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Konzeptionelle Überlegungen

Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit

Lernzeiten können ein Instrument zur Etablierung von Chancengleichheit sein, wenn Lernangebote sich nicht an einem durchschnittlichen Leistungsniveau orientieren, sondern die unterschiedlichen Ausgangslagen und Entwicklungsschritte von Schülerinnen und Schülern berücksichtigen. (Vgl. Bildungsbericht Ganztagsschule NRW 2012, Kapitel 7.1ff. PDF, 6,6 MB) Dies ist in Lernarrangements dann möglich, wenn die Lernenden Aufgaben erhalten, die auf ihre individuellen Kenntnisstände zugeschnitten sind.

Verständnis von Unterricht: Individualisiertes Üben

Eine Verlagerung der individuellen Übungszeiten in Hausaufgaben setzt voraus, dass allen Schülerinnen und Schülern gleiche Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Zudem liegt eine Legitimation für Hausaufgaben in der Trennung zwischen Unterricht und Üben (vgl. Nilshon, S. 6f., PDF).

Wird intensive und konzentrierte Übungszeit hingegen als natürlicher Bestandteil des Unterrichts verstanden, so ist es naheliegend, den Schülerinnen und Schülern im schulischen Rahmen des Unterrichts Zeiträume zu eröffnen, in denen sie üben können. Üben wiederum müssen Lernende individuell – was der eine bereits beherrscht, fällt dem anderen noch schwer. Effektive Übungszeiten bieten daher immer individualisierende Aufgabenstellungen und Hilfestellung an, die an den jeweiligen Lern- und Kenntnisstand angepasst sind.

Veränderte Lehrerrolle

Lernzeiten bieten im Vergleich zu Hausaufgaben den Vorteil, dass die Lehrkraft als Berater und Coach zur Verfügung steht. Sie beobachtet das Arbeitsverhalten der Schülerinnen und Schüler, zieht Rückschlüsse über deren Stärken und Schwächen und reflektiert mit ihnen gemeinsam, welche Lernziele die nächsten sein können. Hierfür hat die Lehrkraft in der Lernzeit deutlich mehr Kapazitäten als im herkömmlichen Unterricht. Wie wichtig die begleitende Funktion und ein konstruktives Feedback durch Lehrerinnen und Lehrer ist, betont auch John Hattie wenn er sagt: „[Es] gilt für die Schüler: Wenn Feedback keine Informationen zu den nächsten Schritten enthält, neigen sie dazu, es nicht zu nutzen. Schüler wollen Feedback für sich selbst, genau zur richtigen Zeit, sodass es ihnen einen Schubs gibt und hilft weiterzukommen.“ Diese Form einer Begleitung des Arbeitsprozesses hin zu einer zunehmend selbstständigen Arbeitsweise ist in Lernzeiten möglich, wenn diese individualisierte Lernarrangements beinhalten und beispielsweise Lernziele und Lernstände mit Hilfe von Kompetenzrastern transparent machen.

Wie können gelingende Konzepte aussehen und entwickelt werden?

Die hier vorgestellten Lernzeitenkonzepte sind jeweils in Gesamtkonzepte integriert und zeigen auf unterschiedliche Weise, wie die Implementation von Lernzeiten gelingen kann.

Folgende Kriterien erfüllen die vorgestellten Modelle für Lernzeiten:

  • Hoher Grad an selbstständiger und aktiver Arbeit der Schülerinnen und Schüler
  • Individualisierung von Lernprozessen, Aufgaben und Lernsettings
  • Raumkonzepte und ritualisierende Hilfsmittel, die das Konzept unterstützen
  • Veränderte Lehrerrolle hin zu einem beratenden Coach
  • Klare organisatorische Rahmenbedingungen als Grundlage für ein Maß an Lernzeit, das echte Effekte zeigen kann
  • Rechtliche, organisatorische und finanzielle Umsetzbarkeit innerhalb der Bedingungen einer staatlichen Schule

Unabhängig von den jeweiligen Gesamtkonzepten, die jeweils ein umfassendes Gesamtgefüge an Bausteinen, Ritualen, Organisationsformen etc. enthalten, bieten die hier vorgestellten Praxisbeispiele Anregung und Hilfestellung, wie Lernzeiten organisiert und mit welchen Materialien sie umgesetzt werden können. Entscheidend für den Umsetzungsprozess ist, dass ein Modell für Lernzeiten gefunden und weiterentwickelt wird, das den speziellen Bedingungen und Wünschen der jeweiligen Schule entspricht. Viele der einzelnen Bausteine der vorgestellten Praxisbeispiele lassen sich auch losgelöst vom Gesamtkonzept als Anregung nutzen und häufig ohne großen Aufwand in den Schulalltag integrieren.

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Literatur

  • Und auf einmal geb´ ich keine Hausaufgaben mehr auf... – Die Hausaufgabe im Fokus: Lernzeiten(-Konzepte) in Ganztagsschulen
    Fiegenbaum, Dirk (2015): Und auf einmal geb´ ich keine Hausaufgaben mehr auf... – Die Hausaufgabe im Fokus: Lernzeiten(-Konzepte) in Ganztagsschulen. In: Die BASS von A bis Z. Erläuterungen und Handlungsempfehlungen für die Schulpraxis in NRW. Heft 15. Frechen: Ritterbach-Verlag.
  • Lernarrangements. Rahmen für Herausforderung und Unterstützung
    Horstkemper, Marianne (2014): Lernarrangements. Rahmen für Herausforderung und Unterstützung. In: Pädagogik. Heft 10. S. 6-10.
  • Hausaufgaben und Lernzeiten aus Sicht der pädagogischen Kräfte und Kinder
    Nordt, Gabriele (2010): Hausaufgaben und Lernzeiten aus Sicht der pädagogischen Kräfte und Kinder. In: Wissenschaftlicher Kooperationsverbund (Hrsg.): Lernen und Fördern in der offenen Ganztagsschule. Weinheim, München. S. 269-316.
  • Wie "frei" sind Freie Lernzeiten? Steinige Wege zum selbstbestimmten Lernen
    Thurn, Susanne (2016): Wie "frei" sind Freie Lernzeiten? Steinige Wege zum selbstbestimmten Lernen. In: Pädagogik. Heft 3. S. 6-9.
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© 2019 Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule - Letzte Änderung: 30.05.2017