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Arbeitshilfe "Inklusive Schulkultur"

Coverbil der Arbeitshlfe - Zahnräder

©Studio Romantic - stock.adobe.com

Die Arbeitshilfe „Inklusive Schulkultur - Arbeitshilfe mit Reflexionsbögen und Impulsen für die schulische Praxis“ richtet sich gezielt an alle schulischen Akteure. Sie bietet konkrete Unterstützungsmaterialien und Anregungen für Schulentwicklungsprozesse an, die es im Kontext der Neuausrichtung der Inklusion und durch die Arbeit in Multiprofessionellen Teams fortlaufend zu gestalten gilt.

Fokussiert werden in der Arbeitshilfe die „Sieben Merkmale guter inklusiver Schule“ - in Anlehnung an Arndt & Werning (2016). Neben einer kurzen Information zu jedem Merkmal stehen für eine merkmalsbezogene Qualitätsentwicklung spezifische Reflexionsbögen für Schulleitungen, Lehrkräfte, Pädagogische Fachkräfte, Lernende sowie Erziehungsberechtigte bereit.

Diese Reflexionsbögen können sowohl als Einstieg in den Diskussionsprozess zur Entwicklung eines inklusiven Profils als auch für die Weiterentwicklung bereits bestehender Strukturen genutzt werden. Sie dienen explizit nicht der schulinternen Gesamtevaluation, sondern der Reflexion über die persönliche Haltung zur Inklusion, die dann über einen kollegialen Austausch und getroffene Absprachen in eine reflektierte Praxis überführt werden soll.

Wie und in welchem Kontext die Reflexionsbögen konkret eingesetzt werden können, verdeutlichen Praxisbeispiele und Beispiele Pädagogischer Tage samt zugehöriger Materialien. Sie bilden bereits erprobte exemplarische Umsetzungsmöglichkeiten in unterschiedlichen schulischen Zusammenhängen ab. Alle hier bereitgestellten Dokumente stehen Ihnen als Word-Version zum Download bereit und können so an die individuellen Bedarfe Ihrer Schule angepasst werden.

In der inklusiven Schule stehen die Schülerinnen und Schüler mit ihrem Bildungserfolg im Mittelpunkt

Information

„Im Zentrum der pädagogischen Arbeit […] steht das Kind. [Lehrkräfte und] alle pädagogischen Fachkräfte richten ihre Aufmerksamkeit auf das einzelne Kind mit seinen individuellen Fähigkeiten und Stärken, seinen jeweiligen Entwicklungsfeldern und dem, was es leisten kann“ (Bertelsmann Stiftung, 2016b, S. 6). Demnach gilt es einerseits, die Schülerinnen und Schüler selbst mit ihren eigenen Interessen, Neigungen und Anregungen zu Wort kommen zu lassen und ihre Selbsteinschätzung miteinzubeziehen. Andererseits gilt es gleichermaßen, „eine hohe, aber trotzdem angemessene Erwartung“ (Rolff, 2016, S. 136) hinsichtlich des zu erbringenden Arbeitseinsatzes an die Lernenden zu richten.

„Alle Beteiligten tragen dafür Sorge, dass jeder Schüler als wesentlicher und gut eingebundener Teil einer Gruppe am Schulleben teilnimmt. Das Prinzip des „Nicht-Aussonderns“ ist ein grundlegendes Merkmal guter inklusiver Schule“ (Bertelsmann Stiftung, 2016b, S. 6).

Inklusiver Unterricht fokussiert auf individuelles und kooperatives Lernen

Information

Unterrichtsentwicklung und -gestaltung liegt in der Verantwortung des gesamten Kollegiums und bedarf einer kontinuierlichen Weiterentwicklung (Bertelsmann Stiftung, 2016b). Dabei „legen die Kollegien einen Fokus darauf, Kinder zum selbstgesteuerten und zielorientierten Lernen anzuleiten und gleichzeitig alle Kinder in die Gruppenprozesse mit einzubeziehen. Dazu gehört u.a. eine sehr durchdachte Ausarbeitung des Lehrstoffes, die es jedem Kind ermöglicht, an seinem nächsten Entwicklungsschritt zu arbeiten, ohne dabei die Verbindung zur Lerngruppe zu verlieren. Auch die kontinuierliche Begleitung jedes Kindes und seiner Lerngruppe auf dem Lernweg gehört dazu“ (ebd., S. 7).

Dabei darf nicht nur die Ebene der Unterrichtsgestaltung von Seiten der Fachdidaktik einbezogen werden, vielmehr müssen auch die Lernenden selbst an der Planung, Ausgestaltung und Evaluation der Lernprozesse beteiligt werden.

Sowohl eine angstfreie und von Sicherheit geprägte Lernatmosphäre als auch ein positives soziales Gruppenklima begünstigen in diesem Zusammenhang zusätzlich die individuellen und kooperativen Lernprozesse aller Schülerinnen und Schüler (Rolff, 2016).

Verbindliche Absprachen schaffen verlässliche Strukturen für das Gemeinsame Lernen

Information

„Damit der Blick auf jedes Kind in seiner Einzigartigkeit gelingen kann, [helfen] verlässliche Strukturen und Absprachen für die pädagogische Arbeit […]. Durchgängige Unterrichtskonzepte, systematische Lernbegleitung, rhythmisierte Tagesabläufe, gute Elternarbeit und ein lebendiges Schulleben funktionieren nur mit klaren Absprachen“ (Bertelsmann Stiftung, 2016b, S. 8) und entsprechendem „Konsens bezogen auf die Ziele der pädagogischen Arbeit“ (Rolff, 2016, S. 136). Rahmen für verbindliche Absprachen und verlässliche Strukturen können u.a. feste Teamzeiten von Klassenteams, Jahrgangsteams

oder dem Gesamtkollegium sein. Dadurch entfallen kleinschrittige, zeitaufwändige Abstimmungsprozesse (Bertelsmann Stiftung, 2016b).

Sowohl eine professionelle Kooperation von Lehrkräften und Pädagogischen Fachkräften untereinander, eine Kultur der gegenseitigen Unterstützung als auch eine gemeinsame Übernahme von Verantwortung begünstigen schlussendlich den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler (Rolff, 2016) und tragen zusätzlich zur beruflichen Zufriedenheit eines jeden Teammitglieds bei.

Die inklusive Schulpraxis steht immer wieder auf dem Prüfstand

Information

Inklusive Schulen müssen sich stetig an die individuellen Bedürfnisse und Lernvoraussetzungen ihrer Schülerinnen und Schüler anpassen. Die dazu nötigen verbindlichen Absprachen und Strukturen stehen regelmäßig und systematisch auf dem Prüfstand. Inklusive Schulentwicklung ist ein kontinuierlich reflexiver Prozess. Alle an Schule beteiligten Personen und Professionen hinterfragen regelmäßig ihre Praxis und ihr pädagogisches Handeln und tragen mit ihren Erfahrungen dazu bei, dass die inklusive Schulpraxis regelmäßig weiterentwickelt wird (Bertelsmann Stiftung, 2016b).

Insbesondere eine gelebte Feedback-Kultur, mit reflektierenden Dialogen sowohl den unterrichtlichen Bereich als auch den Bereich der Arbeits- und Alltagskultur der Schule betreffend, schafft ein Klima der Offenheit und gibt zudem wertvolle Impulse für die Umsetzung neuer Ideen und Entwicklungsvorhaben (Rolff, 2016). Es ist erwünscht, auch mutig und kreativ „aus dem Fenster hinauszudenken“.

Materialien

Das Kollegium und die Schulleitung arbeiten eng zusammen

Information

„Die Schulleitung spielt eine zentrale Rolle in der Qualitätsentwicklung der Schule“ (Rolff, 2016, S. 136) und fungiert als Motor für inklusive Schulentwicklungsprozesse (Bertelsmann Stiftung, 2016b). „Sie ist umso wirksamer, je stärker die erweiterte Schulleitung, das mittlere Management oder die Steuergruppen eingebunden werden“ (Rolff, 2016, S. 145). Als initiierende, managende und moderierende Instanz lässt sie das gesamte Kollegium an allen wichtigen Entscheidungs- und Entwicklungsvorhaben partizipieren (Rolff, 2016). Ebenso legt sie Wert auf die Mitbestimmung von Schülerinnen und Schülern und deren Erziehungsberechtigten (Bertelsmann Stiftung, 2016b).

Wenn Schule als Team mit einer engagierten Leitung zusammenarbeitet, gelingen verbindliche Absprachen und gute schulische Entwicklungsarbeiten am besten. In leitender Funktion schafft sie förderliche Rahmenbedingungen und gewährt dem Kollegium sowohl pädagogische als auch organisatorische Freiräume. Sie unterstützt dessen Arbeit gewinnbringend durch Anregungen, Ideen und Ermutigung zu Neuem. Dabei sollte das Kollegium idealerweise aus verschiedenen Professionen bestehen und ein multiprofessionelles Team sein (Bertelsmann Stiftung, 2016b).

Die inklusive Schule arbeitet mit Eltern und externen Partnern zusammen

Information

„Inklusive Schulen heben besonders die Bedeutung einer engen, vertrauensvollen und verlässlichen Zusammenarbeit mit den Eltern ihrer Schüler hervor: Ohne Eltern funktioniert gute Inklusion nicht. Neben der Zusammenarbeit mit den Eltern öffnen sich inklusive Schulen und suchen gezielt nach Kooperationsmöglichkeiten mit externen Partnern [wie z.B. der Schulpsychologie, der Jugendhilfe und weiteren Beratungsstellen]“ (Bertelsmann Stiftung, 2016b, S. 19). Eine gelingende Kooperation ist u.a. im Rahmen der Gestaltung von Transitionsprozessen von entscheidender Bedeutung für die Lernbiografie und die Entwicklung des Lernenden. Eine gute inklusive Schule öffnet sich nach außen und ist im Wohnumfeld präsent (ebd.).

Haltung, Kompetenz und geeignete Rahmenbedingungen bilden das Fundament inklusiver Schule

Information

Grundlegend für gelingende und nachhaltige Entwicklungen hin zu einem inklusiven Schulprofil sind entsprechende Haltungen und Wertvorstellungen. Sie spiegeln sich u.a. im Geist einer Schule, in Stimmungen, Visionen und Beziehungen unter allen am Schulleben beteiligten Personen und Professionen wider. Sie sind überzeugt davon, Schule verändern und optimieren zu können (Rolff, 2016).

Gelebte inklusive Haltung manifestiert sich in der konkreten pädagogischen Arbeit. Diese ist sowohl von einem hohen Maß an Akzeptanz und Wertschätzung geprägt als auch von einer stärkenorientierten Sichtweise auf die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten eines jeden Lernenden (Bertelsmann Stiftung, 2016b).

Neben dieser gelebten inklusiven Haltung sind sowohl die adäquate Ausstattung der personellen, sächlichen und räumlichen Ressourcen (ebd.) als auch ein nah an den individuellen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler gestaltetes Umfeld (Rolff, 2016) wichtige Gelingensfaktoren für inklusive schulische Entwicklungen.

Arndt, A.-K. & Werning, R. (2016). Was kann man von Jacob-Muth-Preisträgerschulen lernen? Ergebnisse der Studie „Gute inklusive Schule“. In Bertelsmann-Stiftung (Hrsg.), Inklusion kann gelingen! (S. 105-140). Gütersloh: Bertelsmann-Stiftung.

Bertelsmann-Stiftung (Hrsg.). (2016a). Inklusion kann gelingen. Gütersloh: Bertelsmann-Stiftung.

Bertelsmann-Stiftung (Hrsg.). (2016b). Sieben Merkmale guter inklusiver Schule. Gütersloh: Bertelsmann-Stiftung. Verfügbar unter: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/imported/leseprobe/LP_978-3-86793-774-0_1.pdf [13.05.2020].

Bertelsmann-Stiftung. Mediathek. Video: Sieben Merkmale guter Inklusiver Schule. Verfügbar unter: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/mediathek/medien/mid/sieben-merkmale-guter-inklusiver-schule [30.10.2020].

Deutsche Kinder- und Jugendstiftung & Schubert, H. (Hrsg.). (2014). Lernende Bildungslandschaften. Qualitätsentwicklung Schritt für Schritt. Seelze: Klett/Kallmeyer.

Edkimo GmbH. Edkimo – Digitale Plattform für Feedback, Lernen und Evaluation. Verfügbar unter: https://edkimo.com/de [01.07.2020].

Friedrich-Schiller-Universität Jena (Hrsg.). SEfU - Instrument zur Selbstevaluation des eigenen Unterrichts. Verfügbar unter: https://www.sefu-online.de/index.php [01.07.2020].

Jordan, A., Glenn, C., McGhie-Richmond, D. (2010). The Supporting Effective Teaching (SET) project: The relationship of inclusive teaching practices to teachers’ beliefs about disability and ability, and about their roles as teachers. Teaching and Teacher Education, 26, 259–266.

Mays, D. (2016). Wir sind ein Team! Multiprofessionelle Kooperation in der inklusiven Schule. München: Reinhardt.

Mays, D. & Roos, S. (2018). Prima Klima in der inklusiven Schule. Wie man auch schwierige Beziehungen positiv gestalten kann. München: Reinhardt.

Mentimeter AB. Mentimeter – Interactive presentation software. Verfügbar unter:  https://www.mentimeter.com [01.07.2020].

Qualitäts- und UnterstützungsAgentur – Landesinstitut für Schule NRW (QUA-LiS NRW). Methodensammlung. Verfügbar unter: https://www.schulentwicklung.nrw.de/methodensammlung/liste.php [01.07.2020].

Qualitäts- und UnterstützungsAgentur – Landesinstitut für Schule NRW (QUA-LiS NRW). Webangebot zum Referenzrahmen Schulqualität NRW. Verfügbar unter: https://www.schulentwicklung.nrw.de/unterstuetzungsportal/index.php [01.07.2020].

Qualitäts- und UnterstützungsAgentur – Landesinstitut für Schule NRW (QUA-LiS NRW). Reflexionskreislauf zur Planung von Schulentwicklungsprozessen. Verfügbar unter: inklusive-schulische-bildung/schulkultur/schulentwicklungsprozesse-gestalten/planung-von-schulentwicklungsprozessen/planung-von-schulentwicklungsprozessen.html [01.07.2020].

Renkl, A. (1996). Träges Wissen: Wenn Erlerntes nicht genutzt wird. Psychologische Rundschau, 47 (2), 78–92.

Rolff, H.-G. (2016): Schulentwicklung kompakt. 3. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Weinheim/Basel: Beltz.

Sammons, P., Hillman, J., Mortimore, P. (1995). Key Characteristics of Effective Schools: A Review of School Effectiveness Research. London: Institute of Education/University of London.

Wahl, D. (2013): Lernumgebungen erfolgreich gestalten. Vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. 3. Auflage mit Methodensammlung. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Werning, R. & Avci-Werning, M. (2016). Herausforderung Inklusion in Schule und Unterricht. Grundlagen, Erfahrungen, Handlungsperspektiven. Seelze: Klett/Kallmeyer.

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