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Geschlechtersensible Medienbildung

Es ist Aufgabe der Schulen, alle Kinder und Jugendlichen entsprechend dem Medienkompetenzrahmen NRW zu einer kompetenten und verantwortungsvollen Nutzung von (gerade auch digitalen) Medien zu befähigen. Während in Nordrhein-Westfalen keine signifikanten Geschlechterunterschiede bei der Fähigkeit festgestellt werden können, mithilfe von Computern Informationen zu sammeln, zu organisieren, zu erzeugen und auszutauschen (ICILS-Studie 2018, S. 278), schneiden Mädchen bei der Bearbeitung von Problemen mithilfe digitaler Medien und Algorithmen im Durchschnitt schlechter ab als Jungen (vgl. ebd., S. 388). Außerdem verfügen Schülerinnen im computer- und informationsbezogenen Bereich bezogen auf fortgeschrittene Fähigkeiten tendenziell über eine geringere Selbstwirksamkeit (vgl. auch zum Folgenden ebd., S. 287 ff.). Hinzu kommt, dass sie weniger Interesse an Fächern des IT-Bereichs zeigen. Dies kann auch damit zusammenhängen, dass weniger Mädchen der Auffassung sind, IT-Kompetenzen würden ihnen in Zukunft bei der Ausübung der Arbeit nützen, die sie interessiert.

Eine pädagogische Konsequenz aus diesen Studienergebnissen kann darin bestehen, vermehrt die Bedeutung digitaler Technologien für ganz unterschiedliche Bereiche aufzuzeigen. Zusätzlich bietet es sich an, die Förderung des medienbezogenen Selbstbewusstseins sowie digitaler und algorithmischer Problemlösekompetenzen in den Fokus zu rücken. Neben diesen impliziten Strategien geschlechtersensibler Bildung kann es je nach Kontext auch sinnvoll sein, eher explizite Ansätze zu wählen, zum Beispiel durch geschlechtergetrennte Arbeitsgemeinschaften zu diesem Themengebiet in bestimmten Jahrgängen. Des Weiteren ist ein möglichst ausgewogenes Geschlechterverhältnis bei den Medien- und Technikscouts sowie weiteren potenziellen Vorbildern in diesen Bereichen wichtig.

Aus Geschlechterperspektive ist außerdem bedeutsam, dass Jungen häufiger Abhängigkeitssymptome im Bereich digitaler Spiele aufweisen (vgl. forsa 2019), Mädchen dagegen öfter bei der Nutzung sozialer Medien (vgl. DAK 2018). Im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit ist es wichtig, dass Schulen bei der Prävention und gemäß ihren Möglichkeiten bei der Intervention in beiden Bereichen gut aufgestellt sind.

Besonders bedeutsam ist außerdem, mögliche geschlechterbezogene Vorannahmen in diesem Themenkomplex kritisch zu reflektieren und die Lernenden entsprechend ihren individuellen Neigungen und Fähigkeiten zu fördern. Die dargelegten Studienergebnisse bieten zwar ein wichtiges Hintergrundwissen, um Geschlechteraspekte im schulischen Alltag erkennen und einordnen zu können. Sie lassen jedoch keine Rückschlüsse auf die einzelnen Lernenden zu und dürfen nicht zu Verallgemeinerungen führen. So gibt es natürlich auch sehr IT-affine Mädchen und Jungen, die sich wenig für diesen Bereich interessieren.

Zur geschlechtersensiblen Medienbildung zählt auch, dass Lernende mediale Geschlechterdarstellungen reflektieren. Kinder und Jugendliche sind Studien zufolge häufig mit stereotypen Geschlechterbildern in Medien konfrontiert, zum Beispiel in Kinderbüchern (vgl. Burghardt/Klenk 2016: 76; Studie der Süddeutschen Zeitung 2019), Fernsehsendungen (vgl. Prommer/Linke 2017) und Musik (vgl. z. B. Reger 2015, S. 122 ff.). Auch in sozialen Medien sind oftmals klischeehafte Darstellungen von Geschlecht vorzufinden (vgl. MaLisa Stiftung 2019); häufig werden sie dort von den Nutzenden selbst geschaffen. Gleichzeitig existieren jedoch zahlreiche Medienangebote, die als Beispiele für klischeefreie Geschlechterdarstellungen oder den kritischen Umgang mit Stereotypen genutzt werden können. Außerdem können Medien vielfältig für eine aktive Auseinandersetzung mit Fragen der Gleichstellung und der selbstbestimmten Lebensgestaltung eingesetzt werden, beispielsweise durch die Erstellung von audiovisuellen Produkten zu Geschlechterthemen in schulischen Projekten.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Bereich der Medienbildung vielfältige Geschlechteraspekte aufweist, die auch im Medienkonzept der Schule aufgegriffen werden können.

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