  • Quizfragen zu einem Text beantworten
  • ein Bild zu einem Text malen
  • Text-Bild-Collagen mit Bildern und Textzitaten erstellen

Erstellen einer Lesekiste:

  • Visualisieren des „roten Fadens“ der Geschichte
  • nonverbales Arbeiten möglich (z.B. Auslegen eines passenden Gegenstands zur Geschichte/zum Kapitel)
  • Gegenstände aus der Kiste als Sprechanlass
  • gemeinsames Erstellen einer Lesekiste als „heterogenes Tandem“ (zielgleicher und zieldifferenter Schülerinnen und Schüler)

Handlungs- und produktionsorientierte Zugänge:

  • Hörszene verfassen
  • Rollenspiel inszenieren
  • pantomimische Darstellung
  • Standbild bauen
  • Drehbuch schreiben und Videoszene drehen
  • Schattenspiel präsentieren
  • musikalische Umsetzung
  • Comic erstellen
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© 2019 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 20.09.2018